Ein Dortmunder Schüler hat einen eigenen Spielfilm produziert

hzNachwuchsregisseur

Seza Tan Selen hat jahrelang an seinem Spielfilm „Neozoen“ gearbeitet. Vor der Premiere im Käthe-Kollwitz-Gymnasium ist er nervös – aber nicht wegen der Reaktionen des Publikums.

von Johannes Bauer

Mitte

, 22.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für einen Moment wirkt es so, als wäre die Zeit im Zimmer des 17-jährigen Seza Tan Selen vor ein paar Jahren stehen geblieben. Auf dem Schrank thronen zwei Piratenschiffe aus Lego.

Kommt man zur Tür rein, blickt man auf auf eine L-förmige Straßenzeile samt Hogwartstürmen und selbstgebauter Batcave. Selbstverständlich auch aus Legosteinen.

Doch ein riesiger, leicht gewölbter Monitor auf dem Schreibtisch zerstört das Bild des Kinderzimmers direkt wieder. „Das Schnittprogramm erstellt gerade eine neue Version des Films“, erklärt Seza Tan beiläufig den Ladevorgang auf dem Bildschirm.

Er meint damit sein Projekt Neozoen - ein Spielfilm, bei dem Schüler und Polizisten einen Mord aufklären wollen. Seza Tan hat ihn in den vergangenen eineinhalb Jahren selbst produziert.

Kritik an Stanley Kubrick

Wie viele Versionen seines Projekts er erstellt hat, kann der Nachwuchsregisseur aus dem Stand gar nicht sagen. Ständig findet er noch etwas, das er verbessern möchte. Wenig überraschend zählt der junge Filmemacher auch Stanley Kubrick zu seinen Vorbildern.

Für die Regielegende hat Seza Tan aber nicht nur Lob übrig: „Ich bewundere schon, wie perfektionistisch Kubrick war, mit seinen Schauspielern ist er zum Teil aber zu hart umgegangen.“

Für Seza Tan undenkbar. Der Großteil seiner Filmcrew geht mit ihm in die 12. Stufe des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, sein bester Freund Viktor spielt sogar eine der Hauptrollen. Im Laufe der Dreharbeiten wuchs das Team auf 45 Schüler an. Dazu kamen fünf professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler.

Seza Tan Selen überzeugt Theaterschauspieler

So wie Uwe Schmieder. Der 60-Jährige ist Teil des Dortmunder Ensembles. Seza Tan hat ihn persönlich angeschrieben. „Danach haben wir uns in einem Restaurant getroffen und ich hab‘ ihn von meinem Drehbuch überzeugt“, freut sich der junge Regisseur.

Ein doppelter Glücksfall für ihn, denn Schmieder brachte das Filmprojekt noch bei zwei seiner Kollegen ins Gespräch. Während Seza Tan das erzählt, drückt er mit seiner einen Hand auf der anderen herum. So recht weiß er nicht, wohin mit ihnen. Steht er auf, verschränkt er direkt die Arme.

Sein Gesicht umspielt eine wilde Mähne. Kein Zufall. „Ich wollte mir die Haare wachsen lassen, bis der Film fertig ist“, meint Seza Tan. Sieht man sich Fotos der Dreharbeiten an, ist der Jugendliche kaum wiederzuerkennen.

Langwierige Filmproduktion

Allein 50 Drehtage waren für den Spielfilm angesetzt. Planung und Organisation hätten ihn dabei am meisten Nerven gekostet. Pro Tag hat Seza Tan bis zu fünf Stunden in sein Projekt gesteckt.

Regie, Kamera, später noch visuelle Effekte und Schnitt - Seza Tan hatte zwar ein großes Team um sich, viele Arbeiten übernahm er aber selbst. Das Knowhow dafür hat er als YouTuber gelernt. Auf seinem Kanal finden sich fast 100 Videos in Stop-Motion-Technik, mit der Seza Tan Legofiguren zum Leben erweckt hat.

Dafür gab es neben der Erfahrung auch schon einige Auszeichnungen. „Wichtiger ist mir aber, dass meine Familie und Freunde einen Film gut finden“, stellt der 17-Jährige klar. Am Samstag (25.1) wird sich zeigen, wie sein fast zweistündiger Spielfilm beim Publikum ankommt.

Da feiert Neozoen nämlich im Käthe-Kollwitz-Gymnasium, Erzbergerstraße 1-3, Premiere. Vor negativen Reaktionen fürchet sich Seza Tan nicht. Seine größte Sorge? „Am schlimmsten wäre es, wenn die Technik ausfallen würde.“

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