Eine Tafel, drei Namen, vier Schicksale: Die Geschichten hinter den Antifaschisten

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Jedes Jahr im Juli wird in Hombruch vier Männern gedacht: Fritz Husemann, Hans Grüning, Wilhelm Knöchel und Wilhelm Oberhaus leisteten Widerstand gegen die Nazis. Wir stellen die Männer vor.

von Marc Dominic Wernicke

Hombruch

, 10.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor dem Sparkassengebäude im Hombrucher Zentrum wird am 27. Juli (Samstag) des Widerstandes gegen das NS-Regime gedacht. Der Förderverein der Gedenkstätte Steinwache lädt die Bürger dazu ein um 11 Uhr an der Veranstaltung teilzunehmen. „Gerade heute, wo die Rechtspopulisten und Nationalisten erstarken, wollen wir an die Antifaschisten erinnern, die von den Nazis ermordet wurden“, sagt der Vorsitzende Ernst Söder, der in seiner Ansprache von den Männern erzählen wird, deren Namen vor Ort auf einer Tafel verewigt sind.

Vier Männer, vier Schicksale

Einer von ihnen ist der Sozialdemokrat Fritz Husemann, der von 1924 bis 1933 dem Deutschen Reichstag angehörte und davor auch in Dortmund gearbeitet hatte. Obwohl seine Flucht im Jahr der Machtergreifung der NSDAP schon vorbereitet war, stellte er sich der Gestapo, um eine Freilassung der verhafteten Vorstandsmitglieder des Bergarbeiterverbandes zu erwirken. Die Nazis brachen ihr falsches Versprechen und verschleppten Husemann in das Konzentrationslager Esterwegen, wo er am 15. April 1935 erschossen wurde.

Eine Tafel, drei Namen, vier Schicksale: Die Geschichten hinter den Antifaschisten

Der Sozialdemokrat Fritz Husemann (1873-1935) und der Kommunist Hans Grüning (1917-1944). © Repro Marc D. Wernicke

Die Tafel erinnert auch an den Kommunisten Hans Grüning, der während des Krieges Kontakte zu sowjetischen Gefangenen hielt, die in Barop untergebracht waren. 1944 wurde er mit anderen Widerstandskämpfern verhaftet. Grüning belastete sich selbst, um seine Mitstreiter zu schützen, was jedoch ohne Erfolg blieb. Am 24. Juli 1944 wurde er mit dem Fallbeil hingerichtet.

„Neben ihm starb an diesem Tag Wilhelm Knöchel, der als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte“, berichtet Ernst Söder. „Knöchel war Vorsitzender der Kommunistischen Partei in Brünninghausen. 1943 wurde er nach einer Flugblattaktion verhaftet und ebenfalls zum Tode verurteilt.“ Die Gedenktafel erwähnt ihn nicht, was jedoch rein gestalterische Gründe habe: „Wir entschieden uns damals dafür, den Inhalt kurz zu halten“, erklärt Söder, der in den 80er-Jahren an der Entscheidung der Bezirksvertretung mitwirkte. „Daher haben wir drei Persönlichkeiten gewählt, die verschiedene gesellschaftliche Bereiche des Widerstands abbilden – Ein Sozialdemokrat, ein Kommunist, ein Geistlicher.“

Eine Tafel, drei Namen, vier Schicksale: Die Geschichten hinter den Antifaschisten

Der Kommunist Wilhelm Knöchel (1899-1944) und der katholische Priester Wilhelm Oberhaus (1901-1942). © Repro Marc D. Wernicke

Der dritte Mann, an den die Tafel erinnert, ist Wilhelm Oberhaus, der 1933 als Vikar bei der katholischen Sankt-Clemens-Gemeinde angestellt wurde. In einer Predigt warnte er Eltern davor, ihre Kinder nationalsozialistischen Jugendorganisationen anzuvertrauen und wurde dafür denunziert.

Nach Jahren der Schikane und einer sechsmonatigen Haftstrafe wurde Oberhaus unmittelbar nach seiner Freilassung wieder von der Gestapo verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verschleppt, wo er am 20. September 1942 in Folge schwerer Misshandlungen starb.

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