Frische Brötchen auch sonntagsnachmittags - machen die Dortmunder Bäcker mit?

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Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Wenn eine Bäckerei ein Café hat, darf Sonntags den ganzen Tag Brötchen verkaufen. So gehen die Dortmunder Bäckereien mit der Entscheidung um.

von Lena Heising

Dortmund

, 18.10.2019, 15:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Langschläfer sonntags frische Brötchen zu frühstücken, ist gar nicht so leicht. Bisher durften Bäcker in Nordrhein-Westfalen an Sonntagen nur fünf Stunden lang ihre Brötchen verkaufen. Doch seit Donnerstag (17. Oktober) ist diese Regelung Geschichte: Der Bundesgerichtshof entschied, dass in Bäckereicafés den kompletten Sonntag lang Backwaren über die Ladentheke gehen dürfen. Für Dortmunder Bäckereien ist das ein Grund zur Freude.

„Wir begrüßen das Urteil“, sagt Thomas Vorwerk von der Bäckerei Vorwerk. „Es ist gerecht.“ Heutzutage, so Vorwerk, komme man um den Öffnungstag Sonntag nicht mehr herum. Das fordere der Kunde so.

Das Urteil bedeutet aber nicht, dass die Bäckerei am kommenden Sonntag alle Filialen für den ganzen Tag öffnet. Man könne prüfen, ob es Sinn macht, in einzelnen Filialen die Öffnungszeiten zu verlängern. „Das hängt auch von der Lage der Filiale ab“, sagt Vorwerk. Einige Filialen haben sowieso eine Gastronomieerlaubnis, durch die sie sonntags länger als die vorgegebenen fünf Stunden verkaufen durften. Das Urteil des Bundesgerichtshofes gebe den Bäckereien eine größere Sicherheit, sagt Vorwerk. „Wir können jetzt flexibler darauf reagieren, was der Markt fordert.“

„Eine Frage der Gerechtigkeit“

Michael Bartilla hält das Urteil für längst überfällig. „Wir haben nichts anderes erwartet“, sagt der Geschäftsführer des Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe. Die meisten der Dortmunder Bäckereien seien Bäckerei-Cafés und somit von dem BGH-Urteil betroffen. „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit“, findet Bartilla.

Bisher hatten Bäckereien nämlich eine erheblichen Nachteil gegenüber ihren Konkurrenten. Tankstellen zum Beispiel dürfen Tag und Nacht Brötchen, Croissants und Brote verkaufen. Bei Bäckereien war bisher nach fünf Stunden Schluss. Kaffee durfte noch über die Ladentheke, das Brot aus dem Regal musste dort bleiben. „Die Gesetzeslage sollte von vorneherein fair sein - es kann nicht sein, dass man sich seine Rechte erst einklagen muss“, findet Bartilla.

Keine Änderungen der Öffnungszeiten bei Grobe

Jürgen Hinkelmann von der Bäckerei Grobe findet das Urteil ebenfalls gut. Es sei eine Entscheidung, die sich den Wünschen der Verbraucher angepasst habe. In seinem Unternehmen ändere das Urteil „aber nichts generelles“, sagt Hinkelmann. Standorte, die um 12 Uhr schließen, bleiben trotzdem nicht länger geöffnet. Für die Filialen, die auch Sonntagnachmittags verkaufen, hat er genau wie Vorwerk bereits eine Gastronomieerlaubnis. Eine solche Erlaubnis sei nicht schwer zu bekommen. „Insgesamt ist das in Nordrhein-Westfalen ein anderes Thema als zum Beispiel in Bayern“, sagt Hinkelmann.

Münchener Bäcker gewinnt vor dem BGH

Den Rechtsstreit um die Sonntagsbrötchen hatte ein Bäcker aus München ausgelöst. In Bayern durften Bäcker sonntags sogar nur drei Stunden lang öffnen. Der Münchener Bäcker ignorierte diese Regelung und wurde dafür von der Zentrale für Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs verklagt. Kernfrage in dem Prozess war, ob Brot und Brötchen zu den „zubereiteten Speisen“ zählt oder nicht. Der Münchener Bäcker hat für seine Kunden nämlich auch Tische und Stühle aufgestellt und hier kommt das Gaststättenrecht ins Spiel. Als Wirt einer Gaststätte darf man diese „zubereiteten Speisen“ nämlich auch zu Sperrzeiten servieren. Der Bundesgerichtshof entschied sich dafür, Bäckereicafés zu den Gaststätten zu zählen und damit von dem Feiertagsschutz zu entbinden.

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