„Existenzbedrohend“: Inhaber auf der Saarlandstraße kämpfen mit Folgen der Baustelle

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An der Saarlandstraße wird seit Anfang Juli gebaut. Die Anwohner und Geschäftsleute wurden im Vorfeld kaum informiert. Viele mussten umdenken, einige bangen um ihre Existenz.

von Alexandra Wachelau

Mitte

, 11.09.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem Start der Baustelle an der Saarlandstraße im Juli liegen vor Ort die Nerven blank. Durch Arbeiten an den Wasserleitungen wurde die Durchgangsstraße zur Einbahnstraße in Ost-West-Richtung. Anwohner, Händler und Einkäufer kommen sich permanent in die Quere. Schon vor der Baustelle war es schwierig, auf der Saarlandstraße einen Parkplatz zu finden – inzwischen ist es zur Sisyphosaufgabe geworden.

„Existenzbedrohend“: Inhaber auf der Saarlandstraße kämpfen mit Folgen der Baustelle

Bei den Arbeiten sollen an manchen Stellen auch Versorgungsleitungen im Gehwegbereich erneuert werden. © Alexandra Wachelau

Was jedoch für Einkäufer ärgerlich und zeitaufwendig ist, wird für die Geschäftsbesitzer auf der Straße teilweise eine Existenzbedrohung. Viele Läden haben schon einen Rückgang der Einnahmen bemerkt, vor allem, weil ihre Kunden keinen Parkplatz mehr finden können.

„Wenn eine Sperrung in der Weihnachtszeit kommt, können wir einpacken“

„Das ist für uns eine Katastrophe“, sagt Marianne Grumich (55). Zusammen mit ihrem Mann Udo Grumich (60) betreibt sie seit 35 Jahren das Geschäft „Blumen Grumich“ an der Saarlandstraße 83. Eine Situation wie diese haben beide noch nicht erlebt, erzählen sie.

„Wenn wir das früher gewusst hätten, hätten wir unseren Urlaub umgelegt. Aber wir wurden gar nicht informiert“, sagt Udo Grumich. „Wir leben ja davon, dass viele unserer Kunden spontan vorbeischauen, aber durch die Arbeiten und die fehlenden Parkplätze draußen werden diese Spontankäufe weniger.“

„Existenzbedrohend“: Inhaber auf der Saarlandstraße kämpfen mit Folgen der Baustelle

Bis voraussichtlich Januar sollen die Arbeiten an den Wasserleitungen noch laufen. Für die Geschäfte auf der Saarlandstraße ist die Situation jetzt schon angespannt. © Alexandra Wachelau

Zusätzlich dazu, dass die Einnahmen zurückgehen, ist den beiden ihr Lieferant abgesprungen. „Der Fahrer hat ein paarmal versucht, uns trotz der Baustelle zu beliefern, aber in der Nebenstraße gibt es kaum Wendemöglichkeiten. Er hat über eine Stunde gebraucht, um wieder aus der Straße zu kommen“, sagt Marianne Grumich.

Nun muss das Ehepaar selbst die Ware zu ihrem Geschäft transportieren. Jeden Tag laden die beiden ihren Pkw voll und fahren mit der neuen Ware zum Geschäft, wo sie dann alles vom Hinterhof zum Geschäft tragen müssen. „Das ist ein großer Mehraufwand, den zahlt uns natürlich auch keiner“, sagt Marianne Grumich. „Es ist wirklich existenzbedrohend.“

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Die momentanen Bauarbeiten sind auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihres Geschäfts. Ob und wann sich die Arbeiten auf die andere Fahrbahn verschieben werden und so die Straßenseite des Blumengeschäfts bebaut wird, wissen beide nicht. In den nächsten Monaten wäre das für beide allerdings ein Worst-Case-Szenario: „Wenn diese Sperrung in der Weihnachtszeit kommt, können wir einpacken“, sagt Udo Grumich.

„Existenzbedrohend“: Inhaber auf der Saarlandstraße kämpfen mit Folgen der Baustelle

Die Inhaber von „Blumen Grumich“ sind überzeugt, dass es einen Plan der verschiedenen Bauabschnitte geben muss. Warum sie bisher keine Einsicht in diese Pläne hatten, verstehen sie nicht. © Alexandra Wachelau

Neben der Frage, wie sie im Winter sperrige Weihnachtsgestecke ohne Lkw transportieren sollen, befürchten sie so ein Ausbleiben der Weihnachts-Einnahmen. „Die Kunden bleiben ja jetzt schon fort, obwohl nur die andere Straßenseite gesperrt ist“, sagt das Ehepaar.

