Große Bäume auf Grabstätten verstoßen in Brackel gegen die Friedhofsordnung

hzFriedhof in Brackel

Sollen auf dem Evangelischen Friedhof in Brackel alle Bäume und Sträucher auf Grabstätten auf eine Höhe von 1,50 Meter gestutzt werden? Charlotte und Holger Zweig sagen: „Nein!“

Brackel

, 03.01.2020, 16:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Charlotte und Holger Zweig (70 und 72 Jahre alt) haben eine Grabstätte auf dem Evangelischen Friedhof Brackel, die die Familie schon seit 1956 betreibt. Ende November bekamen sie Post vom Evangelischen Kirchenkreis Dortmund.

In dem Schreiben heißt es: „Nach den rechtlichen Bestimmungen dürfen die auf der Grabstätte gepflanzten Gehölze und Stauden in der Höhe im ausgewachsenen Zustand 1,50 Meter und in der Breite die Grabstättenbegrenzung nicht überschreiten.“

Bei einer Friedhofsbegehung sei festgestellt worden, dass die Bepflanzung auf der Grabstätte der Zweigs diese Maße überschreite. Innerhalb von sechs Wochen solle der Bewuchs daher zurückgeschnitten werden.

Große Bäume auf Grabstätten verstoßen in Brackel gegen die Friedhofsordnung

Einige Grabstättenbesitzer haben den Wunsch des Kirchenkreises nach Rückschnitt bereits umgesetzt. © Charlotte Zweig

„Bestimmungen sind zu pauschal“

Die Zweigs weigern sich keinesfalls, das in die Tat umzusetzen. Allerdings verstehen sie die Bestimmungen in ihrer Pauschalität nicht: „Gerade die hohen Bäume, die zum Teil auch auf den Grabstätten wachsen, machen doch den Charakter des Friedhofes aus“, sagt Charlotte Zweig.

Sie verstehe, dass ein Strauch oder eine andere Pflanze nicht auf das Nachbargrab hinüberwuchern dürfe, denn dort könne so etwas stören – so wie im Fall des Grabstättenbesitzers Frank Preuss.

Der hatte sich im September 2019 darüber beklagt, dass das Wurzelwerk eines Gehölzes auf dem Nachbargrundstück bereits den Stein auf seiner Grabstätte verschoben hatte. Doch die Beschränkung auf eine Höhe von 1,50 Metern sei nicht einzusehen.

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Der Evangelische Kirchenkreis, der die Pflege der Anlage kürzlich von der Evangelischen Kirchengemeinde Brackel übernommen hat, bleibt bei seiner Ansicht. In einem erneuten Scheiben an die Zweigs heißt es: „Mit der Übernahme des Nutzungsrechtes an einer Grabstätte ist die Verpflichtung verbunden, diese Grabstätte in einer dem Herkommen, der allgemeinen Pietätsauffassung und dem Friedhofszweck entsprechenden Weise zu gestalten und zu erhalten, sodass die Grabstätte einen würdigen Anblick bietet.“

Das Recht auf individuelle Grabgestaltung unterliege denjenigen Beschränkungen, die sich aus dem Gemeinschaftscharakter des Friedhofes ergeben. Grabstätten seien daher in zweckvoller Weise und ohne Beeinträchtigung der öffentlichen Anlagen und Wege gärtnerisch zu gestalten.

Große Bäume auf Grabstätten verstoßen in Brackel gegen die Friedhofsordnung

Auch diese beiden Bäume müssen nach dem Willen des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund gestutzt werden. © Andreas Schröter

Und weiter: „Die extrem hohe Bepflanzung auf Ihrer Grabstätte entspricht nicht dem Charakter einer Grabstätte und passt sich nicht in das Gesamtbild des Friedhofes ein. Auch ist bei dem vorhandenen Aufwuchs eine Bestattung oder eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung der benachbarten Flächen nur mit immensem Aufwand zu realisieren.“

Dem Kirchenkreis sei bewusst, dass er den vielfältigen Ansprüchen der unterschiedlichen Nutzer nicht in jedem Fall gerecht werden könne.

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