Familie soll Platz machen für einen Netto - Kündigung ist ein Schock

hzNetto in Kirchderne

Es war in den letzten Wochen überall zu hören: Ein Netto soll nach Kirchderne kommen. Doch auch, wenn der Bezirk einen Supermarkt benötigt: Für eine Familie ist das eine Katastrophe.

Kirchderne

, 24.07.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gerüchte reißen nicht ab: Soll tatsächlich ein Netto-Supermarkt an die Ecke Derner Straße/Grüggelsort kommen? Für viele Kirchderner wäre das eine Bereicherung. Schon lange vermissen viele Bewohner des Bezirks einen Supermarkt um die Ecke.

Nun scheinen sich die Gerüchte zu bewahrheiten. Das erzählen Daniel Bosse und seine Frau Jessika Bremer, die gemeinsam mit ihren drei Kindern seit fast 20 Jahren am Grüggelsort wohnen. Sie wohnen sogar direkt auf dem Grundstück, auf dem wohl der Supermarkt entstehen soll. Das Haus ist ein Mehrgenerationenhaus, zeitweise wohnte die Familie dort gemeinsam mit Tante, Oma und sogar Uroma. Doch jetzt soll das vorbei sein: Netto hat ihnen und einigen weiteren Mietern, unter anderem der beliebten Pizzeria La Palma, zum Ende des Jahres gekündigt.

„Die Kündigung auf den Tisch gelegt“

Seit Anfang des Jahres gehört das Grundstück dem Unternehmen, die erste Kontaktaufnahme mit Daniel Bosse folgte im Mai: „Da hat man uns mitgeteilt, dass man hier einen Netto bauen möchte. Es wurde aber gesagt, dass man eine gemeinsame Lösung finden wolle.“ Gut einen Monat später hörte sich das aber wieder anders an: „Da kamen die Verantwortlichen bei uns vorbei und haben die Kündigung auf den Tisch gelegt.“

Für Daniel Bosse und seine Familie ist das eine Katastrophe. „Es hängt so viel an diesem Haus, so viel Geschichte. Wir wollen hier nicht einfach weg“, sagt er. Eine passende Alternativlösung gab es aber auch nicht wirklich: „Als ich nach einer Lösung für uns gefragt habe, hieß es, wir könnten eine Wohnung über dem Netto beziehen, natürlich für ein Vielfaches unserer jetzigen Miete. Außerdem müssten wir uns für die Bauzeit von 18 Monaten etwas anderes suchen.“

Familie will zusammenbleiben

Dazu kommt, dass die Supermarkt-Verantwortlichen sich nicht für den tiefen Familienzusammenhalt interessieren. „Für uns ist klar, wir müssen als Familie zusammenbleiben“, stellt Jessika Bremer klar.

„Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Jessika Bremer verärgert. Das will sich die Familie nicht gefallen lassen. Mit einem Anwalt gehen sie jetzt gegen die Kündigung vor. „Natürlich können wir niemanden zwingen, uns hier wohnen zu lassen“, sagt Daniel Bosse. „Aber wir wollen uns nicht einfach so unterkriegen lassen.“

Der Stress geht an die Substanz

Der Kampf ums Zuhause geht an die Substanz. Sogar die neunjährige Tochter leidet bereits unter dem Stress, erzählt Jessika Bremer: „Sie weint und fragt, was passiert, wenn wir wirklich hier raus müssen. Was soll man ihr darauf sagen?“

Für die Familie ist es nicht das erste Mal, dass die Vermieter ihr Haus abreißen wollen. Schon der letzte Vermieter, Elektro Prange, wollte seit 2012 das Haus abreißen und die Fläche anders nutzen. Da konnten sich Daniel Bosse und seine Familie aber erfolgreich gegen wehren.

„Wir würden das Haus gerne kaufen“

Die beste Lösung für die Familie ist eigentlich eine einfache: „Wir würden das Haus gerne kaufen“, sagt Daniel Bosse. „Natürlich müsste man da einige Zeit und Mühe reinstecken. Aber wir wollen das ja auch und wären, wenn wir wissen, dass es nicht abgerissen wird, bereit, in das Haus zu investieren.“

Bei allem Unmut gegen die Pläne für das Gelände ist der Familie eins wichtig. „Wir wünschen uns auch einen Supermarkt. Den kann man hier definitiv gebrauchen.“ Und auch, wenn sie ihr Haus kaufen dürften, sehen sie die Netto-Pläne nicht in Gefahr: „Ein Netto kann auch dort entstehen, wo jetzt noch die große Lagerhalle steht. Der ist dann zwar nicht direkt an der Straße, aber genug Platz ist dort, um Netto, Pizzeria und unser Haus zu vereinen.“

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