Der letzte verbliebene Demo-Teilnehmer am Sonntag auf der B1 in Dortmund. Muss er die Kosten für den Einsatz der Feuerwehr zahlen? © Oliver Schaper
Blockade der B1

Feuerwehr holt Umwelt-Demonstranten von der Leiter: Wer muss zahlen?

Spektakulärer Feuerwehr-Einsatz am Ende einer Demo auf der B1: Die Feuerwehr hatte anrücken müssen, um zwei Umwelt-Aktivisten von Leitern zu holen. Steht schon fest, wer den Einsatz zahlt?

„Wenn die Feuerwehr kommt und dich von der Leiter holt, musst du oder müssen deine Eltern das vielleicht bezahlen.“ Der Vertreter der Polizei-Hundertschaft stand unten am Ende der meterhohen Leiter und schaute nach oben.

Seit Stunden schon hatten zwischen 70 und 100 Demonstranten von Extinction Rebellion da die B1 blockiert. An der Kreuzung Voßkuhle hatten sie Punkt 12 Uhr mittags nicht nur zwei Bauzäune und viele Plakate aufgebaut, sondern auch zwei hohe Leitern.

Stundenlang auf der Leiter gesessen

Zwei junge Menschen kletterten hinauf und blieben dort sitzen – als unten die Stimmung immer lockerer wurde, als auf der Straße getanzt, gesungen und gespielt wurde. Als die Polizei über Stunden in größerer Stärke anrückte.

Als die Vertreter einer Hundertschaft irgendwann den Ring um die Demonstranten enger zogen. Und selbst noch als unten auch die letzten Demonstranten weggetragen waren. Dann kam die Feuerwehr mit dem Leiterwagen.

Drehleiter kostet pro Stunde 113 Euro

Zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann stiegen in den Korb, ließen sich langsam an die Leiter heranfahren, sicherten denjenigen der darauf saß, mit Seilen und Haken und hoben ihn herüber. Die Frage nun: Wer zahlt den Einsatz?

Die Summe könnte sich läppern: Laut Gebührenordnung der Stadt Dortmund kostet eine Stunde Drehleiter 113 Euro, zudem der Einsatz eines Feuerwehrmannes zwischen 46 und 92 Euro – je nach Ranghöhe. Manchmal schickt die Feuerwehr tatsächlich Rechnungen.

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Extinction Rebellion blockiert Verkehr auf B1

„Einzelfälle, über die man entscheiden muss“

Etwa, wenn jemand eine Ölspur hinterlässt, um die sich die Feuerwehr dann im Nachhinein kümmern muss. Bei Unfällen und Bränden sieht es hingegen anders aus. Das gehört zu den Verpflichtungen, um die sich die Feuerwehr im Dienste der Allgemeinhei kümmertt. In welche Kategorie gehört jetzt ein Einsatz im Auftrag der Polizei zur Beendigung einer illegalen Versammlung?

„Das sind immer Einzelfälle, über die man entscheiden muss“, erklärt ein Sprecher der Dortmunder Feuerwehr auf Anfrage. So sei es auch bei vergangenen Extinction-Rebellion-Aktionen gewesen – etwa als Aktivisten im September 2020 ein großes Gerüst auf der Wall-Kreuzung am Theater aufgebaut hatten. Auch das musste die Feuerwehr abbauen.

„Polizei sagt das, um uns einzuschüchtern“

Für die Aktion damals habe man allerdings nie eine Rechnung bekommen, heißt es aus Reihen von Extinction Rebellion. „Normalerweise sagt die Polizei auch so etwas, um uns einzuschüchtern.“ Und falls dennoch eine hohe Rechnung komme?

„Wir sind eine Gemeinschaft“, versichert man. Dass man in solchen Fällen zusammenlege und nicht dem einzelnen die hohe Rechnung überlasse, verstehe sich von selbst.

Und wenn die Rechnung die eigenen Mittel übersteigen würde, gebe es immer noch die Möglichkeit, über Crowdfunding Geld im Internet zu sammeln. Es gebe viele Menschen, die zwar nicht aktiv bei Aktionen mitmachen könnten, aber doch zu anderer Unterstützung bereit seien, um vor den Folgen des Klimawandels zu warnen, so ein Aktivist. Das gehe auch mit Geld.

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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