Friedrichstraße: Unendliche Geschichte um gefällten Baum und einen Spielplatz geht weiter

hzGefällte Kastanie

An der Friedrichstraße im Klinikviertel kehrt keine Ruhe ein. Anwohner haben bislang vergeblich um eine Kastanie und für einen Spielplatz gekämpft. Die vier wichtigsten Punkte.

Klinikviertel

, 08.06.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die unendliche Geschichte an der Friedrichstraße geht weiter. Am Fuße des Gebäudes mit der Hausnummer 31 ist auch im Juni 2019 eine Baustelle dort, wo schon längst ein Spielplatz sein sollte. Dafür ist aber eine Kastanie, die eigentlich nicht gefällt werden sollte, gefällt worden.

? Wie ist die Ausgangslage? Das Unternehmen HS Wohnungsbau hatte 2012 die Errichtung eines Quartiers, bestehend aus 52 Eigentumswohnungen, angekündigt. Bei der Errichtung kam es zu erheblichen Verzögerungen. Zudem war den Anwohnern der Bau eines modernen Spielplatzes anstelle eines alten, kleinen versprochen worden. Er sollte rund um eine schützenswerte Kastanie errichtet werden. So sieht es der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt Dortmund und dem Vorhabenträger Willi Hülseweg, Geschäftsführer von HS Wohnungsbau, vor.

Friedrichstraße: Unendliche Geschichte um gefällten Baum und einen Spielplatz geht weiter

Die gefällte Kastanie aus der Nähe betrachtet. © privat

? Was ist mit dem Spielplatz und der Kastanie? Beides gibt es nicht. Die Kastanie wurde am 28. Februar 2019 gefällt, zwei Tage vorher sind die Anwohner darüber schriftlich informiert worden. Die Fällung des meterhohen Baumes sei grundlos erfolgt, sagt eine Anwohnerin im Gespräch mit dieser Redaktion.
Die Stadt Dortmund begründet die Aktion aber mit einem Pilzbefall (Hallimasch). „Die Kastanie wurde vor der Erteilung der Fällgenehmigung durch einen externen Gutachter und das städtische Umweltamt untersucht. Aufgrund eines nur noch mit hohem Aufwand und für eine sehr begrenzte Zeit gegebenen Erhaltungszeitraums wurde der Baum nach den Regelungen der Dortmunder Baumschutzsatzung von seinem Schutz befreit. Ein Erhalt des Baumes wäre am Standort unverhältnismäßig gewesen, weil seine Funktion rasch abnimmt und die Kosten zur Bewahrung überproportional ansteigen“, teilt Stadtsprecher Christian Schön mit.
Die Kosten für Gutachten und Fällung habe der Investor getragen. Schon im Oktober 2018 hatten Anwohner vermutet, dass rund um den Baum abgelagerter Bauschutt für ein Absterben des Baumes sorgen könne. „Die Ablagerungen von Bauschutt etc. waren ungünstig“, so Christian Schön, „jedoch in sich nicht allein für den Befall mit dem Hallimasch-Pilz heran zu ziehen.“
Allerdings seien im Normalfall Baumschutzmaßnahmen mit der Stadt Dortmund abzustimmen, wenn ein Investor ein solches Vorhaben plant. So schreibt es Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage von Uwe Martinschledde (Piraten), Mitglied der Bezirksvertretung Innenstadt-West. Für die Öffentlichkeit ist diese Antwort allerdings nicht bestimmt. So heißt es in ihrer Antwort zur Frage nach dem Bauschutt an der Kastanie weiter: „Die Ablagerung von Bauschutt ist nicht mit der Stadt Dortmund abgestimmt.“
Der Spielplatz sollte eigentlich schon 2013 fertig sein. Bislang war auf der geplanten Fläche aber nichts davon zu sehen. Anfang Juni jedenfalls rollte ein Bagger über das Gelände und Bauarbeiter waren unterwegs.

Friedrichstraße: Unendliche Geschichte um gefällten Baum und einen Spielplatz geht weiter

Da stand die Kastanie noch. Nicht zu übersehen ist der Bauschutt, den das Unternehmen HS Wohnungsbau ohne Absprache mit der Stadt Dortmund rund um den Stamm gelagert hatte. © Stephan Schütze (Archiv)

? Wie reagieren die Anwohner? Sie zweifeln die Rechtmäßigkeit der Fällung an. Zwar sollen drei kleine Bäume auf dem Spielplatzgelände nachgepflanzt werden, doch das genügt einer Anwohnerin nicht. Sie wollte einen großen Baum spenden, sei bei der Stadt aber nicht auf offene Ohren gestoßen. Sie wandte sich im Mai an die Bezirksvertretung. Die hat die Verwaltung aufgefordert, eine einvernehmliche Lösung für das Problem zu finden.

? Wie reagiert das Wohnungsunternehmen? Eine schriftliche Anfrage dieser Redaktion vom 13. Mai, gerichtet an Willi Hülseweg, ließ HS Wohnungsbau bis dato unbeantwortet. Wir wollten unter anderem wissen, warum die Kastanie gefällt wurde, warum Bauschutt um den Stamm des Baumes lag und wann der Spielplatz fertig sein wird.

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