Mit Daniel S. verloren sie einen Freund: „Er war einer von uns“

hzTötungsdelikt in Hörde

Nein, verdaut haben die Hörder die Bluttat noch lange nicht. Ein Freund ist gestorben. Es werden Lösungen gefordert. Vier junge Männer wollen mit Vorurteilen aufräumen.

Hörde

, 13.11.2020, 15:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die vier jungen Männer, die wir in Hörde treffen, sind hier aufgewachsen. Hier, an dem ehemaligen Stahlstandort, wo man immer zusammengehalten hat.

Die Wurzeln der Vier liegen in Marokko und der Türkei. Sie waren Freunde von Daniel S., der in der Halloween-Nacht in der Nähe des Hörder Bahnhofs gestorben ist. Er wurde erstochen.

Sie kannten Daniel gut, sagen sie, und wollen deshalb an diesem Nachmittag – keine zwei Wochen nach der Tat – mit einem Vorurteil aufräumen, das vor allem durch die sozialen Medien aufkam: „Daniel war kein Nazi. Er hatte mit der rechten Szenen nichts zu tun“, sagt einer aus der Gruppe.

Sie wollen reden, namentlich genannt werden wollen sie nicht.

Nein, ihre Namen möchten sie nicht nennen. Zuviel Unruhe herrscht in dem südlichen Stadtbezirk. Unruhe, die sie am liebsten einfach wegschieben möchten, wie sie sagen. „Es geht doch darum, dass wir hier alle wieder in Frieden leben können.“

Die Polizei fährt jetzt öfter am Bahnhof vorbei, biegt auch in die unübersichtlichen Nebenstraßen ab. „Das ist jetzt so“, sagt einer der Vier. In ein paar Wochen sei das wieder ganz anders. „Die, die das getan haben, waren keine Hörder. Wenn wir da gewesen wären, wäre das nicht passiert“, sagen sie. Es klingt wie ein gemeinsames Statement. Noch laufen die Ermittlungen in dem Fall.

Bahnhofsumfeld locke viele Typen „von außen“ an

Die Vier sind sich sicher: Es sei das Bahnhofsumfeld, dass viele Typen von außen anlocke. Hier müsse etwas passieren, hier müsse mehr beobachtet werden. Dass sie auch keine Kinder von Traurigkeit waren, stimme schon. Auch Daniel hätte seine Vergangenheit gehabt. Aber er sei ein guter Kerl gewesen.

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„Jetzt haben alle Kids Waffen dabei. Sie saufen sich Mut an und machen dann den Lauten.“ Treffpunkte gäbe es in Hörde genug. Und ein weiteres Problem seien wohl auch die fehlenden Perspektiven.

Dass die Rechten den Tod von Daniel für ihre Zwecke missbraucht und ein Plakat an die Hörder Brücke gehängt hätten, würde Hörde wieder in ein falsches Licht rücken. Eine rechte Szene gäbe es hier nicht. Klar, ein paar Nazis, aber die gibt es überall.

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Deshalb startete man auch eine Gegenaktion, ebenfalls auf der Brücke. „Da haben wir gezeigt, dass wir alle zusammengehören in Hörde. Egal, welcher Religion oder Nationalität wir angehören.“

Es sei an der Zeit, dass die Politiker auch einmal den normalen Hördern zuhören würden. Denen, die hier aufgewachsen sind. Denen, die all die Jahre friedlich miteinander gelebt hätten. Jetzt sei der neue Bahnhof da und jetzt gäbe es schon zwei Tote.

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Es sei schlimmer geworden im Ortskern. Einer der Vier, sagt er, sei sogar weggezogen aus dem Zentrum, um seine Kinder woanders aufwachsen zu lassen. Aber er trifft immer wieder seine Kumpels. Mit Migrationshintergrund oder ohne. Auch Daniel S. sei immer wieder dabei gewesen – jetzt ist er tot. Und es soll sich was ändern. Die letzte Trauerfeier reicht.

Es gibt einen neuen Bezirksbürgermeister, „der von der CDU“. Der müsse sich kümmern und mit den Leuten sprechen. Mit Leuten, die in Hörde groß geworden sind und die an ihrem Stadtbezirk hängen.

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