Feuerwehr will Zugriff auf die Handys der Dortmunder Bürger

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Viele technische Möglichkeiten kann die Dortmunder Feuerwehr aktuell nicht nutzen. Ihr Chef fordert von der Politik mehr Geld und Möglichkeiten: „Daten sind so wichtig wie Löschwasser.“

Dortmund

, 05.12.2019, 05:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine einsame Straße im Dortmunder Vorort, wenig befahren, im Winter ab 17 Uhr stockdunkel. Wer hier einen schweren Verkehrsunfall bemerkt, ist häufig aufgeschmissen, wenn es darum geht, beim Notruf seine genaue Position mitzuteilen.

„Das Handy weiß aber, wo es sich befindet“, sagt Dortmunds Feuerwehr-Chef Dirk Aschenbrenner: „Die Leitstelle müsste nur eine Chance haben, darauf zuzugreifen.“ Er wünscht sich deutlich mehr Digitalisierung bei Feuerwehr und Rettungsdienst - und fordert Gelder von der Politik.

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Es gebe zwar bereits Apps fürs Smartphone, mit denen ein Anrufer der Leitstelle den Zugriff auf seinen Standort erlauben kann. Außerdem könne derjenige seine Handykamera freigeben, um den Fachleuten direkt die Unfallstelle zu zeigen. Doch die Dortmunder Feuerwehr kann diese Dienste bislang nicht nutzen. Es fehlt an technischer Ausstattung und digitaler Infrastruktur.

Ein anderes Werkzeug ist aber bereits im Einsatz und zeigt, wie moderne Technologie Rettungskräfte bei Verkehrsunfällen unterstützen kann. In einem Tablet-Computer können die Ersthelfer das Kennzeichen eines verunfallten Autos eingeben und sehen technische Daten des Fahrzeugs.

„Immer schwieriger, adäquat Rettungen durchzuführen“

Für die Feuerwehr ist zum Beispiel wichtig, ob es sich um einen Elektro- oder einen Verbrennungsmotor handelt. „Wo darf ich schneiden, wo lieber nicht?“, erklärt Aschenbrenner die Rettung eines eingeklemmten Insassen: Schneidet ein Feuerwehrmann in ein Kabel, das unter Strom steht, kann das für ihn selbst sehr gefährlich sein.

„Für uns wird es immer schwieriger, adäquat Rettungen durchzuführen“, sagt der Feuerwehr-Chef. „Weil die Fahrzeuge immer sicherer werden, ist es für uns auch schwieriger, das sichere Fahrzeug aufzubrechen.“ Die Daten aus dem Tablet vereinfachen die Arbeit sehr.

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Doch bislang sind sie nur per Funk aus der Leitstelle zu erfragen. Nur die Spezialeinheit Bergung hat so ein Gerät im Einsatz dabei. „Der nächste Schritt wäre, dass jeder Ausrückebereich eins bekommt.“

Aschenbrenner erinnert sich an einen Großbrand in der Bochumer Uni-Klinik Bergmannsheil vor drei Jahren. „Bei so einem komplexen Krankenhaus braucht man Pläne.“ Die gebe es aber aktuell nur in Papierform: „Das heißt, man läuft erst an der Einsatzstelle rum und versucht, die Pläne zu bekommen.“ Und verliert wertvolle Zeit.

Schlauchleitung von Flensburg bis Freiburg - aber kein Datentransport

Traditionell habe der Fokus im Rettungswesen immer sehr auf der mechanischen Ausstattung gelegen. Dirk Aschenbrenner sagt: „Wir können heute von Flensburg bis Freiburg eine Schlauchleitung kuppeln. Wir schaffen’s aber nicht, einen Datensatz von Bochum nach Dortmund zu transportieren. Dabei sind die Daten genauso wichtig wie das Löschwasser.“

Es geht bei der Rettung eines Menschenlebens um Minuten, manchmal um Sekunden. „Wenn ich mit unseren Forderungen zum Kämmerer gehe, ist die Frage: ‚Braucht ihr das denn wirklich?‘“, sagt Aschenbrenner.

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Natürlich sei es immer wichtig, nur sinnvolle Investitionen zu tätigen - doch das Thema Digitalisierung sei bei den Lebensrettern ihrem Chef zufolge „sehr weit abgeschlagen“.

Ihm gehe es jetzt darum mit Blick auf die Kommunalwahl im Herbst 2020 Werbung bei der Politik zu betreiben: „Wir brauchen die Technologien, die unsere Einsätze zielgerichtet und schneller machen.“

Die SPD-Ratsfraktion hat den Ball aufgenommen und in ihren Anträgen zum Doppelhaushalt 2020/2021 den Wunsch der Feuerwehr berücksichtigt. Sie will die Verwaltung beauftragen, bei Feuerwehr und Rettungsdienst das Projekt „Digitalisierung der Gefahrenabwehr“ zu starten, wenn auch zunächst befristet auf fünf Jahre. Für 2020 und 2021 sollen dafür insgesamt 240.000 Euro bereitgestellt werden.

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