Eon baut Hunderte Stellen ab - und die Tochter Westnetz neue auf

hzPoker am Dortmunder Energiemarkt

Durch die Aufteilung der früheren RWE-Tochter Innogy zwischen RWE und Eon fallen in Dortmund bis 2021 Hunderte Stellen weg. Gleichzeitig sollen aber neue Arbeitsplätze kommen.

Dortmund

, 18.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zerschlagung der bisherigen RWE-Tochter Innogy hat auch Folgen für den Energiestandort Dortmund. RWE hat die Ökostromsparte von Innogy übernommen und wird mittel- und langfristig zu einem reinen Stromerzeuger aus erneuerbaren Energien.

Der frühere Rivale Eon erhält die Netz- und Vertriebssparte sowie das Endkundengeschäft von Innogy und steigt damit zum Großbetreiber von Strom- und Gasnetzen auf.

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Um in Dortmund doppelte Strukturen zu vermeiden, sollen bis Ende 2021 rund 600 von 2100 Stellen abgebaut werden; beispielsweise Teile des Vertriebs. Gleichzeitig sollen aber auch neue Arbeitsplätze entstehen – was die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) seit Neuestem auch schriftlich haben.

Stadtwerke ziehen Klausel

Sie sind mit 60,1 Prozent Mehrheitseigentümer beim lokalen Versorger Dortmunder Energie und Wasser (DEW). Dort hat nun Eon den Platz von Innogy ein- und die Anteile in Höhe 39,9 Prozent übernommen. Zum Nulltarif hat der Energiekonzen den Einstieg bei DEW aber nicht bekommen: Man hat verhandelt.

Aus gutem Grund: Die Verträge mit den Kommunen enthielten Klauseln, die den Städten ein Sonderkündigungsrecht für ihre Netze und Beteiligungen einräumen - und damit auch die Chance, sich einen anderen Gesellschafter als Eon an Bord zu holen.

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Inzwischen haben sich etliche Kommunen dieses Recht (die sogenannte „Change of Control“-Klausel) in Verhandlungen abkaufen lassen – in den meisten Fällen gegen Bares. Die Dortmunder Stadtwerke haben sich ebenfalls an den Verhandlungstisch gesetzt: Die Ergebnisse sind andere. Und die, so heißt es, seien deutlich nachhaltiger als eine Einmal-Ausschüttung.

Netzgesellschaft mit bis zu 150 Jobs

In den neuen Verträgen wird Eon nun verpflichtet, den Verteilnetzbetreiber Westnetz mit Sitz an der Florianstraße dauerhaft in Dortmund zu halten. Die frühere Innogy-Tochter Westnetz hat insgesamt rund 5000 Mitarbeiter, davon 700 am Standort Dortmund. Zudem soll das Unternehmen wachsen: Geplant ist eine neue Tochter namens „Netzservice GmbH“. Sie soll mit bis zu 150 Arbeitsplätzen in Dortmund angesiedelt werden.

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Auch der lokale Versorger DEW profitiert von den Verhandlungsergebnissen: DEW kann sein Geschäftsfeld ausweiten. Denn Eon macht Platz bei den Stadtwerken Werl. Für einen effektiven Kaufpreis von zwei Millionen Euro kann DEW nachrücken und seine Anteile an den Stadtwerken Werl auf die Sperrminorität von 25,1 Prozent aufstocken – und Dividende einfahren. Voraussetzung: Die Stadt Werl muss mitspielen.

Eon erhält weniger Garantiedividende

In Dortmunds Nachbarstadt Holzwickede ist DEW bereits aktiv – und kann sein Engagement nun auch dort ausbauen: Energielieferant DEW soll die technische Betriebsführung der Strom- und Gasnetze in Holzwickede übernehmen. Dabei geht es unter anderem um Wartung von Netzen und Anlagen sowie um die Instandhaltung der Straßenleuchten.

Die Verhandlungsführer der Stadtwerke, DSW21-Chef Guntram Pehlke und Finanzvorstand Jörg Jacoby, verbuchen noch weitere Punkte auf der Habenseite: Bislang durfte sich Innogy als Miteigentümer bei DEW stets auf eine Art „Garantie-Ausschüttung“ verlassen. Die wird künftig gesenkt.

Bislang war dafür eine Summe von 11,5 Millionen Euro pro Jahr festgeschrieben. Es war das Minimum dessen, was DEW seinem Mitgesellschafter überweisen musste - unabhängig vom jeweiligen Jahresergebnis. Diese "Ausgleichszahlung" wird auf 11 Millionen Euro in 2021 und 2022 herabgesetzt.

Ab 2023 sind es dann 9,9 Millionen Euro. Weiteres Ergebnis der Verhandlungen: Einer der vier Innogy-Sitze im DEW-Aufsichtsrat war nur befristet an die Stadt vergeben. Diese Befristung fällt weg, der Sitz geht nun dauerhaft an die Stadt über.

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