Partyviertel in Dortmund: Was ein Szene-Forscher zur CDU-Idee sagt

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Mit fast 400 Ideen für Dortmund wirbt die CDU um Stimmen. Eine davon lautet: Realisierung eines Ausgehviertels. Kann man das politisch bestimmen? Ist das machbar? Ein Szeneforscher ordnet die Idee ein.

Dortmund

, 18.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielleicht wird es in der Rückschau auch etwas verklärt, aber das Partyviertel auf der ehemaligen Thier-Brache war Ende der 90er und in den Nuller-Jahren der Szenetreffpunkt in Dortmund. Clubs und Discotheken wie die Bar Mendoza, die Liquid Lounge oder das Sixx.PM waren beim Partyvolk beliebt - und gingen dann mit dem Bau der Thier-Galerie unter.

Seitdem schwärmen viele von diesem versunkenen Dortmunder Nachtleben und wünschen sich ein solches Partyareal zurück. Und von der versunkenen Ostwall-Szene, dem untergegangenen Dortmunder „Bermudadreieck“, wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Die CDU trägt der Sehnsucht in ihrem Programm zur Kommunalwahl am 13. September Rechnung und verspricht zum Thema Stadtentwicklung unter anderem die „Realisierung eines Ausgehviertels wie der ehemaligen Thier-Brache“. Die Christdemokraten denken dabei daran, so sagten sie es in einem Pressegespräch, das Unionviertel in dieser Hinsicht weiterzuentwickeln.

Aber geht das? Dass die Thier-Brache seinerzeit ein solcher Hotspot wurde, war ein reines Zufallsprodukt und keineswegs geplant. Lässt sich ein solches Ausgehviertel überhaupt planen und politisch festlegen?

Das Unionviertel hat als Ausgehviertel Potential

„Im Prinzip kann die Politik schon günstige Gelegenheiten schaffen, die dann aber von Unternehmern entsprechend ergriffen und ausgestaltet werden müssen, damit so eine Konzentration entsteht“, sagt Paul Eisewicht, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät für Soziologie an der TU Dortmund. Er beschäftigt sich dort unter anderem mit Szeneforschung und Konsumsoziologie.

Paul Eisewicht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät für Soziologie an der TU Dortmund.

Paul Eisewicht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät für Soziologie an der TU Dortmund. Er arbeitet unter anderem in dem Themenbereich Szeneforschung und Konsumsoziologie. © privat

Ein künstliches Viertel abseits lokaler Gegebenheiten zu züchten, würde er für falsch halten. „Das Unionviertel allerdings“, sagt Paul Eisewicht, „hat als Ausgehviertel Potential, da es dort schon Kultur- und Gastrobetriebe gibt.“

Wichtig sei es dann, Freiräume zuzulassen und beispielsweise die Sperrstunde aufzuheben. „Und die Bürger im Viertel“, so Paul Eisewicht, „müssen das mittragen.“ Lärm-Beschwerden von einigen Nachbarn und Anwohnern waren nämlich zum Beispiel ein Hauptgrund dafür, dass die Ostwall-Szene sich letztlich nicht hat halten können.

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Selbst wenn dies im Unionviertel gegeben sei, gibt der Wissenschaftler folgendes zu bedenken: „Eine solche Ausgehkultur ist meines Erachtens nicht so günstig zu haben, wie die Politik es sich manchmal vorstellt. Man muss die Kultur-Unternehmer finden und dann auch fördern, da es sich in der Regel um kreative und unternehmungslustige Menschen handelt, die aber nur über beschränkte Mittel verfügen.“

„Partyviertel wäre eine Bereicherung für die Stadt“

Zu guter Letzt verweist Paul Eisewicht auch auf die Untiefen, die die Idee einer Konzentration von Party-Locations haben kann: „Freizeit- und Ausgehverhalten entwickeln sich zunehmend vielfältiger und folgen verschiedensten Vorstellungen vom Ausgeherlebnis. Meine Erfahrung ist, dass das Ausgehverhalten hochdynamisch ist. Und es sind oft Zufälle, die eine Bar oder eine Disco erfolgreich werden lassen.“

„Nur, wenn es wirklich ernst gemeint ist“, so das Fazit von Paul Eisewicht, „wäre ein neues Partyviertel durchaus machbar und eine Bereicherung für die Stadt.“

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