Fast jeder vierte Dortmunder ist von Armut bedroht

hzGesellschaftliche Schieflage

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes droht fast jeder vierte Dortmunder, in Armut abzurutschen. Auch wer Arbeit hat, ist nicht gefeit. Die Gewerkschaft NGG warnt vor Erwerbsarmut.

Dortmund

, 24.09.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmund hat mit 23,9 Prozent die zweithöchste Armutsgefährdungsquote in Deutschland. Nur Duisburg verzeichnet mit 27,4 Prozent mehr. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Auch wer Arbeit hat, ist nicht vor dem Armutsrisiko gefeit. Ein großer Teil der 107.000 Menschen, die in Dortmund nur einen Teilzeit- oder Minijob haben, ist nach Einschätzung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) von sogenannter Erwerbsarmut bedroht.

Arm trotz Arbeit. „Insbesondere Frauen, die halbtags oder nur einzelne Tage in der Woche arbeiten, fehlt am Monatsende das nötige Geld. Für viele Familien in der Stadt ist ein Kinobesuch oder ein neuer Schulranzen längst zum Luxus geworden“, sagt Manfred Sträter von der NGG Dortmund mit Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Umgerechnet auf Haushalte ist im Regierungsbezirk Arnsberg fast jeder fünfte (19,3 Prozent) armutsgefährdet. Im Jahr 2005 waren es noch 14,9 Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat.

Gewerkschafter warnt vor Schieflage

Gewerkschafter Sträter warnt vor einer „Schieflage in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt“. Es könne nicht sein, dass sich Tausende nötige Dinge des Alltags nicht mehr leisten könnten. „Dafür haben aber auch die Arbeitgeber eine Mitverantwortung. Wer sich um Tarifverträge drückt und auf prekäre Jobs statt Vollzeitstellen setzt, der sorgt für magere Lohnzettel“, kritisiert der NGG-Geschäftsführer.

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Laut Angaben der Gewerkschaft kommt eine Teilzeitkraft, die 25 Wochenstunden in einer Bäckerei oder Fleischerei arbeitet, die nicht nach Tarif zahlt, auf einen Verdienst von durchschnittlich rund 1000 Euro brutto im Monat. Die Armutsgrenze für eine Familie mit zwei Kindern liegt nach amtlicher Definition bei aktuell 2.174 Euro netto pro Monat.

Auch Doppelverdiener haben zunehmend Schwierigkeiten

„Längst nicht nur Alleinerziehende, sondern zunehmend auch Doppelverdiener haben Schwierigkeiten, über diese Grenze zu kommen. Die Leidtragenden sind oft die Kinder“, so Sträter.

Nach einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands stehen den ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte lediglich 44 Euro monatlich pro Kind für Freizeit, Sport und Kultur zur Verfügung. Bei einer durchschnittlichen Familie sind es 123 Euro, bei den reichsten zehn Prozent 257 Euro.

Die NGG Dortmund ruft Betriebe in der Region auf, sich zu tariflichen Standards und vollwertigen Arbeitsplätzen zu bekennen. Nur so könne Armut „an der Wurzel gepackt“ werden. Aber auch die Politik sei viel stärker gefordert. Das neue Bildungs- und Teilhabegesetz reiche nicht aus, betont Sträter.

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