Eichenprozessionsspinner machen Kinder krank - Anwohner schlagen Alarm

hzSchädlinge

Die Stadt bemüht sich, der Raupen des Eichenprozessionsspinners Herr zu werden. Überall klappt das aber nicht: Anwohner eines Wohngebiets schlagen Alarm – vor allem für ihre Kinder.

von Tobias Weskamp

Brackel

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Tiefbauamt bemüht sich, die akute Belastung und eine weitere Verbreitung der Raupe des Eichenprozessionsspinners durch die geschlüpften Falter einzudämmen. Im Brackeler Wohngebiet Hohenbuschei sind die Anwohner allerdings nicht zufrieden, da die Nester bisher nicht entfernt wurden, obwohl sie schon vor über sechs Wochen gemeldet wurden.

Die betroffenen Bäume in Hohenbuschei haben nicht oberste Priorität

Der Grund ist, dass die betroffenen Eichen auf „öffentlichem Grün“ stehen und daher erst später befreit werden. „Während Kitas, Schulen und Hauptverkehrswege verständlicherweise zuerst versorgt wurden, mussten die hier anwohnenden Kinder nun mit der Belastung durch die Brennhaare zurechtkommen“, erklärt Anwohnerin Carola Leseberg.

Eichenprozessionsspinner machen Kinder krank - Anwohner schlagen Alarm

Einige öffentliche Grünanlagen sind noch gesperrt. © Tobias Weskamp

Gärten wurden zu Sperrgebieten, weil die Äste der Eichen im gesperrten Park über die Gartenzäune ragen. „Es gibt sogar Bäume, die auf Grundstücksgrenzen liegen“, so Anwohnerin Anneke Geis. 60 Kinder wohnen im Quartier. „So still und leise war es noch nie hier.“

Dass die Bäume nicht direkt am Haus stehen, nutzt nichts. „Die Haare fliegen rüber“, so Carola Leseberg. Die Kinder dürfen sich daher kaum draußen aufhalten. Aber auch das reicht nicht immer: „Sie gehen meist nur vom Auto direkt zum Haus. Aber sie bekamen trotzdem Hautausschlag.“ Cortison war nötig, um die Ausschläge zu behandeln. Einige Anwohner hatten auch Atembeschwerden.

Ein Ausweichen ist kaum möglich

Die Anwohner sind nicht glücklich darüber, dass öffentliche Sportstätten gesäubert wurden, während die vielen Kinder in Hohenbuschei der Belastung kaum entkommen konnten. Ganz besonders ärgern sie sich darüber, dass die Falter geschlüpft sind.

Zeitlich seien die Anwohner immer wieder vertröstet worden. „Das Tiefbauamt hat mir jetzt gesagt, dass sie vorerst nichts machen können. Erst hieß es, die Raupen würden entfernt. Jetzt legt jedes Weibchen 200 bis 300 Eier für das nächste Jahr“, beschreibt Carola Leseberg.

Die Anwohner fragen sich, ob ein Wohngebiet mit so vielen Kindern als „öffentliches Grün“ kategorisiert sein sollte, wodurch es erst sehr spät vom Raupenbefall gesäubert wird. Die Stadt empfehle die betroffenen Gebiete zu meiden, was in diesem Falle aber nicht möglich sei.

Arbeit der Stadt wird anerkannt

Die Anwohner wollen mit ihrer Beschwerde aber keinesfalls sagen, dass die Stadt nichts tue. „Wir wissen, dass sie viel macht. Wir haben nur den Eindruck, als Wohngebiet nicht wahrgenommen zu werden“, findet Carola Leseberg.

„Das Ziel, dass die Raupen der Eichenprozessionsspinner auch in Hohenbuschei abgesaugt werden sollen, ist vollkommen richtig“, bestätigt Stadtpressesprecher Christian Schön auf Anfrage der Stadtteil-Redaktion. Die Anwohner würden aber nicht hingehalten, sondern es seien einfach keine ernsthafte Zusagen möglich.

Eichenprozessionsspinner machen Kinder krank - Anwohner schlagen Alarm

Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners krabbelt auf einer Kinderschaukel. © Carola Leseberg

Jederzeit könne ein neuer befallener Baum, der ganz woanders steht, aber höhere Priorität hat, dazwischen funken. Die Anwohner in Hohenbuschei müssten nicht einfach aus reiner Willkür warten, so der Stadtsprecher. „Das Tiefbauamt hat schon viele Gespräche mit Anwohnern geführt und immer wieder versucht, verständlich zu machen, warum andere Bereiche bislang Vorrang hatten und dass man eben nicht überall gleichzeitig arbeiten kann“, so Schön.

Grünflächen ohne Verkehrsbeziehungen könne man problemlos absperren, so die Stadt. Der Bereich in Hohenbuschei sei einer davon. „Das Wohngebiet liegt nicht mittendrin, sondern daneben - der Abstand ist mit 100 Metern ausreichend“, erklärt Schön. Deutlich sichtbar stehen allerdings etliche Bäume auch direkt an den Grundstücksgrenzen der Anwohner. Schön kann ihnen aber Mut machen: „Ab Mitte dieser Woche sollen die Arbeiten dort fortgesetzt werden.“

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Gefährliche Raupe

Eichenprozessionsspinner schon auf 1700 Bäumen: Stadt ergreift ungewöhnliche Maßnahmen

Mehr als 1700 Bäume sind vom Eichenprozessionsspinner befallen – eine Gefahr auch für zehntausende Kirchentags-Besucher. Und die Gefahr ist noch lange nicht vorüber. Das tut die Stadt. Von Felix Guth

Lesen Sie jetzt