Schmierereien nehmen überhand – Politik und Einzelhandel wollen etwas unternehmen

hzKaiserstraße

Die Werbegemeinschaft will die Kaiserstraße schöner machen. Dabei erhält sie Unterstützung von der Politik. Die hat eine Idee entwickelt, gegen Farbschmierereien im Viertel vorzugehen.

Kaiserstraßenviertel

, 02.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kaiserstraßenviertel lauern sie an jeder Ecke: Farbschmierereien und schwarze Tags verunzieren Hauswände und öffentliche Kunstwerke, Stromkästen und Lieferfahrzeuge.

Schmierereien nehmen überhand – Politik und Einzelhandel wollen etwas unternehmen

In der Kaiserstraße sind viele Fassaden beschmiert. © Susanne Riese

Solche unerwünschten Graffiti, aufgesprühte Zeichen und Buchstaben tragen dazu bei, dass sich Menschen in ihrem Viertel unwohl oder sogar unsicher fühlen, sagt die Fraktion FDP/KE aus der Innenstadt-Ost. Vorsitzender Tobias Klein-Endebrock und Stellvertreter Werner Hoefer gehen das Thema deshalb jetzt gezielt an. Die Bezirksvertreter wollen einen Fonds für die Beseitigung der Schmierereien einrichten.

Platz 3 bei den Störfaktoren

Klein-Endebrock hat über Regionalanalysen herausgefunden, dass nur rüpelhafte Autofahrer sowie verschmutzte Wege und Plätze die Bewohner eines Viertels noch stärker stören als Graffiti – die Kunstform ausdrücklich ausgenommen.

Die Kriminalstatistik kommt auf einige Hundert angezeigte Fälle pro Jahr, die tatsächliche Zahl liegt laut Dortmunder Graffiti-Verein rund zehn Mal so hoch, hat Klein-Endebrock recherchiert.

Schmierereien nehmen überhand – Politik und Einzelhandel wollen etwas unternehmen

An vielen Gebäuden sind Zeichen und Schriftzüge zu sehen. © Susanne Riese

Vielfach dauert es Jahre, bis Hauseigentümer etwas gegen die Verunstaltungen unternehmen. Manche haben es längst aufgegeben, anderen fehlt das Geld. Der Fonds für die Beseitigung der Schmierereien soll Eigentümern ermöglichen, schnell zu reagieren, auch wenn keine Versicherung dafür eintritt. Im Gegenzug sollen sie sich verpflichten, Anzeige zu erstatten. Idealerweise könnte nach der Säuberung ein Spezialanstrich helfen, erneute Verschmutzungen leichter zu entfernen. „Wir denken da auch an die Broken-Windows-Theorie“, sagt Klein-Endebrock. Sie besagt, dass dort, wo schon eine Scheibe eingeschlagen ist, schnell weitere zerstört werden und so ein ganzes Viertel kippen kann. „Mit den Graffiti ist es ähnlich.“ Im Endeffekt gehe es darum, das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken.

Prioritätenliste für Einsatzgebiete

Laut Antrag der FDP/KE-Fraktion soll der Fonds mit Haushaltsmitteln in Höhe von 50.000 Euro bestückt werden. Die Verwaltung soll bis Ende Juni nächsten Jahres in Kooperation mit der Bezirksvertretung eine Prioritätenliste zu den Haupt-Einsatzgebieten im Stadtbezirks aufstellen.

Nicole Laubert, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Kaiserstraße, findet den Vorschlag gut. „Wir haben das Thema etwas unterschätzt.“ Mit der Zeit werde man als Anlieger blind für die Verunstaltungen, meint die Mitinhaberin von Vino Vin.

Die Idee hat Klein-Endebrock bereits 2012 als Vorsitzender des Ortsvereins Dortmund-Ost aufgebracht, damals aber nicht durchsetzen können. Ob der Vorschlag umgesetzt werden kann, muss während der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung abgestimmt werden.

Lesen Sie jetzt