Fanti Baum: Ein bewegtes Leben zwischen Theater und Kanu-Rennsport

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Als eine der Leiterinnen des „Favoriten Festivals“ zog Fanti Baum nach Dortmund und entdeckte die Leidenschaft für den Kanusport wieder. Jetzt folgten neun Goldmedaillen.

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, 11.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leistungssport auf internationalem Niveau und Theaterinszenierungen mit internationalem Anspruch – hier treffen zwei Welten aufeinander, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen. Doch bei Fanti Baum bestimmen diese beiden Welten ihr Leben und ihre Arbeitsstrukturen.

Zusammen mit ihrer Kollegin Olivia Ebert leitet Baum seit 2017 das traditionsreiche Dortmunder „Favoriten Festival“ für Theater, Tanz und Performance – und auch für die nächste Ausgabe des Festivals übernehmen die beiden die künstlerische Leitung.

Doch Baum, die zuvor in Frankfurt am Main lebte und arbeitete, entdeckte mit ihrem Umzug nach Dortmund die Leidenschaft ihres früheren Lebens wieder: das Kanufahren. Die gebürtige Berlinerin hat mit acht Jahren mit dem Kanusport begonnen und wechselte mit zwölf Jahren in das Leistungszentrum Berlin-Tegel.

Vom Kanusport zur Freien Theaterszene

„Meine Mutter brachte mich zum Kanusport, der im Gegensatz zum Rudern als Arbeitersport gilt“, sagt sie. Damals trainierte sie neben der Schule sechs Mal die Woche jeweils vier Stunden, während an Wochenenden Wettkämpfe über 200, 500, 1000 und 5000 Meter Strecken stattfanden.

So kam es, dass sie zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr zunächst jährliche Berliner Meisterin, später mehrfache Deutsche Meisterin und Vizemeisterin wurde und mit 17 Jahren in die Junioren-Nationalmannschaft berufen wurde.

Dann kam 2002 die vorerst letzte Regatta, eine 17-jährige Pause vom Leistungssport Kanufahren begann. Es folgte das Studium der Kulturwissenschaften in Magdeburg und danach der Dramaturgie in Frankfurt.

Die berufliche Leidenschaft für das Theater stand nun im Mittelpunkt und nach einem künstlerischen Stipendium in der Spielzeit 2007/2008 am Theater in Halle wurde sie für zwei Jahre Dramaturgin am „Theater an der Winkelwiese“ in Zürich. Von 2010 bis 2012 kuratierte Baum eine interdisziplinäre Ausstellung im Frankfurter Kunstverein.

Umzug nach Dortmund: ein wichtiger Schritt

Seither ist sie Teil der freien Theaterszene in Frankfurt – ob als Regisseurin, Performerin oder Dramaturgin. Ein wichtiger Schritt geschah 2016, als sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Olivia Ebert die Leitung des Festivals „Implantieren“ in Frankfurt übernahm. Denn dies war der Grundstein für ihre Bewerbung nach Dortmund.

Baum und Ebert bewarben sich für die Leitung des „Favoriten Festivals“ für Theater, Tanz und Performance und erhielten im März 2017 die Zusage. „Man sollte immer da wohnen, wo man auch arbeitet. Und ich wollte auch nicht mehr bei Freunden auf einem Sofa schlafen“, sagt Baum.

So folgte Mitte 2018 der Umzug nach Dortmund und Anfang 2019 bekamen die beiden erneut den Zuschlag für die Leitung des „Favoriten Festivals“. Fanti Baum kannte den Kanu-Standort am Hafen, nahm Kontakt mit dem Verein FS98 auf und begann 2019 wieder mit dem Kanu-Rennsport. „Der Verein war schnell ein weiterer Grund, warum ich mich in Dortmund so wohlfühle“, sagt sie.

Fanti Baum: Ein bewegtes Leben zwischen Theater und Kanu-Rennsport

Fanti Baum (vorne) im Zweier zusammen mit Susanne Pais bei den Europameisterschaften in Turin. © Pais

So stieg sie wieder intensiv ins Training ein und wurde auf Anhieb 2019 Westdeutsche Meisterin sowie mehrfache Deutsche Meisterin der Senioren, mit 37 Jahren. Die Liebe zum Kanusport war wieder aufgelebt und bei den Europameisterschaften im Juli 2019 in Turin erpaddelte sie neun Goldmedaillen – vier davon zusammen mit ihrer Zweierpartnerin Susanne Pais. „Hier treffen zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinander, inhaltlich und zeitlich.“

Die Vorbereitungen für das „Favoriten Festival“ vom 10. bis 20. September 2020 laufen an. So wird Fanti Baum bald wieder zu Wasser und vor allem auf der Bühne zu sehen sein.

Auf die Frage nach ihrem Lieblingsort in Dortmund gesteht sie: „Natürlich den Kanal und zum zweiten den ‚3-Bäume-Park‘ im Unionviertel. Da würde ich gerne namentlich Patin werden“, sagt Baum und lacht.

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