Wie sieht es im neuen Thor-Steinar-Laden in Dortmund aus?

hzBei Rechtsextremen beliebte Modemarke

Der Tønsberg-Laden der umstrittenen Marke Thor Steinar ruft Widerstand hervor. Wir haben einen Blick in das umstrittene Geschäft am Alten Burgwall geworfen.

Dortmund

, 04.08.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein kleines Geschäft sorgt für großen Wirbel: Bereits in den ersten Tagen nach der Eröffnung gab es zahlreiche Medienberichte über sowie eine Demo gegen den neuen Tønsberg-Laden am Alten Burgwall, in dem vor allem Textilien der Marke Thor Steinar feilgeboten werden.

Doch wie sieht es im Inneren aus? Zeit für einen Besuch.

Runen-Mode inmitten von Shisha-Bars

Döner-Läden, Kneipen, Shisha-Bars - das Umfeld rund um die Brückstraße gilt seit vielen Jahren als multikulti - da scheint Thor Steinar nicht so recht hinzupassen.

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Laut des Verfassungsschutzes Brandenburg ist Thor Steinar eine bei Rechtsextremisten beliebte Marke und ein „szenetypisches Erkennungs- sowie Abgrenzungsmerkmal“.

Verfassungsschutz Brandenburg: „völkisch verstandene Symbolik“

„Bekleidungsstücke von Thor Steinar bedienen in Farbgebung und Schriftzügen eine als völkisch verstandene Symbolik“, schrieben die Brandenburger Verfassungsschützer vor einigen Jahren. „Die gotischen Lettern werden von der Kundschaft mit dem NS-Regime in Verbindung gebracht.“

Bei unserem Besuch widmen die Anwohner im Brückstraßenviertel ihrem neuen Nachbarn, dessen Schaufenster mit Werbebannern verklebt sind, keine große Aufmerksamkeit. Ein paar Menschen gehen plaudernd an dem Geschäft vorbei, wenige Meter weiter zündet sich ein älterer Herr an Krücken eine Zigarette an. Alltag im Brückstraßenviertel.

Vor dem Tønsberg-Geschäft sitzen zwei junge Männer, die meine Begrüßung erwidern, als ich in den Laden gehe.

Keine Selbstverständlichkeit - als ein Kollege am Eröffnungstag vor einer Woche dem „Empfangskomitee“ vor dem Laden ein paar Fragen stellte, wurde er mit ziemlich deutlichen Worten aufgefordert, doch zu verschwinden. Ich bin an diesem Tag als normaler Kunde gekommen, ohne Kamera, ohne Notizblock.

Als solcher werde ich im Inneren sogleich von einer Verkäuferin empfangen, die mich lächelnd darauf hinweist, dass auch bei ihnen die Maskenpflicht gelte. Die Frau trägt ein Tattoo auf dem Arm, ist sehr freundlich.

Den Verkaufsraum hätte ich mir dunkler und aggressiver vorgestellt

Den Verkaufsraum hatte ich mir in meiner Gedankenwelt irgendwie aufregender ausgemalt - ein bisschen dunkler. Es sieht hier so ähnlich aus wie in vielen kleineren Shops, die Kleidung für junge Leute verkaufen.

In den Regalen und auf den Tischen liegen vor allem Jeans und Shirts, mal lang-, mal kurzärmelig, mal mit Kapuze, mal ohne. Außerdem gibt es Gürtel und einige Accessoires.

Nur der meist gut sichtbare Aufdruck auf den Textilien ist ein anderer als in den Läden der Konkurrenz. Anstelle der bekannten Markennamen aus der Sport- und Streetwear-Branche thront hier vielfach ein gut lesbarer Thor-Steinar-Schriftzug auf der Brust.

Während ich mich umschaue, betritt ein weiterer Kunde das Ladenlokal und schaut sich die Outlet-Artikel an, die zu Sonderpreisen angeboten werden. Der Mann, dessen Alter aufgrund des Mund-Nasen-Schutzes und der Kappe kaum definierbar ist, trägt ein T-Shirt mit einer Norwegen-Flagge.

T-Shirt mit kaiserlichem Kriegsschiff

Ein Motiv in der Auslage sticht mir dann ins Auge. „Ostafrika Kreuzfahrt“ steht auf einem T-Shirt über einem Schwarz-Weiß-Foto, das das kaiserliche Kriegsschiff SMS Königsberg zeigt. Offenbar eine Anspielung auf die deutsche Kolonialgeschichte in Ostafrika. Diese Episode der Geschichte kostete zigtausende Afrikaner das Leben. An dieser Stelle wird das nicht erwähnt.

Ich habe genug gesehen. Ich gehe in Richtung Ausgang. Die Verkäuferin verabschiedet mich freundlich. Einen Besuch bei Thor Steinar hätte ich mir anders vorgestellt. Irgendwie spannender.

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Kurz nach der Eröffnung des neuen Thor-Steinar-Geschäfts in Dortmund hat der Vermieter dem Betreiber des auch bei Neonazis beliebten Ladens gekündigt. Der will das nicht einfach hinnehmen. Von Bastian Pietsch, Matthias Henkel

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