Ernte: Freude übers Wetter, Ärger über rücksichtsloses Verhalten

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Mit der Ernte ist der Dortmunder Landwirt Kai Schmiemann zufriedener als in den Jahren davor. Sorgen bereiten ihm Menschen, die sich nicht richtig verhalten.

Brackel

, 03.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Dieses Jahr können wir eine ordentliche Ernte einfahren“, sagt Kai Schmiemann sichtlich zufrieden. Auf seinen gut 100 Hektar hat er unter anderem Gerste, Mais, Raps, Weizen und Ackerbohnen angebaut. Ein Teil ist schon geerntet, ein Teil steht noch auf den Feldern. Der Brackeler Landwirt ist froh, dass es keine Dürre gab wie die vergangenen zwei Jahre.

Regelmäßig düngen die Landwirte ihre Felder, damit es eine gute Ernte gibt.

Regelmäßig düngen die Landwirte ihre Felder, damit es eine gute Ernte gibt. © Blossey

„Der Mai war sehr trocken, sodass wir uns schon Sorgen gemacht haben.“ Aber das stellte sich dann zum Glück als grundlos heraus. „Bisher sieht es nach einem guten Niveau aus.“

Ernte von Region zu Region verschieden

„Es ist nicht überall eine gute Ernte“, erklärt Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer NRW. In einigen Gebieten sei es zu trocken gewesen, wenn auch nicht so heiß wie in den vergangenen Jahren. „Im westlichen NRW, hauptsächlich links des Rheins, war es zu trocken“, sagt er. „Je weiter man nach Osten kommt, desto mehr Regen gab es.“ Daher liege Dortmund in einem guten Bereich.

Die Ernte fällt dieses Jahr sehr gut aus.

Die Ernte fällt dieses Jahr sehr gut aus. © Tobias Weskamp

Auch auf den jeweiligen Boden kommt es an, wie Rüb erläutert. Bei Sandboden etwa sei das Wetter dieses Jahr nicht so vorteilhaft gewesen. „In der Soester Börde dagegen hat sich der Boden als gut erwiesen.“

Auswirkungen durch Corona

Bei der Ernte hatte Schmiemann keine corona-bedingten Probleme. „Wir haben höhere Erträge als im vergangenen Jahr. Das hilft aber nichts, wenn die Preise so niedrig sind.“

Wichtig sei auch eine sinnvolle Fruchtfolge, bei der nicht immer das Gleiche auf derselben Fläche angebaut werde. Wenn dann etwas fehle - etwa wenn eine Futterpflanze nicht mehr gebraucht werde - könne es schwierig werden.

Mit Hund Bruno ist Kai Schmiemann derzeit oft auf seinem Trecker unterwegs.

Mit Hund Bruno ist Kai Schmiemann derzeit oft auf seinem Trecker unterwegs. © Tobias Weskamp

Das Coronavirus habe mehrere Auswirkungen auf die Landwirtschaft gehabt, sagt Rüb. So gab es Absatzprobleme etwa bei Spargel, der meist im Restaurant gegessen werde. „Die hatten aber leider zu.“

Eine gute Ernte.

Eine gute Ernte. © Tobias Weskamp

Ähnliche Probleme gibt es bei Kartoffeln, da auch Pommes oft in Restaurants oder Kantinen gegessen werden. Auch sei es schwierig gewesen, Erntehelfer zu bekommen, da diese oft nicht einreisen durften.

Der „Schweinestau“

Auch bei der Tierhaltung gab es Probleme. „Es kam zu einem ‚Schweinestau‘, da nicht geschlachtet werden durfte“, beschreibt Rüb. Die Entwicklung bei Tönnies und die dadurch veranlasste Verschärfung der Vorschriften bereitet Schmiemann Sorge. „Kleine Betriebe können nicht immer die gleichen Auflagen erfüllen wie große“, sagt er.

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Auch die Verschärfung der Düngeverordnung könnte den Landwirten Probleme bereiten, so Schmiemann. Dafür würden oft Nitratwerte herangezogen, was auch richtig ist. „Die Werte werden aber oft in der Tiefe des Grundwassers gemessen, wo es etwa 20 Jahre dauert, bis sich etwas verändert“, erklärt Schmiemann.

Spaziergänger verursachen oft Schäden

Ein großes Problem sind für Schmiemann - genau wie für andere Landwirte - derzeit Menschen, die einfach so durch die Felder laufen. „Erst vor ein paar Tagen habe ich ein paar Mädchen, die es sich mit einer Decke gemütlich gemacht hatten, von meinen Feldern herunter gebeten“, gibt Schmiemann ein Beispiel.

Probleme hat Kai Schmiemann ab und an mit rücksichtslosem Verhalten auf seinen Blühwiesen.

Probleme hat Kai Schmiemann ab und an mit rücksichtslosem Verhalten auf seinen Blühwiesen. © Tobias Weskamp

Besonders oft sind es freilaufende Hunde, die sich auf seinen Feldern herumtreiben. „Das Getreide ist danach an den Stellen ganz platt getreten.“ Sein Hund Bruno weiß, wie er sich zu verhalten hat. Manch ein Hundebesitzer denkt dagegen nur an seinen Vierbeiner.

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Manchmal ist es auch Vandalismus, mit dem Schmiemann zu kämpfen hat. Kürzlich hat jemand zahlreiche Weizenpflanzen mit der Wurzel herausgerissen. „Manch einem scheint während der Corona-Zeit langweilig zu sein“, ärgert sich Schmiemann.

Hofläden profitierten von Corona-Pandemie

In der Corona-Hochzeit gingen viele Menschen in die Hofläden, so Rüb. „Die Leute wollten gerne örtliche Waren kaufen, da sie diese für sicherer hielten.“ Auch Schmiemann hat einen Laden, der samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet ist. „Der Umsatz ist gestiegen.“

Viele Blüten unterstützen die Insektenwelt.

Viele Blüten unterstützen die Insektenwelt. © Tobias Weskamp

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