Eine Rettungsweste am Kirchturm in Berghofen soll ein sehr deutliches Zeichen setzen

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Am Kirchturm der evangelischen Kirche Berghofen hängt eine Rettungsweste. Sie soll ein Zeichen sein für die Fortsetzung der Seenotrettung von Flüchtlingen. Sie soll eine Warnung sein.

von Rüdiger Barz

Berghofen

, 09.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Wie ein Aufschrei. Im ersten Moment verstörend und eigenartig. Ein leuchtend-oranger Farbtupfer von der Ferne, bei näherem Hinsehen eine Rettungsweste - ein Notsignal von Ertrinkenden und ein Zeichen für Menschen in Lebensgefahr.

Das was den gewohnten Blick auf den Kirchturm in Berghofen verändert, soll die Solidarität mit den Flüchtlingen bekunden. Die evangelische Gemeinde Berghofen beschäftigt sich seit gut zwei Jahren, im Rahmen ihres Flüchtlingsstammtisches, mit Themen rund um Flüchtlinge und schließt sich damit der Aktion "Kirche trifft Seebrücke" an.

Protestaktion kommt an

Noch bevor die Weste am Kirchturm mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren Berghofen und Holzen angebracht wird, trifft sie auf ein sehr positives Feedback.

Janusz Frankus aus Berghofen kennt sich mit Flucht aus. "Ich habe die Folgen des Krieges erlebt. Ich bin selber Flüchtling. Ich bin 1959 im Alter von 20 Jahren mit meinen Eltern aus Polen geflüchtet", erzählt der heute 80-jährige. Ihm ist klar, dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen kann, doch man könne auch nicht zusehen, wie Menschen ertrinken. "Wir wollen die Leute hier in Berghofen wachrütteln", sagt Frankus, dem man anmerkt, dass ihm, auch aufgrund seines Hintergrundes, die Thematik an die Nieren geht.

Eine Rettungsweste am Kirchturm in Berghofen soll ein sehr deutliches Zeichen setzen

"Kein Zeichen der Befreiung, doch es währe schön wenn das Zeichen zu Resultaten führen würde", sagt Janusz Frankus. © Rüdiger Barz

Entstehung der Idee

In der Landeskirche Hannover ist die Aktion "Kirche trifft Seebrücke" gestartet, berichtet Pfarrer im Ruhestand Joachim Breithaupt. Dabei wird Bezug genommen auf die kirchliche Jahreslosung "Suche den Frieden und jage ihm nach". Dies hat uns inspiriert auch ein Zeichen setzen zu wollen. "Wir haben die Idee im Flüchtingsstammtisch eingebracht und diskutiert. Schnell war uns in der Runde klar, das möchten wir gerne auch in Berghofen umsetzen", erzählt Breithaupt.

Der Vorschlag wurde dem Presbyterium unterbreitet. "Und", so ergänzt Pfarrerin Sabine Breithaupt-Schlak, "doch nach einer intensiven Diskussion, einmütig beschlossen".

Intensive Auseinandersetzung gewünscht

Die Berghofer möchten, mit der Weste und dieser gesellschaftskritischen Aktion, ein Zeichen setzen, um wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. "Wir wollen zur Diskussion einladen und wir gehen davon aus, dass nicht jeder damit einverstanden ist", sagt Breithaupt. "Es soll eine rege und offene Auseinandersetzung sein", sagt Breithaupt abschließend.

Der Dank der Gemeinde geht an die Freiwillige Feuerwehr Berghofen und Holzen. Im Rahmen ihres Übungsdienstes haben die beiden Löschzüge die Aktion gerne unterstützt.

Die Initiative "Seebrücke" wurde im Juli 2018 gegründet. Sie wird von vielen zivilen und gesellschaftlichen Organisationen unterstützt. Viele Städte und Gemeinden, auch Dortmund, haben sich zum "sicheren Hafen" erklärt. Flucht und Migration wird auch auf dem Kirchentag ein Schwerpunkthema sein. Die Rettungsweste wird wahrscheinlich bis zu den großen Ferien hängen.
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