Friedenssymbol brannte völlig nieder - politisch motivierte Tat?

hzBrandstiftung in Dortmund

Der Schreck sitzt tief im Dortmunder Süden. Ein von Jugendlichen aufgestelltes Friedenssymbol aus Stroh wurde von Brandstiftern abgefackelt. Und es hätte noch viel schlimmer kommen können.

Schüren

, 10.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Brandgeruch liegt immer noch in der Luft an der Evangelischen Kirche an der Gevelsbergstraße. Vor dem Gemeindehaus sind die Reste einer Aktion von Jugendlichen aus der Gemeinde zu sehen. Verbranntes Stroh, dazwischen verkohlte Holzreste und zerschmolzene Spanngurte.

Die Flammen steigen in den Nachthimmel.

Die Flammen steigen in den Nachthimmel. © Privat

Und das alles nur knapp drei Meter entfernt vom Gemeindehaus - hier hätte es zu einem noch größeren Unglück kommen können. Was war passiert? Jugendliche aus der Evangelischen Gemeinde wollten ein Zeichen für den Frieden setzten.

Eine Strohpuppe gegen rechte Gesinnung

Mit „Fried-olin“, einem selbstgebauten, rund vier Meter hohen Strohmännchen. „Sie wollten mit ihrer Plakat-Aktion nur zum Ausdruck bringen, dass Werte wie Toleranz, Freundlichkeit, Offenheit und Respekt in der aktuellen Zeit von Corona-Leugnern und aufploppenden rechtsorientierten Gesinnungen nicht in Vergessenheit geraten dürfen“, sagt Jugendpresbyterin Katrin Burghardt.

So sah „Fried-olin“, das Friedenssymbol, vor der Brandstiftung aus.

So sah „Fried-olin“, das Friedenssymbol, vor der Brandstiftung aus. © Evangelische Gemeinde

Am Donnerstag (3.9.) wurde die Strohpuppe vor dem Evangelischen Gemeindehaus aufgestellt. Gemeinsam mit zahlreichen Plakaten, die für ein friedliches Miteinander in der Welt werben.

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Lediglich vier Tage stand das Schürener Friedenssymbol an der Gevelsbergstraße, dann steckten es unbekannte Täter in Brand. Am späten Montagabend (7.9.) standen die Strohballen in hellen Flammen. Feuerwehr und Polizei waren schnell vor Ort und konnten Schlimmeres verhindern.

Kirche nur wenige Meter vom Brandherd entfernt

Denn nur wenige Meter vom Brandherd entfernt steht die Evangelische Kirche in Neu-Schüren. „Wenn der oder die Täter die Strohballen noch dahin gerollt hätten, wäre womöglich noch viel mehr passiert“, sagt Pfarrer Wolfgang Sommer.

Ob es sich bei der Tat um einen Anschlag aus dem rechten Lager gehandelt habe, darüber will der Pfarrer keine Vermutungen anstellen. „Es hat in der Nacht in Schüren noch an einer anderen Stelle eine Mülltonne gebrannt“, so Sommer.

Mit Plakaten gegen Intoleranz

Mit Plakaten gegen Intoleranz © Jörg Bauerfeld

Ganz auszuschließen ist eine politisch motivierte Tat jedoch nicht. „Wir verstehen nicht, wie unsere friedliche Plakat-Aktion, die ja klar für Frieden wirbt, so eine Konsequenz nach sich zieht“, sagt Katrin Burghardt.

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Zum Glück hatte es in der Nacht noch heftig geregnet, sodass das Stroh nicht ganz so einfach brannte. Dass die Strohreste auch am Donnerstag noch vor der Kirche lagen, hat im Übrigen folgenden Grund: Sie dienen der Spurensicherung durch die Polizei.

Jugendliche lassen sich nicht unterkriegen

Die Jugendlichen aus der Evangelischen Gemeinde in Schüren wollen sich aber durch den Vorfall nicht unterkriegen lassen. Große Transparente stehen wieder an der Gevelsbergstraße. Botschaften wie „intolerant gegenüber Intoleranz“ stehen drauf. „Wir haben sogar überlegt, noch eine weitere Strohpuppe zu bauen, aber die Sache scheint uns zu gefährlich“, sagt Pfarrer Sommer.

Also wird es jetzt eine Art Gedenkstätte an der Stelle des verbrannten „Fried-olin“ geben. So trafen sich Mitglieder der Evangelischen Jugend am Donnerstag (10.9.) noch einmal an der Neu-Schürener Kirche, um weiter ein Zeichen für den Frieden zu setzen.

„Dort wo ‚Fried-olin‘ stand, kommt ein Banner mit neuem Slogan und laminierten Erinnerungsfotos von dem bunt gestalteten Stohmännchen hin“, sagt Jugendpresbyterin Katrin Burghardt.

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