Ruhrpott statt Reeperbahn - Dortmunder Dragqueen mit ungewöhnlichen Plänen

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Dortmunds bekannteste Dragqueen Antonella Rossi wollte in Hamburg durchstarten, in einem bekannten Reeperbahn-Theater. Dann kam Corona. Nun gibt es Ideen für ungewöhnliche Shows in der Heimat.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 12.06.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um Punkt 17 Uhr wollte der Dortmunder Antonino Waldmann-Russello alias "Antonella Rossi" Anfang März auf die Bühne treten.

Kleid und Stilettos saßen wie immer perfekt, das Hamburger Publikum im Pulverfass Cabaret, Europas größtem Travestietheater, war gut in Stimmung. Kurz vor Beginn der Show dann die Nachricht des Betreibers: "Das hier ist euer letzter Abend. Ab morgen sind alle Shows bis auf weiteres abgesagt. Bitte fahrt nach Hause."

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Corona beendete die Show

Zurück in Dortmund bleiben seit dem 16. März nun alle Perücken, Schuhe, Strumpfhosen und auch das lilafarbene Paillettenkleid im Kleiderschrank hängen. Das sind die Arbeitsutensilien von Antonino.

Der 46-jährige Dortmunder arbeitet seit über 20 Jahren als Travestiekünstler. Seit 2012 lebt er auch hauptberuflich davon, sich auf der Bühne in eine Dragqueen zu verwandeln und zu tanzen, zu singen, Witze zu erzählen. Nach eigenen Angaben ging es seitdem mit jedem Jahr wirtschaftlich steil bergauf, 2019 war sein erfolgreichstes Jahr überhaupt.

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Zu seinem Stammhaus hatte sich das Haus Heimsoth in Dortmund entwickelt. In den 90ern war er zum ersten mal in der Stadt aufgetreten. Und auch über Dortmunds Stadtgrenzen hinaus wurde er immer häufiger gebucht.

Höhepunkt bis zum Corona-Stillstand war dann besagte Einladung nach Hamburg ins "legendäre Pulverfass Cabaret", wie es auf der Website des Betreibers heißt. Dort hoffte er auf seinen ganz großen Durchbruch.

Rücklagen reichen nicht mehr lange

"Es braucht nicht vielmehr als eine Gesundheitskrise, und schon befindet man als Künstler in einer existenzbedrohenden Situation", sagt Waldmann-Russello. Da der gelernte Einzelhandelskaufmann Wert auf nachhaltiges Wirtschaften lege, habe er über die Jahre Rücklagen geschaffen, von denen er zurzeit noch leben könne. Lange gehe das aber auch bei ihm nicht mehr so weiter.

Auftritte in Biergärten

Um das Geschäft wieder anzukurbeln, kam ihm jüngst die Idee, in Biergärten aufzutreten. Da man sich dort unter freiem Himmel befände, wäre es einfacher, die Corona-Auflagen einzuhalten - und trotzdem eine unterhaltsame Show zu liefern.

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Für jeden Biergarten, der Interesse hat, soll dann eine individuelle, an die Corona-Maßnahmen angepasste Show entwickelt werden. "Viele Menschen sind seit Monaten keine Unterhaltung mehr gewöhnt. Da wird es sicherlich den einen oder anderen freuen, mal wieder etwas Schräges, so eine bunte Illusion auf der Bühne zu erleben", sagt Waldmann-Russello.

Vorerst zwei Travestie-Shows in Dortmund im Juli

Geplant sind die ersten Termine für den Juli. Shows in Dortmund finden am 4. Juli auf dem Sommerfest des SV Körne 83 sowie am 11. Juli im Biergarten vom Hufeisen auf der Rennbahn in Wambel statt.

Diese Shows wird der Travestiekünstler vorerst gratis darbieten. Es gehe ihm darum, "alles erstmal wieder in Gang zu bringen". Daher seien die Shows sowohl für ihn als auch für die Gastronomen eine gute Möglichkeit, Gäste und Publikum wieder an Live-Unterhaltung zu gewöhnen.

Gleichzeitig ruft Antonella die Biergarten-Betreiber in Dortmund und Umgebung auf, sich bei ihm zu melden, wenn sie Interesse an einer Zusammenarbeit haben. Freie Termine gebe es schließlich.

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