Rentnerin möchte junge Leute für erstes Wahlkreisparlament im Dortmunder Westen begeistern

hzKommunalpolitik in Dortmund

Bärbel Göbel möchte etwas gegen Politikverdrossenheit in Dortmund tun. Deshalb wirbt die 72-Jährige für das erste Wahlkreisparlament im Dortmunder Westen. Das steckt dahinter.

Lütgendortmund

, 10.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bärbel Göbel ist ein politisch interessierter Mensch. Früher, in den 1960er- bis 80er-Jahren, war die 72-Jährige sogar Mitglied in der SPD. „Aber irgendwann hat mir hier die Bürgernähe gefehlt, der Umgang mit den Menschen missfallen, deshalb bin ich ausgetreten“, erzählt die zweifache Mutter und studierte Sozialarbeiterin.

Jahrzehnte später hat die Wahl-Lütgendortmunderin eine neue politische „Heimat“ gefunden: die Basisdemokratie. In Dortmund gehört Bärbel Göbel zu den ersten Mitgliedern der neuen Partei „Selbstbestimmte Demokraten“. Gemeinsam mit ihren Parteikollegen möchte die Rentnerin die sogenannten Wahlkreisparlamente als Alternative zu bestehenden politischen Gremien etablieren.

Die Bürger vor Ort bestimmen die Themen

Wie dieses basisdemokratische Angebot funktioniert, ist schnell erklärt: „Die Menschen kommen mit ihren Sorgen und Vorschlägen ins Wahlkreisparlament und dürfen darauf hoffen, dass schnell etwas passiert“, so Bärbel Göbel. Die Menschen an der Basis würden also nicht nur die Themen bestimmen, sondern auch die weitere Vorgehensweise diskutieren und so gemeinsam nach Lösungen suchen.

Ob Probleme vor der eigenen Haustür oder landes- und bundespolitische Themen: Alles soll auf Bürgerwunsch auf die Tagesordnung des alle drei Wochen stattfindenden Wahlkreisparlaments wandern. „Im besten Fall kommen auch Abgeordnete zu uns, die unsere Meinung in die Gremien transportieren“, so Bärbel Göbel. Wenn es ein Thema erfordere, setze man auch Fachleute und Experten ein.

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Das erste Wahlkreisparlament im Westen tagt am 23. Februar

Das erste Wahlkreisparlament im Dortmunder Westen tagt erstmals am 23. Februar ab 14 Uhr im Martin-Luther-King-Haus, Holtestraße 77. „Wir haben extra einen Sonntag gewählt, damit auch Familien teilnehmen können. Parallel bieten wir eine Kinderbetreuung und Kaffee an“, so Göbel. Letzteres ist sicherlich nötig, denn Tagungsende soll gegen 19 Uhr sein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Rentnerin möchte junge Leute für erstes Wahlkreisparlament im Dortmunder Westen begeistern

Wenn es die Zeit zulässt, sitzt Bärbel Göbel an ihrer Staffelei. Doch aktuell brauchen die Vorbereitung und vor allem das Bekanntwerden des ersten Wahlkreisparlaments ihren vollen Einsatz. © Beate Dönnewald

Die 72-Jährige, die sich auch in der Flüchtlingshilfe engagiert, ist sich sicher, dass gerade bei jungen Leuten das Angebot der Wahlkreisparlamente auf Resonanz stoßen wird. „Es ist erwiesen, dass sich Jugendliche lieber in Initiativen als in Parteien engagieren. Das beste Beispiel ist doch die Fridays-for-Future-Bewegung“, so Göbel.

Wahlkreisparlamente sind offen für alle Bürger

Die Wahlkreisparlamente, betont die 72-Jährige, seien offen für alle, nicht nur für Wahlberechtigte, sondern auch für Flüchtlinge, Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit und eben auch für Jugendliche unter 18. „Einzige Voraussetzung: Die Menschen müssen im jeweiligen Wahlkreis beziehungsweise Stadtbezirk wohnen.“

Bärbel Göbel weiß, dass es einen langen Atem brauchen wird, bis die Wahlkreisparlamente den erwünschten Zulauf haben werden. „Doch wenn die Leute sehen, dass es hier schnell Resultate gibt, werden sie schon kommen“, sagt sie. Sie setzt darauf, dass man gemeinsam stark ist und durch ein großes Netzwerk viele Dinge schneller auf den Weg bringen kann.

Selbstbestimmte Demokraten wollen die Bürger wachrütteln

Es sei wichtig, die Bürger wachzurütteln und aus ihrer Resignation zu befreien. Sätze wie „Die da oben machen ja nur, was sie wollen“ oder „Ich kann es ja doch nicht ändern“ sollen endlich der Vergangenheit angehören, hofft Bärbel Göbel.

Auch die 72-Jährige hat Wünsche für den Stadtbezirk Lütgendortmund, die sie im Wahlkreisparlament vorstellen wird: Tempo 30 in den Ortszentren, enge Straßen in Einbahnstraßen umwandeln, Ausbau des Fahrradwegenetzes und damit mehr Sicherheit für Radfahrer, Optimierung der Ampelschaltungen, zum Beispiel an den Kreuzungen der Provinzialstraße.

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