Fahrrad-Geschichte in Berghofen: Das Rad dreht sich weiter

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Ein roter Drahtesel sorgte vergangene Woche in Berghofen nicht nur für Aufsehen, sondern auch für einen Bericht dieser Redaktion. Jetzt gibt es weitere Reaktionen aus dem Stadtteil.

von Nicola Schubert

Berghofen

, 04.08.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD-Politikerin Christiane Lusebrink-Dickewied hatte ein Fahrrad mit Schildern versehen vor der Rewe-Filiale in Berghofen aufgestellt. Mit einem fiktiven Dialog auf den Schildern machte sie eine Frage im Stadtteil groß: Wo können Jugendliche sich aufhalten, wo können sie „chillen“?

Pfarrerin ist irritiert

Die Berghofer Pfarrerin Dr. Sabine Breithaupt-Schlak hat uns daraufhin einen Leserbrief geschickt. Darin begrüßt sie, dass sich die Politikerin „um die Menschen kümmert“. Dennoch zeigt sie sich irritiert von der Fahrrad-Aktion. Sie verweist auf verschiedene kostenfreie Angebote für Jugendliche im Stadtteil.

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„Einfach mal nichts tun“

Gleichzeitig betont Sabine Breithaupt-Schlak, dass es im Jugendalter dazu gehöre, „einfach mal nichts zu tun“ und sich an öffentlichen Orten schlichtweg aufzuhalten. Sie bezweifelt, dass Jugendliche durch mehr Angebote erreicht würden.

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Auf Nachfrage betont sie: „Es ist nicht so, dass das Thema neu ist. Seit Jahren reden wir darüber und verschiedene Akteure, ob Vereine oder die beiden Kirchen, haben viel ausprobiert. Die Aktion verweist nur auf etwas, das schon lange diskutiert und angegangen wird.“

Bedarf an öffentlichen Plätzen

Bei öffentlichen Plätzen, an denen sich Jugendliche aufhalten können, sieht sie Bedarf: „In Berghofen konkurrieren verschiedene Gruppen um rar gesäte Aufenthaltsplätze. Am Bouleplatz sind Erwachsene, auf Spielplätzen Kinder, Eltern und Großeltern. Wo sollen die Jugendlichen hin?“

Jugendliche an öffentlichen Orten

Dass Jugendliche sich gern an öffentlichen Orten aufhalten, an denen es - anders als in Institutionen wie Schulen, Kirchen oder Vereinen - keine Kontrolle durch Erwachsene gibt, ist wissenschaftlich untersucht worden.

Sorgt für Gesprächsstoff in Berghofen: Das Fahrrad, das vor dem Rewe-Markt abgestellt wurde.

Sorgt für Gesprächsstoff in Berghofen: Das Fahrrad, das vor dem Rewe-Markt abgestellt wurde. © Britta Linnhoff

Das „Chillen“ dort verschafft ihnen Autonomie - und ist oft per se verpönt. Dabei hat die Jugendkriminalität in den vergangenen Jahren abgenommen, wie verschiedene Studien zeigen. Beispielsweise die Studie der Max-Planck-Gesellschaft von 2017.

Räume müssen her

Konkreter bei SPD-Frau Lusebrink-Dickewied nachgefragt, was sie sich für den Stadtteil vorstelle, unterstreicht sie den Wunsch nach einer Jugendbegegnungsstätte mit großem Außenbereich, erzählt von einem Gartenprojekt aus Mannheim als Vorbild. All das könnte nur durch ein Zutun der Stadtpolitik realisiert werden. Lusebrink-Dickewied macht Wahlkampf.

Jugendliche fühlen sich nicht gehört

Sie verweist auf die Sinus-Jugendstudie, nach der sich junge Menschen von der Politik wenig gehört fühlen. Bei dem SPD-Spaziergang am vergangenen Sonntag, bei dem etwa 60 Leute im Stadtteil unterwegs waren, habe es leider nur wenige Junge gegeben.

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