„Eis to go“ vor der Kirche rettet Dortmunder Familie aus Corona-Krise

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Keine Kirmes, keine Märkte: Für Familie Kaiser und ihre Imbiss- und Eis-Wagen ist die Coronakrise eine finanzielle Katastrophe. Doch es kommt ein bisschen Hilfe von oben.

Deusen

, 19.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der leuchtend orangefarbene Wagen mit einer großen Orange auf dem Dach fällt vor der farblich schlichten Kirche sofort ins Auge. „Softeis“ verspricht ein Fähnchen, das an dem mit Blinklichtern versehenen Vordach angebracht ist.

Die Kinder der nahe gelegenen Grundschule und Kita ziehen ihre Eltern entsprechend gerne vor den Verkaufstresen von Justin Kaiser. Der 27-Jährige verkauft seit knapp zwei Monaten bei gutem Wetter täglich ab 11 Uhr Slush- und Softeis vor der Deusenkirche an der Deusener Straße 215.

„Normalerweise sind wir mit unseren Eis- und Imbiss-Wagen bei 30 oder 40 Veranstaltungen im Jahr“, sagt Justin Kaiser. „Aber in diesem Jahr ist alles anders.“ Zuletzt habe er beim Weihnachtsmarkt im Dezember „ordentlich Geld verdient“. In der Coronakrise musste eine Alternative her.

Autofahrer halten für Eis an

Zunächst habe er gemeinsam mit Ehefrau Kira (27) Soforthilfe für sein Geschäft beantragt. Doch das Geld reichte lange nicht aus. „Ich habe erst Anfang des Jahres 50.000 Euro plus Eigenkapital in einen neuen Imbiss-Wagen investiert“, erzählt Justin Kaiser. „Und wir sind im März zum ersten Mal Eltern geworden.“

Um seine kleine Familie zu ernähren, zähle jeder Cent. Er habe deshalb versucht, eine Festanstellung oder zumindest einen Aushilfsjob zu bekommen, so der Familienvater. Doch zu Corona-Zeiten wollte ihn niemand einstellen.

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Auch Anfragen, ob er sich mit seinem Eiswagen irgendwo in Dortmund positionieren dürfe, liefen zunächst ins Leere. Das Geld in der Haushaltskasse sei immer knapper geworden, so Justin Kaiser. „Und am Ende sind wir dann quasi bei uns vor der Haustür gelandet.“

Denn der Verein Deusenkirche hat der Familie, die selbst im Dortmunder Stadtteil wohnt, schließlich erlaubt, Eis vor der Kirche zu verkaufen. „Wenn wir helfen können, machen wir das auch“, sagt der Vorsitzende Ulrich Küpper. Die Kaisers bekommen nicht nur den Standplatz, sondern auch kostenlos Strom und Wasser.

Der Platz an der Deusenkirche ist für Familie Kaiser ideal - hier gibt es Parkmöglichkeiten und Laufkundschaft von der Grundschule und vom Kindergarten.

Der Platz an der Deusenkirche ist für Familie Kaiser ideal – hier gibt es Parkmöglichkeiten und Laufkundschaft von der Grundschule und vom Kindergarten. © Antje Scheurer

Und nicht nur die Kita- und Grundschulkinder nutzen den Eisverkauf vor der Kirche: Auch Autofahrer, die an der Stelle idealerweise nur 30 km/h fahren dürfen, halten regelmäßig für eine Erfrischung an.

„Wir sind sehr dankbar für diese Möglichkeit“, sagt Justin Kaiser. „Das bringt uns natürlich nicht aus den roten Zahlen, aber wir können gerade davon leben.“ Er wolle dem Staat nicht auf der Tasche liegen und sei deshalb froh, seine Familie nun wieder selbstständig versorgen zu können.

Eine Veranstaltung findet statt

Dennoch ist am Sonntag (23.8.) der vorerst letzte Verkaufstag an der Fruchteis-Bar der Kaisers. Der Grund: eine Pop-up-Kirmes in Kassel Ende September/Anfang Oktober. „Wir sind sowieso jedes Jahr in Kassel, jetzt eben unter Corona-Bedingungen“, sagt Justin Kaiser.

Er hofft, dass der Verkauf bei der Kirmes, den er nun vorbereiten muss, einen kleinen Aufschwung bringt. Im Oktober möchte er dann allerdings zurück vor die Deusenkirche. Schließlich gebe es inzwischen sogar Stammkunden.

„Ob wir dann wieder mit Eis hier stehen, hängt vom Wetter ab“, sagt Justin Kaiser. „Wenn es zu kühl ist, werde ich eher Kirmes-Leckereien verkaufen – wenn wir einen goldenen Oktober haben, kann ich auch mit der Fruchteis-Bar wiederkommen.“

Hochzeitsfeiern unter Corona-Bedingungen

Auch in der Deusenkirche selbst wird es ab September wieder lebendiger. Kleinere Veranstaltungen wie private Hochzeitsfeiern dürfen unter Einhaltung der Corona-Regeln wieder stattfinden. „Das ist wirklich gut und wichtig für uns“, sagt Ulrich Küpper. „Wir als Verein müssen uns ja auch über Wasser halten.“

Das sei in letzter Zeit nur mit einer Finanzspritze der Bezirksvertretung Huckarde geglückt. „Hoffen wir mal, dass wir es ab jetzt wieder selbst schaffen.“

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