Drei Geldboten ausgeraubt: Dortmunder (54) gilt als Kopf der „Rewe-Bande“

hzVor Gericht

Die „Rewe-Räuber“ sollen bei Überfällen auf Geldboten 90.000 Euro Beute gemacht haben. Ein Dortmunder (54) gilt als Kopf der Bande. Jetzt steht das Trio vor Gericht.

02.10.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer Serie von Raubüberfällen auf Geldboten von Supermarkt-Tageseinnahmen müssen sich seit Donnerstag drei mutmaßliche „Rewe-Räuber“ vor dem Bochumer Landgericht verantworten. Als Bandenchef angeklagt ist ein 54-Jähriger aus der Dortmunder Nordstadt.

Laut Anklage hatte sich der Mann mit zwei Komplizen (28/30) im Oktober 2019 zu einer Bande zusammengeschlossen und auf Überfälle auf Geldboten spezialisiert. Eine Schlüsselrolle kommt laut Anklage dem 30-jährigen Angeklagten zu, der seinerzeit Mitarbeiter eines Rewe-Marktes war und seine Komplizen mit Insidertipps versorgt haben soll.

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„Her mit der Tasche, sonst knallt’s“

Die erste von drei Taten sollen sie am 28. Oktober 2019 in Gelsenkirchen verübt haben. Zwei Geldboten, die sich gerade auf dem Weg befanden, die Tageseinnahmen eines Supermarktes (rund 40.000 Euro) zur Bank zu bringen, sollen von dem Dortmunder und einem Mitangeklagten abgefangen, bedroht („Her mit der Tasche, sonst knallt’s“) und ausgeraubt worden sein.

Beim zweiten Überfall soll das Trio in Herten zugeschlagen haben. Der angeklagte Ex-Rewe-Verkäufer soll dabei einen Überfall vorgetäuscht haben. Gemeinsam mit einem echten Geldboten soll der 30-Jährige gerade die Tageseinahmen (rund 30.000 Euro) zur Sparkasse gebracht haben, als seine zwei Komplizen den Geldboten attackiert und beraubt haben sollen.

Geldbote mit Pfefferspray besprüht

Der dramatischste Coup soll der dritte Überfall gewesen sein. Tatort war erneut Gelsenkirchen. Hier soll ein Geldbote von zwei Angeklagten nicht nur mit Fäusten angegriffen, sondern auch mit Pfefferspray besprüht worden sein. Beute laut Anklage hier: 20.000 Euro.

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Auf die Spur der Täter waren die Ermittler durch einen V-Mann gekommen. Der verdeckte Ermittler hatte offenbar mitbekommen, dass der nun angeklagte Ex-Rewe-Mitarbeiter einen Überfall nur vorgetäuscht hat, in Wirklichkeit jedoch Tippgeber gewesen ist. Im Anschluss daran war sein Handy angezapft worden.

Anklage: Trio wollte „Corona-Beschränkungen“ ausnutzen

Die Festnahme des Trios erfolgte laut Anklage kurz vor der Ausführung eines vierten Coups in Düren. Bei einem für den 2. Mai geplanten Überfall soll das Trio darauf spekuliert haben, dass die Leute aufgrund der Corona-Beschränkungen gezwungen seien, den „Tanz in den Mai“ zu Hause zu feiern und daher in der dortigen Rewe-Filiale mit einem erhöhten Einkauf an Spirituosen (und damit mit höheren Tageseinnahmen) zu rechnen sei.

Zum Prozessauftakt haben sich alle drei Angeklagte noch nicht geäußert. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Trio durch DNA-Spuren, abgehörte Telefonate und Funkzellen-Daten überführt werden wird. Urteile: frühestens am 24. November.

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