Nach Horrorfahrt: DSW21 muss alle Stadtbahnen umrüsten

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Dortmunds Stadtbahnen müssen außerplanmäßig in die Werkstatt. Grund sind neue Vorschriften nach einem spektakulären Vorfall in Bonn.

Dortmund

, 22.01.2020, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vorfall ist ein Horrorszenario für Bahn-Fahrgäste: Unkontrolliert rast eine Straßenbahn mit mehr als 80 Stundenkilometern über die Gleise, durchfährt mehrere Haltestellen und Bahnübergänge, weil der Fahrer das Bewusstsein verloren hat. Auch das Ziehen der Notbremse bleibt ohne Wirkung.

So passierte es am 22. Dezember vergangenen Jahres in Bonn, wo ein Fahrer ohnmächtig geworden war. Erst nach mehr als fünf Minuten Geisterfahrt gelang es Fahrgästen, die Tür zur Fahrerkabine aufzubrechen und die Bahn zu stoppen.

Neue Sicherheitsvorschriften

Der Vorfall hat jetzt Konsequenzen: Die für ganz NRW zuständige Technische Aufsichtsbehörde der Bezirksregierung Düsseldorf hat neue Sicherheitsvorschriften erlassen, die landesweit gelten. Demnach müssen neue Regelungen zur sogenannten Sicherheitsfahrschaltung umgesetzt werden.

„Sollte der Fahrer nicht mehr handlungsfähig sein, wird die Bahn nach 15 Sekunden abgebremst. Die künftige Sicherheitsfahrschaltung muss vom Fahrer immer wieder regelmäßig gelöst werden. Bisher musste sie permanent betätigt werden“, heißt es in einer Mitteilung der Bezirksregierung.

„Totmann-Schaltung“ funktionierte nicht

Die sogenannte „Totmannschaltung“ hatte die Bahn in Bonn nicht gestoppt, weil der bewusstlose Fahrer offenbar mit seinem Körper auf den Schalter gesackt war und ihn damit - wie bisher gefordert - permanent gedrückt hatte. Die Notbremse, die die Fahrgästen mehrfach gezogen hatten, wirkte wiederum nicht, weil eine Notbremsüberbrückung eingeschaltet war.

Danach wird zwar der Fahrer alarmiert, muss dann aber selbst entscheiden, wo er die Bahn am besten zum Stehen bringt. Auch das hat in Bonn verständlicherweise nicht funktioniert.

Die Erkenntnis für die Experten der Technischen Aufsichtsbehörde aus dem Bonner Vorfall: Es gab keine technischen Mängel oder organisatorischen Defizite, sondern eine Verkettung unglücklicher Umstände. Gleichwohl soll nun mit einer neuen technischen Regelung erreicht werden, dass sich so etwas nicht wiederholen kann.

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„Um Vorfälle dieser Art künftig auszuschließen, haben wir nach gründlicher Prüfung verfügt, dass die Bahn im Notfall dort stoppt, wo Hilfe und Evakuierung am besten möglich sind, so lange der Fahrer handlungsfähig ist. Wenn der Fahrer nicht mehr handlungsfähig ist, wird innerhalb von 15 Sekunden der Bremsvorgang eingeleitet“, erklärte die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher.

Bahnen müssen in die Werkstatt

Die Folge: Landesweit müssen die Sicherheitsfahrschaltungen an rund 1700 Stadtbahnen umgerüstet werden - darunter auch an 121 Fahrzeugen aus dem Fuhrpark von DSW21.

Nach Horrorfahrt: DSW21 muss alle Stadtbahnen umrüsten

Die Stadtbahnen müssen außerplanmäßig in die DSW-Werkstatt in Dorstfeld, um sicherheitstechnisch umgerüstet zu werden. © Archivfoto

„Wir stehen mit der Technischen Aufsichtsbehörde und den anderen großen Verkehrsunternehmen in NRW zu dem Thema in Kontakt“, erklärte DSW-Sprecherin Britta Heydenbluth auf Anfrage. „Wir werden alle 121 Bahnen nach den Vorgaben der Aufsichtsbehörde nachrüsten.“

Dabei wird der Aufwand je nach Fahrzeug-Typ unterschiedlich sein. Bei den moderneren Niederflurbahnen vom Typ NGT8, die auf der Ost-West-Strecke zwischen Marten und Wickede und zum Borsigplatz fahren, reicht es vermutlich aus, die Software anzupassen. Bei den sogenannten B-Wagen, die auf allen anderen Strecken unterwegs sind, muss auch die „Hardware“ zum Beispiel mit der Verkabelung angepackt werden.

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Übergangsfrist von zwei Jahren

„Zu den Kosten oder der Zeitplanung können wir aktuell noch nichts sagen, da wir wie die anderen Verkehrsunternehmen noch auf Details warten“, erklärt Britta Heydenbluth. Die Nahverkehrsunternehmen haben von der Behörde für die Umrüstung eine Übergangsfrist von zwei Jahren bekommen.

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