Rechtsanwalt Marcus Herberholz verteidigte den Serieneinbrecher. © Martin von Braunschweig
Prozess am Landgericht

Einbrecher wird verurteilt, bleibt aber wohl nicht lange im Gefängnis

Das Dortmunder Landgericht hat einen Serieneinbrecher zu drei Jahren Haft verurteilt. Lange wird er aber wohl nicht mehr in einem deutschen Gefängnis bleiben.

Kurz vor der Urteilsberatung war dem Angeklagten noch einmal eines wichtig. „Ich möchte mich bei allen, denen ich Leid zugefügt habe, entschuldigen“, ließ er einen Dolmetscher übersetzen. Neun Einbrüche in Dortmund, Frankfurt und Ostwestfalen hatte ihm die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt.

Angeklagter entschuldigt sich

Zu gerne hätte sein Mandant sämtliche Taten gestanden, sagte Verteidiger Marcus Herberholz am Mittwoch. Angesichts der langen Zeit, die seit 2015 verstrichen sei – und vor allem angesichts der Vielzahl der Einbrüche, die der Mann insgesamt verübt habe – sei ihm das jedoch nicht möglich gewesen.

Die Richter konnten ihm die Taten dennoch nachweisen. DNA-Spuren, die am Tatort gesichert werden konnten, ließen keinen anderen Schluss zu. „Es gibt keinen anderen Grund für die DNA am Tatort, als dass mein Mandant dort war“, sagte auch der Verteidiger.

DNA-Spuren sind eindeutig

Ein Blick in den Lebenslauf des 31-Jährigen macht fassungslos und auch ein bisschen traurig. In frühen Jahren verließ der Mann seine Heimat, um in anderen Ländern Europas sein Glück zu suchen.

Doch egal, wo er auch ankam, ob in Italien, in Griechenland, Belgien oder eben Deutschland: Schnell landete er immer in falschen Kreisen, wo ihm Drogen angeboten wurden, für die er stehlen gehen musste.

Und die Odyssee hat anscheinend noch kein Ende. Seit 16 Monaten sitzt der Angeklagte nun in einem deutschen Gefängnis in Untersuchungshaft – und wird deshalb jetzt in Kürze seine Koffer packen können.

Auslieferung nach Italien steht bevor

Aus Italien liegen insgesamt fünf Auslieferungsersuchen vor. Weil er auch dort Einbrüche verübt haben soll, droht ihm ein weiteres Verfahren. Sobald er hier die Hälfte der verhängten Strafe von drei Jahren Haft verbüßt hat, soll der Flieger starten. Ende Mai dürfte es soweit sein.

Von der erlangten Beute im Wert von mehreren Zehntausend Euro ist natürlich nichts mehr übrig geblieben. Die Wertgegenstände – darunter auch ein Goldbarren – hat der Angeklagte schnell versetzt. Und mit dem Geld wurden kurz darauf Drogen angeschafft.

Drogentherapie ist sinnlos

Eigentlich würde der 31-Jährige alle Voraussetzungen dafür mitbringen, die Zeit in Haft für eine Drogentherapie nutzen zu können. „Angesichts der bevorstehenden Abschiebung nach Italien macht eine solche Behandlung aber natürlich überhaupt keinen Sinn“, sagte Psychologe Malik Mbamba am Mittwoch.

Ob der Angeklagte tatsächlich clean ist, wie er vor Gericht behauptet, ist dabei zweifelhaft. Denn natürlich gibt es auch im Gefängnis Mittel und Wege, um an illegale Rauschmittel zu gelangen.

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