Ein Tiefenzeiger ist wieder ganz oben angekommen: Bergmannstradition in neuem Glanz

hzBrechtener Bergbautradition

Fast hätte ihn der Rost aufgefressen. Jetzt aber ist er wieder da, der Teufenzeiger, der unübersehbar an die Bergbaugeschichte Brechtens erinnert. Für einen Mann ist das ein Feiertag.

Brechten

, 03.06.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange war der Teufenzeiger (Tiefenanzeiger) außer Gefecht gesetzt; der Rost hatte ihm massiv zugesetzt. Jetzt steht er wieder da, wo er hingehört: an der Straße Schiffhorst in Brechten. Am Montag wurde das Relikt aus Bergbauzeiten in einer kleinen Feierstunde im Beisein der Sponsoren wieder der Öffentlichkeit übergeben. Zuschauer gab es sogar von der „Tribüne“; Bewohner verfolgten die kleine Zeremonie von ihren Balkonen aus.

Etwa vier Meter hoch ist der Teufenzeiger, der in beeindruckender Weise an die Bergbaugeschichte des Stadtteils erinnert:

Etwa 150 Meter südlich des Schiffhorst, an der Ecke Feldbrandweg/Wetterschachtweg, entstand ab 1938 der Schacht 6 der Evinger Zeche Minister Stein, der über Jahrzehnte das Bild Brechtens mit seinem markanten Förderturm prägte. 1987 wurde der Schacht verfüllt und das Fördergerüst demontiert. Es blieb lediglich eine Kiesfläche an dieser Stelle.

Joost Küp rettet den Teufenzeiger vor dem Verfall

Und hier kommt der Mann ins Spiel, für den der 3. Juni 2019 wie ein Feiertag ist: Gleich zweimal hat er das bergbauhistorische Relikt gerettet: Joost Küp. Er sorgte nach der Schließung von Minister Stein dafür, dass der Teufenzeiger seinerzeit nicht verschrottet wurde. Schließlich fand der Teufenzeiger 1994 an seinem aktuellen Standort eine neue Heimat.

Ein Tiefenzeiger ist wieder ganz oben angekommen: Bergmannstradition in neuem Glanz

Bruni und Joost Küp: Bruni Knüp ist stolz auf ihren Mann, der den Teufenanzeiger vor der Verschrottung bewahrt hat. © Britta Linnhoff

Jahre später war Küp wieder gefordert, weil der Teufenzeiger Rost angesetzt hatte. Küp machte sich auf die Socken und sorgte für Sponsoren: die RAG-Stiftung, die Vonovia-Stiftung, die Mietergemeinschaft Frielinghausweg und einzelne Evinger und Brechtener Bürger.

Großes kulturelles Erbe sichtbar gemacht

„Das ist ein außerordentliches bürgerschaftliches Engagement, dessen Erfolg höchste Anerkennung verdient“, betonte Wolfang Skorvaek, stellvertretender Vorsitzender des Evinger Geschichtsvereins am Montag bei der feierlichen Übergabe. Als „großes kulturelles Erbe“ bezeichnete Dr. Volker Schacke, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender des Geschichtsvereins, den Bergbau, dem mit der Übergabe des restaurierten Teufenzeigers gedacht werden solle.

Auch Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) würdigte die Bergbauvergangenheit des Stadtteils, die es gelte, auch den nächsten Generationen zu vermitteln. „Das ist unsere Aufgabe“, betonte er. Dass man nun innerhalb weniger Tage das zweite Bergbaudenkmal im Stadtbezirk (vor wenigen Tage wurde eine Lore an der Ecke Bayrische- /Osterfeldstraße übergeben) feiern könne, sei etwas Besonderes. Und an diesem Tag habe man mit dem Teufenzeiger „mal etwas anderes als eine Lore“. „Vielen, vielen Dank an alle, die sich darum bemüht haben“, sagte Stens. Dazu zählt vor allem Joost Küp. Seine Frau Bruni fasste es so zusammen: „Ich bin ganz stolz auf meinen Mann.“

Der teufenzeiger

Wichtiges Instrument für den Fördermaschinisten

Für die Arbeit unter Tage mussten Mensch und Maschine in die Tiefe („Teufe“) gelangen. Das geschah anfangs über Leitern, die später von Seilen und Winden abgelöst wurden. Im Steinkohlebergbau übernahmen schließlich Maschinen diese Aufgabe. Damit der Fördermaschinist den Korb genau da im Schacht anhalten konnte, wo er hin sollte, unerstützte ihn der Teufenzeiger. Erstmals patentiert wurde so ein Teufenzeiger 1917 vom Kaiserlich Königlichen Patentamt.
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