Eine Straße im Dortmunder Süden bleibt nach einem hingerichteten Nazi-Offizier benannt

hzCanarisstraße in Aplerbeck

Sie haben es sich nicht leicht gemacht in Aplerbeck. Die Mitglieder der Bezirksvertretung ebensowenig wie der Geschichtsverein oder engagierte Jugendliche. Das Ergebnis überrascht.

Aplerbeck

, 21.03.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1955 trägt die kleine Verbindungsstraße zwischen der Schweizer Allee und der Schlagbaumstraße den Namen Canarisstraße. Benannt nach Admiral Wilhelm Canaris, im Naziregime Leiter der Abwehr und im Jahr 1945 als Widerstandskämpfer im KZ hingerichtet. Es war der Wille der damaligen Entscheider, dass der Name Canaris in der Diskussion bleibt, dass die Vergangenheit nicht vergessen wird und auch die Zweifelhaftigkeit vieler Menschen.

Und er soll auch weiterhin zur Diskussion anregen, der Name Wilhelm Canaris. Und daher bleibt alles so wie es ist mit dem Straßennamen, der jetzt sogar noch eine Ergänzung erhält. Auf Antrag der Fraktionen der Grünen und der CDU in der Bezirksvertretung Aplerbeck wird unter dem Straßennamen ein Legendenschild angebracht.

Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945)
geboren in Aplerbeck
im Nazi-Regime Leiter der Abwehr
Hinwendung zum Widerstand und im KZ hingerichtet

So wird der erklärende Text lauten. Dazu wird an dem Legendenschild ein QR-Code angebracht. Der ist mit einem Smartphone abzuscannen und zeigt dem Nutzer die Lebensgeschichte des als Widerstandskämpfer hingerichteten Canaris.

Die Begründung von CDU und Grünen

„Straßennamen sind nicht nur Orientierungshilfen. Sie zeugen vom Zeitgeist und den darin herrschenden Ehrungsanliegen. Zur deutschen Geschichte gehören aber auch Personen, die zunächst dem NS-Regime dienten und erst später in den Widerstand gingen oder ihn unterstützten und dafür mit ihrem Leben bezahlten. Dazu gehört Wilhelm Canaris, den der Rat der Stadt Dortmund seinerzeit ehren wollte“, so die Begründung der CDU und der Grünen für die Beibehaltung des Namens.

Aber warum sollte die Straße umbenannt werden? Immer wieder gab es Skeptiker, die Wilhelm Canaris nicht als Widerstandkämpfer sehen, sondern als Täter. Einer, der sich bei den Nazis nach oben diente und so auch das Recht verwirkt hatte, Namensgeber einer Straße zu sein. Schon 2008 ploppte das Thema in der Bezirksvertretung auf.

Die Umbenennung der Canarisstraße stand dreimal auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung in Aplerbeck.

Die Umbenennung der Canarisstraße stand dreimal auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung in Aplerbeck. © Jörg Bauerfeld

Vor allem die SPD machte sich stark für eine Umbenennung - und tut dies auch noch immer. Bei der Abstimmung innerhalb der Mitglieder der Bezirksvertretung stimmten die Sozialdemokraten geschlossen gegen die Beibehaltung des Straßennamens. Wenn es nach der SPD geht, soll die Straße nach dem Vater von Wilhelm Canaris umbenannt werden. Nach Carl Canaris, der eine führende Position an der Aplerbecker Hütte innehatte.

Auch Jugendliche befassen sich mit dem Thema

Dreimal lag der Antrag zur Canarisstraße zur Abstimmung bereit. Drei Sitzungen brauchten die Politiker, um zu einem Ende zu kommen. Aber sie hatten auch nicht bedacht, was für Kreise dieses Thema ziehen würde. So setzte sich der Geschichtsverein vehement für die Beibehaltung des Straßennamens ein. Und auch die Jugendfreizeitstätte an der Schweizer Allee befasste sich ausgiebig mit dem Thema Wilhelm Canaris.

War er jetzt Täter oder Opfer? Wie soll man mit dem Namen eines Mannes umgehen, der ein hoher Nazi-Offizier war? „Die Jugendlichen sind zu der Einschätzung gekommen, die Straße nach Wilhelm Canaris benannt zu lassen“, sagt der Leiter der Jugendfreizeitstätte, Peter Gehrmann. Die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit und die damit verbundenen Gräueltaten ist einer der Schwerpunkte an der Jugendfreizeitstätte.

Mit einem QR-Code in die Geschichte eintauchen

So wird regelmäßig die Do-Tour für Respekt durchgeführt und es sind immer wieder Zeitzeugen zu Gast, die über die Vergangenheit berichten und mit den Jugendlichen diskutieren. Die jungen Aplerbecker waren der Meinung, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema Wilhelm Canaris wichtiger sei, als die Straße nach Carl Canaris umzubenennen und so die Vergangenheit beiseite zu schieben. Von hier kam dann auch die Idee mit dem QR-Code. Und damit werden auch die künftigen Generationen Informationen über einen Menschen bekommen, der wohl auch weiterhin polarisieren wird.

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