Eigener Supermarkt war für die Schürener in den 60ern eine Sensation

hzLeser-Erinnerungen

Heute wohnt die gebürtige Dortmunderin Gisela Werninghaus in Unna. Ihr Herz gehört aber immer noch dem Dortmunder Süden - und der alten Ladenstraße in Schüren. Die 69-Jährige erinnert sich.

Schüren

, 17.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Erinnerungen haben die Dortmunder an die Anfangstage der Schürener Ladenstraße? Das wollte die Redaktion wissen und hatte die Leser dazu aufgerufen, ihre ganz persönlichen Geschichten rund um Handel und Gewerbe in Schüren zu erzählen.

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Gisela Werninghaus meldete sich bei uns. Die heute 69-Jährige ist gebürtige Dortmunderin und verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Schüren. Fünf Jahre lang wohnte sie gemeinsam mit ihren Eltern in der Markscheiderstraße.

Zu Beginn der 1960er-Jahre sei die Familie nach Schüren gezogen, denn dem Vater, der Beamte bei der Deutschen Bahn gewesen sei, habe der Arbeitgeber eine Wohnung in der damals neu entstandenen Siedlung angeboten.

Wohnungen für Eisenbahner

„Als meine Eltern und ich nach Schüren in die neue Siedlung zogen, im Oktober 1962, war das Sechs-Familien-Haus in der Markscheiderstraße eines der ersten, das bezugsfertig war. Es gab allerdings noch keine Haustür, der Treppenhandlauf vom Geländer fehlte noch und die Flure waren noch nicht gestrichen. Die Straßen waren schon angelegt, aber noch nicht geteert und alles sah noch nach einer großen Baustelle aus“, erinnert sich Werninghaus.

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Damalig sei sie elf Jahre alt gewesen und für sie und die anderen Kinder in der Straße sei die Baustelle, die die Straße damals noch war, ein riesiger Abenteuerspielplatz gewesen.

„Wir liebten es, Mutproben zu bestehen, zum Beispiel aus dem 1. Stock eines Rohbaus in große Sandhaufen zu springen oder von Kellerschacht zu Kellerschacht."

Große Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung für Groß und Klein sei damalig das Leben in der Großbaustelle gewesen: Bei Regen mussten die Kinder Gummistiefel tragen und die Erwachsenen Überschuhe, sonst hätten alle sich durch den Matsch die Schuhe ruiniert.

„Und im Winter 62/63 schneite es auch noch so stark, dass wir auf unseren Lehmbergen Schlitten fahren konnten", erzählt Gisela Werninghaus.

Im Juli 2020 wurde der Baugrund vorbereitet. Die Ladenzeile war schon da vollständig abgerissen.

Im Juli 2020 wurde der Baugrund vorbereitet. Die Ladenzeile war schon da vollständig abgerissen. © Oliver Schaper (Archiv)

Eine Wohnsituation wie in den Schürener Neubauten hätten früher die meisten nicht gekannt. Viele der zugezogenen Familien hätten zuvor in Altbauwohnungen ohne Bad und eigener Toilette, ohne fließend heißem Wasser gelebt. Waschküchen und elektrische Waschmaschinen seien ihnen fremd gewesen.

Zum neuen Luxus habe sich auch noch der uneingeschränkte Ausblick vom Balkon aus auf den Schwerter Wald gesellt.

Nahversorgung fehlte noch

„Doch das alles war etwas getrübt durch die kaum vorhandenen Möglichkeiten, Lebensmittel und alle anderen Artikel des täglichen Bedarfs einzukaufen. Im Nagelpötchen gab es einen kleinen A&O Laden und in Altschüren einen noch kleineren der Familie Saltenbrock. Also musste das Meiste in Aplerbeck gekauft werden", sagt die Zeitzeugin.

Nur hatten viele weder Fahrrad, noch Moped oder Auto. Busverbindungen zwischen Schüren und Aplerbeck gab es noch keine, weshalb alle Einkäufe zu Fuß erledigt werden mussten. Laut Gisela Werninghaus seien Einkaufstage immer mit der „elendigen Latscherei“ verbunden gewesen.

Zur Mitte des Jahrzehnts hin habe dieser Umstand erst behoben werden können. Die Schürener feierten die Eröffnung des ersten Supermarkts vor Ort. Der „Konsum“ (später Coop, dann Edeka) öffnete seine Türen. Eine der ersten Kundinnen am Eröffnungstag sei die Mutter von Gisela Werninghaus gewesen.

Später kam dann der Rewe-Markt hinzu und die Ladenstraße wurde aufgebaut. „Sie war nicht schön, aber zweckmäßig und soweit ich mich erinnere, gab es dort einen Bäcker, einen Friseur, eine Apotheke, die Fahrschule Bonnekoh und natürlich mit das Wichtigste - die Kneipe ‚Im Stahleck‘. Ich glaube, einen Blumenladen gab es auch noch“, so Werninghaus.

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