Lebensmittel zum Null-Tarif: „KostBar“ in Dortmund hat 24 Stunden geöffnet

hzFoodsharing-Aktion

Millionen Tonnen Lebensmittel wandern auf den Müll. Zu schade und zu wertvoll – sagen vier Frauen aus Nette. Sie initiierten die „KostBar“. Und jeder kann sich bedienen.

Nette

, 11.11.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nette hat einen neuen, im wörtlichen Sinn kostbaren Platz: die „KostBar“ – 24 Stunden geöffnet, in zentraler Lage an der Haberlandstraße, Lebensmittel zum Null-Tarif. Die „KostBar“ ist ein Fair-Teiler. Es handelt sich um einen Fahrradanhänger, vier Frauen aus dem Viertel haben ihn aufgestellt.

Der Fahrradanhänger steht noch keine Woche auf dem Grünstreifen nahe der Bushaltestelle Dörwerstraße – schon ist der kleine „Selbstbedienungsladen“ in aller Munde. Heike Hernandez wies in einer Mengeder Facebook-Gruppe darauf hin und bekam durchweg positive Rückmeldungen. „Wir sind froh, dass das so gut angelaufen ist“, sagt sie.

Es ist ein Geben und Nehmen: Hinter der Idee des Fair-Teilers steckt die Foodsharing-Bewegung. „Sie setzt sich dafür ein, dass genießbare Lebensmittel nicht vernichtet werden“, erklärt Hernandez. Menschen verschenken stattdessen Lebensmittel: von privat an privat. Jeder kann mitmachen, sich etwas herausnehmen oder etwas hineinlegen.

Verderbliche Waren sind tabu

Dabei gibt es ein paar Einschränkungen: Kühlware wie Fleisch oder Wurst, Molkereiprodukte sind tabu. Ebenso Alkohol. „Alles, worauf ‚zu verzehren bis‘ steht, darf nicht hinein“, sagt Ivonne Lagoda. Sie ist seit einem Jahr Foodsharerin und inspirierte ihre Freundinnen von dem Gedanken.

In den Ebay-Kleinanzeigen fanden die Vier den Anhänger – und bekamen ihn geschenkt. Silke Yildiz, Inhaberin der „Blumenhexe“, stellte ihnen den PLatz auf dem Grünstreifen vor dem Laden zur Verfügung.

Lebensmittel zum Null-Tarif: „KostBar“ in Dortmund hat 24 Stunden geöffnet

Das frische Gemüse war schnell vergriffen. © Sabine Neuhaus

Auf der kleinen Ladefläche des Anhängers stehen Körbe und Schalen. Beim Termin mit dieser Redaktion sind gerade Frühlingszwiebeln, Schlangengurken und ein Glas Marmelade in der Auslage. Tomaten, Fenchel, Paprika, Petersilie und einiges mehr legten die vier Frauen Anfang der Woche hinein. Flugs fand das Gemüse einen Abnehmer.

Die Freundinnen engagieren sich ehrenamtlich und unentgeldlich. „Wir sind Aktivistinnen“, sagt Sabine Neuhaus. „Unser Ziel wäre es, dass keine Lebensmittel mehr weggeschmissen werden.“ Deswegen sind die Netterinnen nicht nur Food-Sharer (die also teilen), sondern auch Food-Saver (die Lebensmittel schützen) – und damit Teil einer internationalen Bewegung.

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Von privat an privat: Aktivistinnen verschenken Lebensmittel

Im deutschsprachigen Raum kooperiert die Bewegung mit mehr als 4500 Betrieben: Supermärkte, Bäckereien, Kantinen etwa. Auch die Betreiberinnen der „KostBar“ bekommen von solchen Betrieben Lebensmittel geschenkt: Nahrungsmittel, die nicht verbraucht wurden, die aus dem Sortiment gehen oder deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abläuft. An Nachbarn, Freunde und jetzt auch an die „KostBar“ verschenken sie sie weiter.

„Das MHD sagt noch gar nichts“, betont Ivonne Lagoda. „Viele Lebensmittel können weit darüber hinaus verzehrt werden.“ – Der kleine Unterschied zum Hinweis „zu verzehren bis“ auf den Packungen, etwa bei Eiern oder Fleischproduktuen.

Lebensmittel zum Null-Tarif: „KostBar“ in Dortmund hat 24 Stunden geöffnet

Lebensmittel sind zu kostbar, um sie wegzuwerfen, meinen die Initiatorinnen der "KostBar". © Sabine Neuhaus

Den Standort wählten die vier Frauen, zu denen auch Bianca Wiegreve gehört, bewusst aus: zentral gelegen, beleuchtet, gut frequentiert. Zudem in der Nachbarschaft. Schnell können sie schauen, ob alles in Ordnung ist. Schon in den ersten Tagen haben Unbekannte bereits das eine oder andere Lebensmittel in der „KostBar“ hinterlassen. Alles findet einen Abnehmer.

Netter Frauen freuen sich über Nachahmer

Und das sollen auch, aber nicht nur Menschen in sozialer Notlage sein. „Jeder kann etwas mitnehmen“, sagt Sabine Neuhaus. Expandieren wird die „KostBar“ nicht. Bei dem einen Standort soll es bleiben. „Wir würden uns aber freuen, wenn andere Menschen in Mengede auch einen Fair-Teiler organisieren“, sagt Neuhaus. Dafür könne man sich auf der Internetseite von Foodsharing anmelden und weiter informieren.

„Wir haben so viel Spaß bei der Sache“, erzählt Sabine Neuhaus. Die vier Aktivistinnen sind gespannt, wie ihr Projekt weitergeht. „In erster Linie sind wir aber Freundinnen“, sagt Heike Hernandez. Und lacht.

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