Ein Grabstein im Bücherregal: Mengeder Friedhof möchte neue Bestattungsarten etablieren

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Baum, Bücherfeld, Hochbeet oder Insel – die traditionelle Erdbestattung ist längst nicht mehr die einzige Variante der Beisetzung. Kreative Arten der Beisetzung gibt es auch in Dortmund.

von Franka Doliner

Mengede

, 20.11.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Urne oder Erdbestattung – bis vor etwa zehn Jahren war die Auswahl begrenzt. Heute gibt es Friedwälder, in denen jedem Verstorbenen ein Baum gewidmet wird, und Hochbeete als Grabstätten. Kreative Arten der Bestattung gehen mit der Zeit.

„Familiengruften und Erdbestattungen gibt es immer weniger“, weiß Cordula Podscharly vom Friedhofsbüro Mengede. Auf dem Friedhof an der Mengeder Schulstraße wollen sie und ihre Kollegen moderne Beisetzungsarten etablieren.

Kreative Grabstätten in Mengede

Seit dem Herbst 2015 gibt es das Urnen-Bücherregal. „Die Idee hatte einer unserer Friedhofswärter“, erinnert sich die Verwalterin. Der Grabstein in Form eines Buches wird nach 15 Jahren an der Stelle der beigesetzten Urne in ein Bücherregal aus Stein gestellt. „Wie ein gutes Buch, von dem man sich nicht trennen will“, beschreibt Podscharly die Idee hinter dieser kreativen Art der Erinnerung.

Ein Grabstein im Bücherregal: Mengeder Friedhof möchte neue Bestattungsarten etablieren

"Wie ein gutes Buch, das man nicht weglegen will" werden die Grabsteine in Form von Büchern nach 15 Jahren in ein Regal gestellt. © Franka Doliner

Wer nicht als Buch in einem Regal archiviert werden will, kann in einem Hochbeet seine letzte Ruhe finden. Bepflanzt und gepflegt von dem Team des Friedhofs, stellt diese Art des Begräbnisses auch für die Angehörigen weniger Arbeit dar. Mit Grabsteinen in Form kleiner Häuser erinnert die natürlich gestaltete Grabanlage an ein kleines Dorf.

Der Kreativität sind in der Grabgestaltung keine Grenzen gesetzt. Daher gibt es auf dem Friedhof an der Mengeder Schulstraße seit einem halben Jahr eine Neuerung: Grabinseln. In runden Beeten werden die Urnen beigesetzt und mit einem Stein in der Mitte versehen, auf dem die Namen eingraviert werden.

Ein Grabstein im Bücherregal: Mengeder Friedhof möchte neue Bestattungsarten etablieren

Bisher sind alle Inselgräber noch unbesetzt. © Franka Doliner

Am Eingang des Friedhofs ist ein Gedenkort geplant. Der bereits bestehende Ort der Erinnerung soll genutzt werden, um Namen Verstorbener zu verewigen. Plaketten mit den Namen geliebter Personen sollen an dem Denkmal befestigt werden.

Ein Grabstein im Bücherregal: Mengeder Friedhof möchte neue Bestattungsarten etablieren

Der bestehende "Ort der Erinnerung" soll demnächst ein Gedenkort werden. © Franka Doliner

Trauer bewältigen in acht Stationen

Ein Friedhof ist nicht nur ein Ort der Erinnerung. Die Bewältigung von Trauer ist für viele Menschen der Grund, der sie auf den Friedhof führt. Der sich über acht Stationen erstreckende Trauerparcours, der sich seit vergangenem Jahr auf dem Gelände des Friedhofs befindet, basiert auf psychologischen Erkenntnissen und soll Hinterbliebene bei der persönlichen Trauerbewältigung unterstützen.

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„Wir versuchen damit, die Trauerstationen nachzuvollziehen“, erklärt Podscharly, „der Parcours ist aber leider nicht ganz selbsterklärend“. Daher bietet die Gemeinde Begehungen mit Termin an. Eine Freie Führung, zu der jeder herzlich eingeladen ist, findet etwa am kommenden Sonntag (24.11.) um 13.30 Uhr statt.

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