Ein Jahr E-Scooter mit vielen Unfällen: „Wer braucht den Mumpitz?“

hzBilanz für Dortmund

Seit Sommer 2019 flitzen E-Scooter durch Dortmund. Von vielen werden sie regelrecht gehasst, eine Gruppe fährt hingegen besonders auf sie ab - und baut viele Unfälle. Eine Bilanz.

Dortmund

, 26.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In vielen anderen Nachbarländern hatten E-Tretroller die Straßen längst schon erobert, als dann auch eine mögliche Zulassung für Deutschland zur Sprache kam.

Im Mai 2019 gab es Grünes Licht, einen Monat später folgte die offizielle Zulassung. Mit dem Grünen Licht des Gesetzgebers begannen schon bald Anbieter damit, Leih-Scooter-Flotten in die Innenstädte der Ruhrgebietsmetropolen zu schaffen. Und so startete am 8. Juli 2019 „Circ“ als erster Anbieter den Verleih in Dortmund.

Konkurrent „Lime“ zog kurze Zeit später nach, sodass bereits im Sommer des Jahres rund 700 Elektro-Vehikel Dortmund bevölkerten. Im Oktober begann der Berliner Anbieter „Tier“ dann damit, 100 weitere Elektrotretroller in der Innenstadt zu verteilen.

Mit „Voi“ wollte im vergangenen Herbst auch ein schwedisches Unternehmen zusätzliche Roller nach Dortmund bringen, aber über ein kurzes Gastspiel beim Kirchentag kam das Angebot dann doch nicht hinaus.

Corona sorgte für eine Zwangspause

Zu Beginn der Corona-Krise nahm Anbieter „Lime“ seine 500 Fahrzeuge starke Dortmunder Rollerflotte zeitweise aus dem Verkehr, um neue Hygienekonzepte umzusetzen. Mittlerweile sind die weiß-grünen Scooter aber wieder überall in der Stadt abgestellt worden.

Ungeachtet der Corona-Krise stellte mit „Bird" im Mai 2020 ein neuer Anbieter weitere 130 Roller in die Dortmunder Innenstadt.

Zuvor hatte US-Anbieter „Bird" den Mitbewerber „Circ" übernommen. Dessen Elektroroller wurden mittlerweile durch die neuen Flitzer ersetzt.

Von ihren Befürwortern anfangs als Vorboten der Verkehrswende angepriesen, sorgten die Elektro-Roller alsbald für Frust und Ärger bei anderen Verkehrsteilnehmern. Heute ist die Euphorie der ersten Tage bei den Dortmundern etwas verflogen.

Harsche Worte in den Sozialen Medien

Auch die Nachricht, dass mit „Spin" ein neuer Anbieter für Leih-Scooter in Dortmund an den Start geht, sorgte in den vergangenen Wochen offenbar für wenig Freude.

In den Kommentaren unseres Social-Media-Auftritts bei Facebook mehrten sich die negativen Kommentare zum Verleihstart der Ford-Tochter.

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„Wer braucht den ganzen Mumpitz eigentlich?", fragt sich ein Kommentator. Eine andere Userin meint: „Wo gibt es den Container zur Entsorgung? Als Radfahrer hat man nur noch Ärger mit den Dingern, die auf Radwegen liegen/stehen oder plötzlich hinter schwer einsehbaren Ecken auftauchen. Am schlimmsten ist es für die Natur, überall werden die Roller einfach hingepfeffert. Braucht kein Mensch!"

Ein anderer Facebook-Nutzer fordert gar eine sofortige Abschaffung der E-Scooter.

So viele E-Scooter gibt es noch in Dortmund

Aber wie viele E-Scooter gibt's aktuell auf Dortmunds Straßen? Die Stadt weiß es.

„Die Anzahl der E-Scooter schwankt je nach Tag und Jahreszeit. Im Winter werden deutlich weniger Roller ausgebracht als im Sommer, außerdem sind nicht an allen Tagen alle verfügbaren E-Scooter der Firmen im aktiven Verleihbetrieb", sagt Stadtsprecher Christian Schön auf Anfrage.

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Tier sei mit 278 Fahrzeugen aktiv, Lime mit 1000 Vehikeln, Bird und Spin hätten aktuell rund 300 E-Scooter in Dortmund. Insgesamt gibt's also derzeit 1578 Leih-Roller in Dortmund. 250 Roller hatte Circ außerdem bis zum Aus am 28. Februar 2020 in Betrieb.

Zahlreiche Unfälle vor allem mit Jugendlichen

In der Verkehrsunfallstatistik 2019 der Dortmunder Polizei lagen die Nutzer der E-Scooter mit insgesamt 783 aufgenommenen Verstößen gegen die Verkehrsordnung ganz weit vor.

In einem mehrseitigen Bericht wurden zudem 16 Verkehrsunfälle mit Personenschäden im Vorjahr benannt, an denen E-Scooter beteiligt waren. Zwei Menschen wurden dabei sogar schwer verletzt.

Laut der Dortmunder Polizei seien besonders Jugendliche und junge Erwachsene als Nutzer der Elektro-Roller durch Verstöße auffällig geworden.

BVB-Spiele im Normalbetrieb sind ein großes Problem

Im Bericht heißt es, ein weiteres Problem seien bei Bundesligaspielen im Normalbetrieb BVB-Fans, die mit E-Scootern zum Signal Iduna Park kommen: „Eine Vielzahl von E-Scooter-Führenden schlängelt sich durch die Menschenmengen und stellt diese achtlos im Veranstaltungsbereich ab, so dass die Unfallgefahr um ein Vielfaches steigt.“

Auf der anderen Seite ermitteln die Behörden seit einiger Zeit auch im Sinne der Roller-Anbieter, denn vermehrt kommt es speziell in Dortmund zu mutwilligen Beschädigungen der E-Scooter, zu denen linke Aktivisten im Internet aufgerufen haben sollen.

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