Fast 60 Anwohner versammeln sich gegen Umbau der Rüschebrinkstraße

hzBaumaßnahme in Scharnhorst

Eine neue Beschilderung sorgt für einen 1,5 Kilometer langen Umweg und für Unverständnis bei Anwohnern. Der Bezirksbürgermeister bezeichnete das als „Schildbürgerstreich“ – und rudert nun zurück.

Scharnhorst

, 19.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Annika Lanzinski sprach von „ein paar Nachbarn“. Am Ende waren es 50 bis 60 Personen, die sich bei einem Pressetermin an der Kreuzung Wambeler Heide/Rüschebrinkstraße in Scharnhorst versammelten, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Sie alle wohnen im Bereich der umliegenden Straßen und sind vom Umbau des Kreuzungsbereichs Sinterstraße/Rüschebrinkstraße betroffen. „Wir hätten ohne Probleme auch 1000 Anwohner zusammenbekommen“, sagt Roland Scheide, der in der Wambeler Heide wohnt.

Aber worum geht es den Anwohnern eigentlich? „Wir müssen für eine Strecke von 20 Metern einen Umweg von anderthalb Kilometern fahren, der mit Stau zwischen 20 und 30 Minuten dauern kann“, sagt Anwohnerin Bianca Große.

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Denn die Anwohner, die aus der Wambeler Heide, Am Hahnenholz und Wambeler Holz links auf die Rüschebrinkstraße abbiegen möchten, um den direkten Weg auf die Bundesstraße 236 zu nehmen, dürfen dies seit dem Umbau nicht mehr. Die beidseitige Durchfahrt ist nur noch Bussen und Fahrradfahrern erlaubt.

Das führt dazu, dass die Anwohner rechts auf die Rüschebrinkstraße abbiegen müssen und erst am anderen Ende der Straße links auf die Sinterstraße kommen können. Die Folge ist, dass sie eine Strecke doppelt fahren müssen.

Für die Arbeit „eine Stunde früher aufstehen“

Besonders morgens führe das hohe Verkehrsaufkommen von Autos und Lkw laut Anwohnerin Große zu einem Stau auf der Sinterstraße. „Deswegen muss ich fast eine Stunde früher aufstehen, um zur Arbeit zu kommen“, sagt sie. Außerdem führe der Umweg durch den höheren Spritverbrauch auch zu mehr Kosten.

Um dieses Schild geht es: Die Anwohner zeigen Zettel mit Unterschriften, die sie gegen die neue Beschilderung gesammelt haben. Seitdem müssen sie einen Umweg fahren.

Um dieses Schild geht es: Die Anwohner zeigen Zettel mit Unterschriften, die sie gegen die neue Beschilderung gesammelt haben. Seitdem müssen sie einen Umweg fahren. © Tobias Larisch

Laut Anwohner Sezgin Özdogan ginge aus einem Informationsschreiben von Dortmund Logistik nicht hervor, dass ihnen infolge der Baumaßnahme verboten werde, den direkten Weg auf die Sinterstraße zu nehmen. „Dort war bei der Rüschebrinkstraße von einer reinen Bus- und Anwohnerstraße die Rede“, sagt er.

Bezirksbürgermeister Heinz Pasterny bestätigt, dass er gegenüber einem Anwohner die Beschilderung als „Schildbürgerstreich“ bezeichnet habe. „Daraufhin habe ich mich aber intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt und herausgefunden, dass es sich um ein zweischneidiges Schwert handelt“, sagt er. Deswegen würde Pasterny sich von der Aussage distanzieren.

Seinen Erkenntnissen nach gebe es auch einen ähnlich großen Teil der Anwohner, die sich freuen, dass es in der Rüschebrinkstraße keinen Durchgangsverkehr mehr geben wird.

Dortmund Logistik: „Sind nur das ausführende Organ“

„Ich tendiere dazu, die Auswirkungen der Baumaßnahme erst eine gewisse Zeit abzuwarten und danach zu beurteilen“, sagt der Bezirksbürgermeister. Zu dem Entschluss sei er nach mehreren Gesprächen gekommen. Falls die Beschilderung wieder geändert werden sollte, müsste dafür ein Antrag an die Bezirksvertretung gestellt werden.

Darauf verwies auch Silke Seidel. „Wir sind nur das ausführende Organ eines Bauplans, den uns die Stadt Dortmund vorgelegt hat“, sagt die Geschäftsführerin von Dortmund Logistik. Das Unternehmen leitet die Baumaßnahme im Rahmen der neuen Verkehrsführung zu den Logistikstandorten auf der neuen Westfalenhütte.

Auch für die Beschilderung seien die Stadt Dortmund beziehungsweise das Tiefbauamt verantwortlich und sie hätten dabei keinen Entscheidungsspielraum, so Seidel.

Nur Bussen und Fahrradfahrern ist der direkte Weg auf die Sinterstraße erlaubt. Die Anwohner dürfen das kurze Teilstück nicht nutzen.

Nur Bussen und Fahrradfahrern ist der direkte Weg auf die Sinterstraße erlaubt. Die Anwohner dürfen das kurze Teilstück nicht nutzen. © Tobias Larisch

Eine für Anlieger unbeschränkte Durchfahrt würde wohl auch illegal von Autofahrern genutzt werden, die dort nicht wohnen. Daher könne sie sich vorstellen, dass die Stadt deswegen diesen rigorosen Schritt gegangen wäre.

Bei Dortmund Logistik hätte sich auch eine Anwohnerin gemeldet, die die Maßnahme befürworten würde. Der Anteil der negativen Rückmeldungen wäre aber deutlich größer. „Wir stehen dem völlig neutral gegenüber“, sagt Seidel.

Das Informationsschreiben an die Anwohner, das Özdogan kritisiert, sei „missverständlich formuliert“ gewesen, gibt Seidel zu. Bis zur Fertigstellung werde es noch vier bis sechs Wochen dauern.

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