Die Dortmunder Stadtwerke müssen immer © picture alliance / dpa
Sanierungsfall Steag

DSW21 will erneut Geld für Steag nachschießen – und welches zurückholen

Soll DSW21 frisches Geld für den kriselnden Stromproduzenten Steag nachschießen? Und wieviel könnte Dortmund bei einem Steag-Verkauf zurückbekommen? Dazu liegen jetzt erste Berechnungen vor.

Die RAG-Stiftung steht bereit, den von der Energiewende gebeutelten Kohleverstromer Steag zu sanieren und 2024 zu verkaufen. Voraussetzung: Die Steag-Eigentümer, ein Konsortium aus sechs kommunalen Versorgern mit DSW21 an der Spitze, müssen mit den Banken ein neues Finanzierungskonzept vereinbaren. Und zuvor erst einmal weiteres Geld ins Unternehmen pumpen.

Rund 30 Millionen Euro für Zinszahlungen müssen her. Bochum und Oberhausen scheren aus und wollen nichts mehr in das Unternehmen stecken. Folge: Die weiteren vier Gesellschafter aus Dortmund, Essen, Duisburg und Dinslaken sind gezwungen, einzuspringen und überproportional mehr Geld beizusteuern.

Das gilt vor allem für DSW21, mit einem Anteil von 36 Prozent größter Steag-Eigentümer. In der eigens einberufenen Sondersitzung des DSW21-Aufsichtsrates am Dienstag, (11.5.), gab es erstmals konkrete Zahlen – und eine Entscheidung unter Vorbehalt.

DSW21-Aufsichtsat sagt „Ja, aber…”

Der Beschluss war zweistufig: Auf Vorstandsebene von DSW21 war zuvor entschieden worden, ein weiteres Darlehen zu gewähren. Dabei geht es um 14,2 Millionen Euro. Die DSW21-Aufsichtsräte haben in einem zweiten Schritt zugestimmt – und den Vorständen einstimmig freie Hand gegeben, eine entsprechende Summe am Kapitalmarkt aufzunehmen. Mit der Maßgabe, dass die Steag-Anteile nach der Sanierung verkauft werden.

Es gibt allerdings einen Vorbehalt, auf den aus Kreisen des Aufsichtsrates ausdrücklich hingewiesen wird: Das „Okay“ der Aufsichtsräte allein reicht nicht – es bedarf der Zustimmung des Rates. Schließlich finde die Meinungsbildung in den Fraktionen erst noch statt, heißt es.

Bislang gingen die Aufsichtsräte davon aus, der Rat könne sich bereits in seiner Sitzung am 20.5. mit dem zu erwartenden Beschlusspapier befassen. Zur Überraschung einiger Sitzungsteilnehmer kündigte DSW21-Aufsichtsratschef Thomas Westphal das Papier für die Juni-Sitzung an. Bis 30. Juni muss das neue Finanzierungskonzept mit den Banken unter Dach und Fach sein.

DSW21 hofft auf Rückflüsse bei Steag-Verkauf

Eine der wesentlichen Voraussetzungen: Alle sechs Steag-Eigentümer müssen sich „unwiderruflich“ erklären, ihre Steag-Anteile später komplett zu verkaufen. Gleichzeitig jedoch sollen die Eigentümer, die jetzt noch einmal Geld nachschießen, ein Ankaufsrecht bekommen. Wie aus Aufsichtsratskreisen verlautet, dürfte gerade dieser Aspekt in den Ratsfraktionen noch für Diskussionen sorgen.

Die Zahlen, die den DSW21-Kontrolleuren vorgelegt wurden, tun das bereits jetzt. Die Gretchenfrage: Wie viel Geld könnte bei einem Steag-Verkauf theoretisch nach Dortmund zurückfließen?

Jetzt liegen erste Szenarien vor, basierend auf dem Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger. Demnach könnte DSW21 bei einem Verkaufserlös für Steag in Höhe von insgesamt 357 Millionen Euro mit Rückflüssen von knapp 191 Millionen Euro rechnen. Für den Fall, dass sich bei einem Verkauf 500 Millionen Euro erzielen lassen, käme DSW21 auf 235,6 Millionen Euro.

Steag-Engagement kostet rund 205 Millionen Euro

Zum Vergleich: Seit dem Kauf von Steag 2011 und 2014 haben die Dortmunder Stadtwerke insgesamt 205 Millionen Euro ins Unternehmen investiert. Für die Übernahme von Steag hatte DSW21 rund 135 Millionen Euro Eigenkapital beigesteuert. 2018/2019 musste DSW21 eine Kapitalspritze von 56 Millionen Euro aufziehen – und aktuell eine weitere in Höhe von 14,2 Millionen Euro.

Und was, wenn die Eigentümer den benötigten Kredit nicht gewähren? Auch darauf gab es im Aufsichtsrat klare Antworten: Ohne Kredit gebe es kein neues Finanzierungskonzept – und wohl auch keinen Treuhandvertrag mit der RAG-Stiftung. Der Buchwert der Steag-Beteiligung beträgt noch 58 Miilionen Euro. Käme es zum Knall, wären auch die vollständig futsch.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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