„Maskenball“ im Supermarkt: „Die Fallzahlen werden wieder steigen“

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Der erste Einkaufstag mit Maskenpflicht: Bei Rewe in Lütgendortmund und bei Aldi in Bodelschwingh halten sich viele brav an die neue Vorschrift. Doch die Meinungen der Kunden gehen auseinander.

Lütgendortmund, Bodelschwingh

, 27.04.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunds Einkaufswelt wird bunter. Die Menschen tragen farbenfrohe Masken, Blumen, Bärchen und BVB-Logos bedecken Mund und Nase.

Während unseres Besuchs bei Aldi in Bodelschwingh und dem benachbarten Rewe zwischen 7 und 8 Uhr und am Rewe-Markt Amshove in Lütgendortmund am Montagvormittag (27.4.) entdecken wir keine schwarzen Schafe. Alle halten sich an Tag eins der Maskenpflicht brav an die neue Vorschrift. Sie soll dazu beitragen, die Ausbreitung des Corona-Virus weiter einzudämmen.

Ältere Paare tragen Partnerlook, viele Kunden selbst oder vom Schneider genähte Masken aus Baumwollstoff, andere Einwegmasken, wieder andere professionelle Masken mit Filter.

Einige Maskenträger schützen sich zusätzlich mit Latex-Handschuhen

Manche haben Tücher oder Schals um einen Teil ihres Gesichts gewickelt. Auch das ist aktuell noch erlaubt. Einige wenige Rewe-Kunden schützen sich zusätzlich mit Latex-Handschuhen. Bei Aldi in Bodelschwingh hängen Einweg-Handschuhe aus dünnem Tüten-Plastik, die man von den Selbstbedienungs-Brötchen-Regalen aus dem Discounter kennt, am Einkaufswagen-Parkplatz.

Einkaufen mit Maske ist nicht einfach, sagt Brigitte Buschmann (70). "Es ist sehr warm darunter, und wenn ich nach unten gucke, sehe ich nichts."

Einkaufen mit Maske ist nicht einfach, sagt Brigitte Buschmann (70). "Es ist sehr warm darunter, und wenn ich nach unten gucke, sehe ich nichts." © Beate Dönnewald

Einkaufen mit einer Maske vor Mund und Nase – den wenigsten macht das an diesem Vormittag Spaß. „Man schwitzt darunter, kriegt schlecht Luft und die Brille beschlägt“, sagt Therese (88). Aktuell besitze sie vier Masken aus der Apotheke.

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Angelika (66) bevorzugt einen dünnen Schal als Mund- und Nasenschutz. „Der ist luftiger. Unter einer Maske kriege ich Atemnot.“ Es ist heute ihr erster Einkauf als „Vermummte“. „Für mich ist das alles nur Panikmache“, sagt sie.

„Die Geschäfte wurden zu früh geöffnet“

Für Brillenträgerin Annette Voss war der erste Einkauf mit Maske „okay“. „Man muss den Maskenrand unter die Brille schieben, dann geht es“, sagt sie. Sorgen mache ihr vielmehr, dass etliche nicht den vorgeschriebenen Abstand einhielten. „Das beobachte ich vor allem bei der älteren Generation.“

Annika (33) trägt einen Mund- und Nasenschutz aus der Apotheke. Den selbst genähten Masken vertraut sie noch nicht so richtig.

Annika (33) trägt einen Mund- und Nasenschutz aus der Apotheke. Den selbst genähten Masken vertraut sie noch nicht so richtig. © Beate Dönnewald

Brigitte Buschmann (70) gehört nicht dazu. „Ich stand gerade mit sehr großem Abstand an der Kasse an. Da hat sich doch glatt jemand vorgedrängelt“, erzählt die Seniorin. Sie kann nicht nachvollziehen, dass nach fünf Wochen eine Maskenpflicht eingeführt wurde. „Abstand halten und die richtige Hygiene reichen meines Erachtens. Die Geschäfte wurden zu früh geöffnet, das ist das große Problem.“

Sarah (34) hingegen hält die neue Vorschrift für richtig und wichtig. „Sie hilft uns allen.“ Auf ihrer linken Wange sitzt ein niedlicher Bär mit Glitzersteinen. „Die Maske kratzt an der Nase.“

Angelika (66) bevorzugt einen Schal als Mund- und Nasen-Schutz:. "Der ist luftiger, unter einer Maske kriege ich schlecht Luft."

Angelika (66) bevorzugt einen Schal als Mund- und Nasen-Schutz:. "Der ist luftiger, unter einer Maske kriege ich schlecht Luft." © Beate Dönnewald

Annika (34) findet es nicht schlimm, mit Maske einzukaufen. „Am Anfang kam ich mir etwas doof vor. Jetzt nicht mehr, weil ja alle eine tragen.“ Sie hat sich für Einwegmasken aus der Apotheke entschieden. Den selbst genähten Stoff-Modellen vertraue sie noch nicht so richtig.

Menschen mit Masken fassen sich häufiger ins Gesicht

Jürgen Grewe (51) sieht in den Masken nur Nachteile. „Man kann nicht mehr die Mimik der anderen Menschen erkennen, und ich als Brillenträger schwitze fürchterlich darunter.“

Direkt am Eingang des Rewe-Markts konnten sich die Kunden mit waschbaren Baumwoll-Masken eindecken. Zwei Masken für zehn Euro.

Direkt am Eingang des Rewe-Markts konnten sich die Kunden mit waschbaren Baumwoll-Masken eindecken. Zwei Masken für zehn Euro. © Beate Dönnewald

Der 51-Jährige geht davon aus, dass die Fallzahlen der Infizierten durch die Maskenpflicht wieder steigen werden. „Weil sich die Menschen beim An- und Ausziehen der Masken häufiger ins Gesicht fassen und die Viren so schön verteilen“, sagt er. „Außerdem werden viele die Masken nicht häufig genug wechseln beziehungsweise waschen.“

Hier gilt die Maskenpflicht

Die Maskenpflicht gilt seit dem 27. April in Ladengeschäften und Ausstellungsräumen für Kunden und Mitarbeiter, auf Wochenmärkten, in Einkaufszentren und Shopping Malls, bei der Abholung von Speisen und Getränken in gastronomischen Einrichtungen, bei Handwerks- und Dienstleistungen, wenn der Abstand zum Kunden von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, in Arztpraxen und ähnlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens und im Öffentlichen Personennahverkehr.

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