Ein Kissen auf den Kopf gedrückt

Sabrina L. erzählte Psychiaterin, wie sie ihre drei kleinen Kinder getötet hat / Prozessauftakt am Schwurgericht

31.05.2007 / Lesedauer: 2 min

Ein Kissen auf den Kopf gedrückt

<p>Aufgearbeitet und zwischen Aktendeckel gepackt: die Ermittlungsergebnisse im Kindesmord-Verfahren. Menne</p>

Viele Zuschauer sind in den Gerichtssaal gekommen - doch die meisten wollen nicht über ihre Gefühle sprechen. «Bitte haben Sie Verständnis, aber ich kann einfach nicht.» Eine ältere Frau kann bis heute noch nicht fassen, was sich in den Jahren 2001 und 2004 auf dem Höchsten ereignet haben soll. «Die Kinder waren doch noch so klein», sagt sie den Tränen nahe. Und: «Warum macht ein Mensch so etwas?» Dieser Frage versuchen seit gestern auch die Richter nachzugehen. Von der Angeklagten erhielten sie jedoch zunächst keine Antwort. Angesichts der vielen Leute im Saal könne sie plötzlich keine Aussage mehr machen, teilte sie mit. Die vom Gericht beauftragte Psychiaterin Marianne Miller bestätigte später jedoch als Zeugin, dass Sabrina L. ihr gegenüber die Tötung ihrer drei Kinder gestanden habe. Rolf-Michael Quittmann ist Rechtsanwalt und vertritt im Prozess die Interessen eines der beiden Kindsväter. Sein Mandant hatte Sabrina L. kennen gelernt, als diese noch verheiratet war und zwei Kinder hatte. Und obwohl Chantal und Pascal innerhalb kürzester Zeit starben, schöpfte er anscheinend keinen Verdacht und zog schließlich sogar mit der Frau zusammen. Im September 2002 wurde der gemeinsame Sohn Kevin geboren. Rechtsanwalt Quittmann musste gestern mit anhören, wie die Psychiaterin die damaligen Geständnis-Worte der Angeklagten wiedergab: «Ich habe Kevin ein Kissen auf das Gesicht gedrückt. Warum, weiß ich nicht. Sein Vater hat sich nie um ihn gekümmert. Ich musste ihn immer anbetteln, dass er auch mal Zeit mit dem Jungen verbringt.» Kevins Vater war gestern selbst nicht im Gericht. Der Mann will nur einmal zu seiner Zeugenaussage erscheinen - und dann hoffen, dass der Prozess schnell zu Ende geht. «Es geht ihm schlecht», sagt Rechtsanwalt Quittmann. «Aber zum Glück kann er sich auf seine Familie verlassen. Er ist gut aufgefangen.» von

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