Frau mit 70 Messerstichen getötet: 24-Jähriger angeklagt – aber nicht wegen Mordes

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Im Falle des brutalen Messerangriffs in Lütgendortmund, bei dem im Juli eine 21-jährige Afghanin getötet wurde, liegt nun eine Anklage vor. Doch sie lautet nicht auf Mord.

Dortmund

, 21.10.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 24-jähriger Afghane aus Zwickau soll Ende Juli eine 21-jährige Afghanin in Lütgendortmund mit 70 Messerstichen getötet haben. Die Leiche der jungen Frau wurde in einem Garagenhof gefunden. Die Tat war brutal, dennoch lautet die Anklage jetzt nicht auf Mord.

Der 24-Jährige wird nun wegen Totschlags angeklagt, da die Staatsanwaltschaft keines der Mordmerkmale erfüllt sieht.

Kinder waren während der Tat in der Wohnung

Das Tötungsdelikt spielte sich am 28. Juli in Lütgendortmund ab. Tatort war eine Wohnung in einem leer stehenden Mehrfamlilienhaus an der Westricher Straße. Das 21-jährige Opfer hatte dort zum Zeitpunkt der Tat auf die zwei Kinder einer Bekannten aufgepasst. Diese waren laut Staatsanwalt Felix Giesenregen auch während der Tat in der Wohnung, mussten diese aber wohl nicht mit ansehen.

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Die Motive der Tat sind noch unklar. Sicher ist, dass zwischen dem 24-Jährigen und der 21-Jährigen in Afghanistan eine Ehe geschlossen worden war. Ob diese nach deutschem Recht gültig war, ist unklar. Ein Nachbar hatte nach der Tat angegeben, er wisse, dass der Angeschuldigte und die junge Frau sich getrennt hatten.

Festgenommen wurde der 24-Jährige unter dringendem Tatverdacht. Er habe die Tat gegenüber den Beamten in Zwickau gestanden und konnte auch Angaben machen, die zu der versteckten Leiche führten, so Giesenregen. Zur Zeit sitzt der Angeschuldigte in Untersuchungshaft.

Warum kein Mord?

Trotz der Brutalität der Tat sieht die Staatsanwaltschaft keines der Mordmerkmale erfüllt. Insbesondere das Merkmal der Grausamkeit war nach der Tat diskutiert worden.

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Um das Mordmerkmal der Grausamkeit zu erfüllen, muss der Täter dem Opfer besondere Qualen zugefügt haben, die über das Töten hinaus gehen. Dazu gibt Staatsanwalt Felix Giesenregen an, es sei nach weiteren Untersuchungen nicht auszuschließen, dass die 21-Jährige schnell ohnmächtig war und daher keine weiteren Qualen über das Töten hinaus erleiden musste. Zudem sei davon auszugehen, dass der Täter dies mitbekommen habe. Er könnte also auch nicht fälschlich davon ausgegangen sein, dem Opfer weitere Schmerzen zuzufügen.

Mord wird stets mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. Auf Totschlag stehen regelmäßig 5 bis 15 Jahre – also das Höchstmaß der zeitigen Freiheitsstrafe. Nur in besonders schweren Fällen können auch Totschläger mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft werden.

Hauptverfahren absehbar

Wann genau das Hauptverfahren am Dortmunder Schwurgericht – also die Verhandlung vor Gericht – eröffnet wird, ist noch nicht klar. Es ist aber davon auszugehen, dass dies bis spätestens Ende Januar 2020 geschieht, da dann die regelmäßige Höchstdauer der Untersuchungshaft erreicht würde und der Angeschuldigte möglicherweise entlassen werden müsste. Während des Hauptverfahrens ruht diese Frist jedoch. Der Angeschuldigte selbst hat sich bisher nicht weiter geäußert.

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