Falschparker gefährden Dortmunds kleinsten Wochenmarkt

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Seit 1962 gibt es in Dortmund einen kleinen Wochenmarkt. Sechs Stände öffnen jeden Samstag für ihre Kunden. Jetzt fürchten die Händler um ihre Existenz – wegen einer kuriosen Regelung.

Kaiserstraßenviertel

, 22.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein kleiner Wochenmarkt mit großer Tradition hat seit Kurzem ein Problem. Händler, die dort seit Jahrzehnten ihre Waren anbieten und viele treue Kunden haben, bangen um ihre Existenz. Auch die Geschäftsleute, die in der Straße ihre Läden haben, machen sich Sorgen um den Markt.

Seit vielen Jahrzehnten steht Ralf Gronemann an seinem Blumenstand auf dem Markt, der früher mittwochs und samstags in der Davidisstraße an der Ecke zur Von-der-Tann-Straße stattfand. Mittlerweile ist es nur noch ein Samstagsmarkt.

Sechs Stände gibt es. Darunter Käse, Fleisch, Textilien, Blumen. Die Atmosphäre ist harmonisch, die Händler kennen sich. Doch seit einer Woche versteht der Blumenhändler die Welt nicht mehr: Die Händler des Davidismarktes wissen kaum noch, wo sie ihre Wagen abstellen können. Grund ist eine neue Abschleppregelung der Stadt.

Autos nehmen den Händlern den Platz weg

Am Straßenrand weisen Schilder auf ein eingeschränktes Halteverbot an Samstagen hin. Wer dort zu den angegebenen Zeiten parkte – und somit im Weg stand – den konnten die Händler abschleppen lassen. Doch jetzt ist das offenbar nicht mehr erlaubt. Die Autos müssen stehen bleiben.

Falschparker gefährden Dortmunds kleinsten Wochenmarkt

Hier gilt an Samstagen ein Parkverbot. Doch niemand hält sich daran. © Martina Niehaus

Die Folge ist ein Riesenchaos: „Am letzten Samstag wussten wir nicht, wohin. Es war einfach alles zugeparkt“, sagt der 56-Jährige verzweifelt. Kunden hätten seinen Stand, der viel weiter am Ende der Straße noch eine kleine Lücke gefunden hatte, einfach nicht gesehen.

„Die Leute rechnen doch damit, dass ich an meinem festen Platz stehe. Wenn nicht, denken sie, der Blumenhändler ist nicht mehr dabei, und gehen weg. Das hat für viele schon große Einbußen bedeutet“, sagt der Markthändler.

Auch Kunden haben Verständnis für die Händler

Am Montag habe sich daraufhin sein Bruder Frank Gronemann bei der Stadt erkundigt. „Man hat ihm gesagt, dass die Schilder eigentlich ein absolutes Halteverbot zeigen müssten“, sagt Ralf Gronemann. „Und solange das nicht der Fall ist, dürfen wir niemanden mehr abschleppen lassen.“

Ob und wann die Beschilderung geändert wird, habe man seinem Bruder nicht sagen können. „Es wurde gesagt, das könne dauern. Die Entscheidung müsse erst durch mehrere Gremien“, empört sich Ralf Gronemann.

Falschparker gefährden Dortmunds kleinsten Wochenmarkt

An Samstagen wird hier der Markt aufgebaut. Doch die Händler haben Platzprobleme. © Martina Niehaus

Christel Oeke ist ebenfalls sehr besorgt. Die 77-Jährige verkauft seit 30 Jahren Blumen an Gronemanns Stand. „Das ist so ein gemütlicher kleiner Markt, mit tollen Kunden. Ich habe die Befürchtung, dass man unseren netten kleinen Markt kaputtmachen will“, sagt sie. Sie weiß auch von Kunden, die sich bei der Stadt beschwert hätten. „Die Leute sind auf unserer Seite“, sagt Oeke.

Die Geschäftsleute in der Straße können die Sorgen der Händler verstehen. Marcus Koch vom Laden „Der kleine Weinkoch“ sagt: „Wenn man möchte, dass dieser hübsche kleine Markt erhalten bleibt, muss man den Händlern doch die Möglichkeit geben, zu parken.“

Händler haben Autofahrer sogar aus dem Bett geklingelt

Margot Dreischulte von der Bäckerei hat die vertrackte Parksituation vor ihrem Laden am letzten Samstag selbst mitbekommen. Sie sagt: „Die Händler haben ja in der Vergangenheit immer erst versucht, den Halter des Fahrzeuges ausfindig zu machen, bevor abgeschleppt wurde. Weil wir viele Autos kennen, haben wir die Leute dann manchmal morgens aus dem Bett geklingelt.“

Dass die Händler nun keinen Platz mehr haben, findet sie schlimm. „Der Job eines Markthändlers ist ein echter Knochenjob. Die sind richtig entsetzt. Hier geht’s doch um die Existenz! Der Gemüsemann kommt aus Harsewinkel, der hat eine weite Anfahrt. Und Leute, die er bezahlen muss.“

Was Margot Dreischulte befürchtet: „Wenn dieser kleine Markt jetzt kaputtgemacht wird, das wäre so schade. Wir helfen uns hier alle gegenseitig, das ist eine richtig tolle Gemeinschaft. Auch wenn es nicht mehr viele Marktstände sind: Man kann eigentlich alles für den täglichen Bedarf bekommen.“

Und sie glaubt, dass auch dem Stadtteil etwas fehlen würde. „Der Davidismarkt prägt diese Ecke. Er ist klein, aber schnuckelig. Und das soll auch so bleiben.“

Bezirksbürgermeister sucht nach einer schnellen Lösung

Bezirksbürgermeister Udo Dammer (63) setzt sich dafür ein, dass das Problem so schnell wie möglich gelöst wird. „Wir unterstützen immer alle Aktionen rund um den Davidismarkt. Er ist zwar klein, aber beliebt. An Markttagen hat da einfach eine freie Fläche zu sein“, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion.

Deshalb habe er gerade einen Termin mit Vertretern des Ordnungs- und Tiefbauamtes verabredet. „Am nächsten Montag, dem 25. November, wollen wir uns die Situation alle zusammen vor Ort anschauen. Das muss schließlich schnell gehen.“ Dammer hofft, die Markthändler so beruhigen zu können. „Wir haben als Bezirksvertretung ein lebhaftes Interesse daran, dass der Davidismarkt weiterbestehen kann“, verspricht er.

Auf die Anfrage unserer Redaktion konnte die Stadt Dortmund am Donnerstag nicht mehr antworten. Pressesprecher Maximilian Löchter hat aber zugesagt, die entsprechenden Informationen so schnell wie möglich einzuholen.

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