Dreijähriger allein auf der Intensivstation

DORTMUND Grausames Verbrechen oder schrecklicher Irrtum? Eine Mutter (31) steht unter Verdacht, ihren schwerkranken Sohn (3) vergiftet zu haben - jetzt verbietet das Jugendamt jeden Kontakt.

von Von Andreas Wegener

, 16.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Sandra Tiefenhoff ist am Boden zerstört, weist jede Schuld entschieden von sich: "Nik ist wegen eines Behandlungsfehlers von Geburt an schwer behindert, seither habe ich mich jeden Tag um ihn gekümmert. Dass er jetzt ganz allein auf der Intensivstation liegt und leidet, ist seelische Grausamkeit. Nicht einmal meine Mutter lässt man zu ihm."

Kripo am Krankenbett

Für eine komplizierte Operation war der Junge vor rund drei Wochen von Dortmund ins Klinikum Essen verlegt worden. Dann die schreckliche Diagnose: Akutes Leberversagen. "Man sagte mir, Nik werde die nächsten Tage nicht überleben." Am nächsten Tag stand die Kripo am Krankenbett. "Die Ärzte hatten im Urin angeblich Rückstände eines Antidepressivums gefunden, deshalb beschuldigte man mich, ich habe ihn damit töten wollen."

Das Jugendamt reagierte sofort, nach einem Gerichtsbeschluss durfte Sandra Tiefenhoff auch ihre jüngeren Kinder Marvin (10) und Jessica (14) nicht mehr sehen. "Ich verstehe ja, dass dem Verdacht nachgegangen wird, aber das Nik und meine anderen Kinder darunter so lange leiden müssen, macht mich einfach nur wütend." Inzwischen hat sie selbst nachgeforscht - und herausgefunden, dass das angeblich nachgewiesene Antidepressivum "vom chemischen Aufbau nahezu identisch mit 'Timox' ist - dieses Arzeimittel bekommt Nik schon lange gegen epileptische Anfälle".

Notfalls unter Begleitung

Laut Staatsanwaltschaft besteht lediglich ein Anfangsverdacht, dem Kind gehe es inzwischen besser. Jugendamt und Familiengericht lehnten Stellungnahmen ab. Michael Wolff, der Anwalt der Mutter, hat jetzt einen Eilantrag gestellt: "Wichtig ist, dass Nik wieder die Stimme seiner Mutter hören kann. Notfalls auch unter Begleitung."

    

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