Fridays-for-Future in Dortmund fordert Siemens zum Kohleprojekt-Ausstieg auf

hzProtest gegen Siemens

Deutschlandweit protestiert die Organisation gegen die Beteiligung von Siemens am Bau einer Kohlemine in Australien. Auch in Dortmund wollen die Demonstranten, dass Siemens ein Signal setzt.

von Jana Niehoff

Dortmund

, 10.01.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 8 Uhr am Freitag (10.1.) hat eine Gruppe von rund 15 „Fridays-for-Future"-Demonstranten vor dem Dortmunder Siemens-Gebäude eine Mahnwache abgehalten. Ihr Ziel: Die Beteiligung des deutschen Konzerns an dem umstrittenen Bau der „Carmichael-Kohlemine" des indischen Adani-Konzerns in Australien soll verhindert werden.

Deutschlandweit protestiert die Organisation an diesem Tag in mehr als 30 Städten vor den jeweiligen Siemens-Standorten.

Mit dem Steinkohlebergwerk Carmichael baut der Adani-Konzern in Australien eines der weltweit größten Kohlebergwerke. Die in Australien geförderte Kohle soll über den Seeweg nach Indien verschifft und dort zur Stromversorgung genutzt werden.

Siemens soll neue Signaltechnik für Eisenbahnnetz liefern

Geplant ist, die Kohle nach ihrem Abbau zunächst mit dem Zug zum Hafen in Queensland zu transportieren. Damit das gelingen kann, muss ein Teil der Eisenbahnschienen neu ausgebaut werden. Für diesen soll Siemens die Signaltechnik liefern.

Fridays-for-Future in Dortmund fordert Siemens zum Kohleprojekt-Ausstieg auf

Proteste gegen das Vorhaben der Siemens-AG wurden am Freitag (10. Januar) laut. Auch in Dortmund gab es eine Demonstration. © Knut Vahlensieck (Archiv)

„Siemens hat sich als Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden", sagt die Mitorganisatorin der Protestaktion in Dortmund, Merle Bösing. „Den Bau eines der weltweit größten Kohlebergwerke zu unterstützen ist daher sehr widersprüchlich.“

Auf seiner Website informiert Siemens über das „Siemens-Strategieprogramm Vision2020+", welches die Ziele der UN-Agenda 2030 verfolgt. Diese visiert unter anderem den Zugang zu bezahlbarer, erneuerbarer Energie und umgehende Maßnahmen zum Klimaschutz an.

„Wir fordern den sofortigen Rückzug aus dem Projekt", erklärt Bösing das Hauptziel der Mahnwache. In den nächsten Tagen soll sich entscheiden, ob Siemens den Auftrag annehmen wird. „Jetzt kann der Konzern ein starkes Signal senden und seinem angestrebten Image gerecht werden", ergänzt Dominik Lange, Mitglied bei „Campus-for-Future".

Schiffsverkehr könnte Great Barrier Reef beschädigen

Neben der Kohleförderung an sich stellt die Verschiffung der Kohle ein weiteres Problem dar, denn der betreffende Hafen liegt direkt am Great Barrier Reef. Durch den anfallenden Schiffsverkehr könnte das Korallenriff stark beschädigt werden. „Auch hier zeigt sich, wie umweltschädlich das Vorhaben der Konzerne ist", sagt Bösing.

„In Australien wüten momentan verheerende Waldbrände", erinnert die 17-Jährige. Das mache eine Beteiligung an einem Projekt wie der „Carmichael-Kohlemine" noch weniger vertretbar.

Siemens-Chef bietet Aktivistin Sitz im Aufsichtsgremium an

Auf Anfragen von „Fridays-for-Future" Dortmund an den Siemens Standort in Dortmund reagierte der Konzern nicht. „Wir haben versucht, auf die Verantwortlichen zuzugehen, aber keine Rückmeldung erhalten“, berichtet Bösing. Wichtig sei es aber zu betonen, dass sich der Protest nicht gegen die Mitarbeiter des Konzerns richte, sondern gegen das Projekt.

Unterdessen hat es aber eine Reaktion von Siemens Deutschland gegeben: Siemens-Chef Joe Kaeser hat Luisa Neubauer, der deutschen Fridays-for-Future-Sprecherin, „einen Sitz im Berater/Aufsichtsgremium der kommenden Siemens Energy AG angeboten“, teilt Pressesprecher Lars Kläschen mit.

„Ein Sustainability Board [Nachhaltigkeitsrat, Anm. der Red.] mit Veto-Recht wird künftig alle derartigen Aufträge, wie den von Adani, überprüfen“, erklärt Kläschen weiter. Der Pressesprecher bittet um Verständnis, „dass wir das Projekt in Australien aus Dortmunder Perspektive bzw. als regionale Vertriebs- und Serviceorganisation in Deutschland nicht weiter kommentieren können“.

Eine Entscheidung zum Adani-Thema werde es bis Montag geben.

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