Viele Anwohner und Händler haben erst von der Baustelle erfahren, als die Bagger vorfuhren. So auch Susanne Hahn.

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Susanne Hahn vor ihrem Geschäft. Die Baustelle kam, wie bei vielen Geschäftsleuten auf der Saarlandstraße, überraschend. © Alexandra Wachelau

Sie ist Inhaberin des Modegeschäfts „Spitzenkleid“ an der Saarlandstraße 22 und ist aus allen Wolken gefallen, als sie am 8. Juli in die Straße einbog und die Sperrung sah: „Ich musste eine Riesenroute fahren und bin an dem Tag viel zu spät gekommen. Das ist mir noch nie passiert“, sagt sie.

„Existenzbedrohend“: Inhaber auf der Saarlandstraße kämpfen mit Folgen der Baustelle

Auch das Modegeschäft „Spitzenkleid“ ist von Bauzäunen eingerahmt. An manchen Tagen konnte Inhaberin Susanne Hahn durch den Staub der Baustelle ihre Wahre nicht draußen präsentieren. © Alexandra Wachelau

Durch den Lärm und Dreck der Baustelle konnte sie nicht wie sonst ihre Ware draußen aufstellen und musste trotz Sommerhitze die Türen geschlossen halten. Dass ihre Einnahmen durch die Baustelle zurückgegangen sind, kann sie bisher nicht bestätigen: „Es war ja Ferienzeit, deswegen kann ich momentan noch nicht die Baustelle dafür verantwortlich machen“, sagt sie.

„Baustellen-Rabatt“ als Entschädigung für Kunden

Martin Hesterberg, der den Fleischhandel „Filetshop“ an der Saarlandstraße 102 betreibt, hat dagegen durchaus Veränderungen bemerkt. „Die Situation ist katastrophal. Wir haben sehr viele Stammkunden, die regelmäßig bestellen. Aber am Wochenende ist es jetzt schon weniger geworden, die Leute gehen stattdessen auf den Wochenmarkt“, sagt er.

Hesterberg kann es ihnen allerdings nicht verdenken: „Die meisten bestellen telefonisch vor und kommen dann mit der Kühlbox im Auto vorgefahren. Das geht jetzt nicht mehr so spontan, die Park- und Haltemöglichkeiten sind ja weg“, sagt er.

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Der „Filetshop“ hat bereits einen Baustellenrabatt für die Kunden eingeführt. Kunden können vor dem Geschäft nicht mehr halten oder parken. © Alexandra Wachelau

Als Entschädigung hat er einen „Baustellen-Rabatt“ eingeführt. „Momentan gebe ich, sozusagen als Bonbon für meine treuen Kunden, 5 Prozent auf meine Ware“, sagt er. Ähnlich wie Ehepaar Grumich bangt er jedoch um die Situation, die in der Weihnachtszeit auf ihn zukommen könnte.

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Martin Hesterberg hat sich schon Kompromisse zur Baustelle überlegt. Die Situation gefällt ihm trotzdem nicht. © Oliver Schaper (Archiv)

„Im Dezember habe ich manchmal Hunderte von Kunden am Tag. Wenn die andere Straßenseite im Winter gesperrt wird – da sinkt wirklich die Laune“, sagt er.

Auch Fußgänger, vor allem Senioren, haben Probleme mit der Baustelle

Als Notlösung hat sich Hesterberg überlegt, einen Wagen zu mieten und von einem Parkplatz aus seine Ware zu verkaufen. Doch: Ob es wirklich so weit kommen wird, weiß auf der Saarlandstraße noch niemand.

Birgitta Wenger-Klein und Christian Volmerich sind die Vorsitzenden der Gewerbegemeinschaft Saarlandstraße. Wenger-Klein arbeitet in der Landgrafen-Apotheke. Sie sieht die Baustelle zwiegespalten: „Auf der einen Seite müssen die Anschlüsse ja irgendwann erneuert werden“, sagt sie.

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Seit dem 8. Juli ist die Saarlandstraße eine Einbahnstraße in Ost-West-Richtung. © Alexandra Wachelau

Die Koordinierung hätte dennoch besser laufen können. „Vor allem ältere Leute haben wirklich Probleme, jetzt auf der Straße ihre Besorgungen zu machen“, sagt sie. Für die Gewerbebetreibenden überlegt sie, sich für eine Senkung der Gewerbesteuern einzusetzen, da die Lieferkosten momentan für viele ein Mehraufwand seien.

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Laut DEW21 sollen die Arbeiten noch bis Januar 2020 laufen.

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