„Es ist 5 nach 12“ – rund 6000 demonstrierten bei Fridays for Future in Dortmund

hzKlimaschutz

Die Europawahlen zu Klimawahlen machen – das war am Freitag das Ziel der zweiten internationalen Groß-Demo Fridays for Future. In Dortmund verschafften sich rund 6000 lautstark Gehör.

Dortmund

, 24.05.2019, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Papp-Transparent in der Mitte des Menschenmeers auf dem Friedensplatz ist zeitlich nicht ganz auf der Höhe: „5 vor 12“ schleudert es den Leugnern des Klimawandels entgegen. Nein, Therese Kah, die Organisatorin der Dortmunder Fridays-for-Future-Bewegung, weiß es besser. Um genau 5 nach 12 Uhr – „eine symbolische Uhrzeit“ – startete sie die Groß-Demo auf dem Friedensplatz mit am Ende mehr als den erhofften 5000 Teilnehmern. Der Klimaschutz, ruft sie Schülern und Eltern entgegen, „hätte schon vor 20, 30, 40 Jahren anfangen müssen. Wir können den Klimawandel nicht mehr aufhalten, wir können ihn nur verringern.“

Dana Fischer ist mit ihren Greta-Thunberg-Zöpfen ein Abbild der schwedischen Umwelt-Aktivistin. 15 Jahre alt, Schülerin an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und klimapolitische Überzeugungstäterin. Ihre Rede richtet sie an die Erwachsenen „die nicht hier sind.“ Ob sie nicht wollten, dass ihre Kinder und Enkelkinder später mal sagen, „meine Eltern, meine Großeltern haben die Welt gerettet.“

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Ist Fridays for Future nicht einfach Schulschwänzerei? Drei Fragen an Dana Fischer

Im Holzschiff nach Amerika

Ja, sie kaufe ihre Kleidung bei H+M und bei C&A, räumt Dana Fischer ein, sie esse auch mal Fleisch, aber sie achte darauf, möglichst viel Fahrrad zu fahren und ihren Strom- und Wasserverbrauch auf das Notwendige zu beschränken. Am Rande der Demo erzählt die Schülerin, sie sei gegen Schulschwänzen, in den Urlaub sei sie noch nie geflogen und plane mit ihrem Vater eine Reise nach Amerika im Holzschiff, weil das umweltfreundlicher sei.

Die in die Höhe gereckten Transparente und Pappschilder sind gleichzeitig visuelle Untermalung der verschiedenen Reden und bringen sie auf den Punkt: „Rettet den Planeten“; „Früher war der Fisch in der Packung. Heute ist die Packung im Fisch“; „Plastik-Verbot statt Artentod“; „Eure Klimapolitik ist ein Witz – keiner lacht“. Und „Wir wählen euch ab“.

„Das ist unsere Gier und unsere Bequemlichkeit“

Auch wenn viele wegen ihres jungen Alters noch keine Wahlstimme haben – mit ihrem Groß-Streik haben die Schülerinnen und Schüler die bevorstehende Europawahl am Sonntag im Blick, wollen klarmachen, „dass die Europawahlen auch Klimawahlen sind“, in der Hoffnung, dass die klimaorientierten politischen Parteien stark im künftigen Europaparlament vertreten sein werden.

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Aus den Herzen spricht ihnen Anke Staar. Die Vertreterin der Dortmunder Parents for Future hält eine engagierte und den Erwachsenen gegenüber schonungslose Rede auf der Rathaustreppe. „Die Erde fiebert, und das Fieber steigt“, zitiert sie den früheren US-Vize-Präsidenten und Umweltschützer Al Gore. „Ihr fragt uns Eltern, die Politik und die Wirtschaftsmächtigen: Ihr habt es gewusst und warum nichts getan?“. Die Antwort sei einfach und erschreckend: „Das ist unsere Gier, unser Selbstbetrug und unsere Bequemlichkeit.“

Nach dem Streik in die Klima-Vorlesung

„Wir wollen keine Schulschwänzer-Diskussion“, sagt Anke Staar, „wir wollen, dass man den Wissenschaftlern und euch zuhört.“ Es sei an den Erwachsenen, aufzuwachen, hinzusehen und endlich Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. „Danke für euren Weckruf und eure Courage, für eure Ausdauer und eure Entschlossenheit“, sagt Staar unter lautem Beifall.

„Hopp, hopp, Kohle-Stopp!“ Um 5 vor 13 Uhr setzt sich die Menge in Bewegung zum Demonstrationszug in die Innenstadt mit Zwischenstopp an der Reinoldikirche.

Einige der Klimastreikenden gingen nach der Demo in die Verlängerung: Sie besuchten die Vorlesung „Fridays for Future“ an der TU Dortmund. Es ging um Genehmigungen und Gesetze für den Infrastrukturausbau und regulatorische Mechanismen zur CO2-Reduzierung.

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