Forscher an der Schwelle von Chemie zu Gift

DORTMUND Ein neuer Gift-Experte führt am Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund (IfADo) die Toxikologie an. Prof. Jan G. Hengstler erforscht schwerpunktmäßig die Entwicklung von Krebszellen im Zusammenhang mit Schadstoffen.

von Von Susanne Riese

, 03.01.2008, 16:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Forscher an der Schwelle von Chemie zu Gift

Prof. Jan G. Hengstler leitet die Projektgruppe Molekulare Toxikologie am IfADo.

Wie wirken die so genannten Onko- oder Krebsgene? Und wie lassen sie sich gezielt abschalten? Der Forschungsgegenstand von Prof. Jan G. Hengstler ist winzig, doch es geht um eine große Sache. Seine Projektgruppe beschäftigt sich mit den Mechanismen, die bei der Entstehung und Wachstumsregulierung von Krebszellen eine Rolle spielen. Besonders interessieren den ehemaligen kommissarischen Leiter der Rechtsmedizin an der Uni Leipzig die Wirkung von Schadstoffen auf die Abläufe in Zellen.

Seit März 2007 schwingt der Professor für Toxikologie und Pharmakologie am IfADo Reagenzglas und Pipette. Zu seiner rund 30-köpfigen Projektgruppe „Molekulare Toxikologie“ gehören auch sieben ehemalige Wissenschaftler, mit denen Hengstler an der Universität Leipzig zusammenarbeitete. Dort leitete der 42-Jährige kommissarisch das Instituts für Rechtsmedizin und die Forensische Toxikologie.

Hexe von Leipzig

Hengstlers bekanntester Fall dort stand im Zusammenhang mit der „Hexe von Leipzig“, an deren Seite in nur wenige Jahren vier Ehemänner aus ungeklärten Gründen den Tod fanden. Ihre Leichen wurden exhumiert und von Hengstler und seinem Team untersucht. Das Ergebnis fiel weit weniger spektakulär aus, als die Geschichte vermuten lässt: Gift jedenfalls ließ sich bei keinem der Verstorbenen nachweisen.

Leberzellen im Reagenzglas

Am IfADo hat es der approbierte Arzt und Wissenschaftler nur noch mit toten Mäusen oder Ratten zu tun, und auch das nur selten. „In der Regel arbeiten wir mit Zellkulturen – Leberzellen oder Harnblasenzellen“, so Hengstler. „Die kann man fertig kaufen.“ Die Methode, Chemikalien in vitro, also im Reagenzglas, an Leberzellen auf ihre Wirkung zu testen, wurde maßgeblich von der IfADo-Toxikologie entwickelt.

Neue Verordnung

Das Augenmerk der Forscher gilt vor allem giftigen Substanzen am Arbeitsplatz. „Nach dem 2007 in Kraft getretenen REACH-Verordnung müssen rund 30 000 chemische Substanzen bewertet werden“, erklärt Hengstler. Verbraucher sollen so vor gefährlichen, krebserregenden Stoffen geschützt werden, Aflatoxinen auf Nüssen beispielsweise oder Chemikalien in Lacken und Lösungsmitteln. Das IfADo betreibt hierzu Grundlagenforschung und entwickelt Techniken, mit deren Hilfe Wissenschaftler verdächtige Stoffe schneller und besser beurteilen können. „Wir suchen Methoden, die Klassifizierungen zu beschleunigen“.

Lesen Sie jetzt