Geht zu „FunDOmio“, wenn ihr Weihnachtsmarkt und Co. retten wollt!

hzMeinungs-Kolumne „Klare Kante“

Zu teuer, lieblos: Es gibt Kritik an „FunDOmio“. Doch wer nur deswegen den Freizeitpark an den Westfalenhallen meidet, schadet Dortmund - und zwar auf Dauer, findet unser Autor, und appelliert: Geht hin!

Dortmund

, 04.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Ende Juni hat Dortmund seinen eigenen Freizeitpark. Auf den riesigen Parkflächen zwischen BVB-Stadion und B1, wo über Monate nur Asphalt-Ödnis war, über die sich höchstens der eine oder andere Windskater freute, drehen sich nun gemächlich Riesenrad-Gondeln, schießen Achterbahnwagen auf steilen Schienen in die Tiefe und bieten Fressbuden die oft ungesunden, aber immer verlockenden Kirmes-Köstlichkeiten an.

„FunDOmio“ haben Dortmunds Schausteller ihren temporären Freizeitpark getauft. 34 Euro kostet der reguläre Eintritt, Senioren und Kinder kommen für 29 Euro rein. Ist man einmal drin, kann man den ganzen Tag so viele Fahrgeschäfte nutzen, wie man will.

So viel Geld für eine aufgemotzte Kirmes?

Als die Preise bekannt wurden, winkten viele Dortmunder ab: Viel zu teuer, und das für eine nur ein bisschen aufgemotzte Kirmes auf einem Parkplatz? Warum sollte man so viel ausgeben, wenn man auch einen richtigen Freizeitpark besuchen kann?

Jetzt lesen

Zumal die großen Freizeitparks in NRW momentan mit ermäßigten Preisen werben: Im Juli kommt man an manchen Tagen für 42,50 Euro ins Phantasialand in Brühl bei Köln, der Moviepark in Bottrop bietet für kommende Woche sogar Tickets an, die mit 29,50 Euro billiger sind als bei der improvisierten Dortmunder Konkurrenz.

Verzweifelter Überlebensversuch einer ganzen Branche

Doch wer sich deswegen gegen „FunDOmio“ und für Bottrop oder Brühl entscheidet, darf sich später nicht beschweren, wenn zukünftig in Dortmund noch weniger los ist als vor der Corona-Krise.

„FunDOmio“ ist der Versuch einer ganzen Branche, diese Krise irgendwie zu überleben. Das wird spätestens klar, wenn man mit den Schaustellern spricht, die an ihren luftig rund um die Westfalenhallen verteilten Ständen und Fahrgeschäften auf Kundschaft warten.

Jetzt lesen

Da hört man die Geschichte der Großfamilie, die seit neun Monaten keinen Cent mehr verdient hat. Oder die vom Enddreißiger, dem die Arbeit als Schausteller hilft, die Finger von Marihuana zu lassen. Dutzende, hunderte menschliche Schicksale hängen am Erfolg von „FunDOmio“.

Wer Volksfeste erhalten will, muss zu „Fundomio“

„Support your local shops“ („Unterstütze die Geschäfte vor Ort“) war einer der beliebten Slogans im Corona-Lockdown. Viele Dortmunder spendeten für ihre Lieblingskneipe, kauften Kaffee bei Dortmunder Röstereien, unterstützten den lokalen Einzelhandel durch Online-Bestellungen. Eine lebendige Geschäftslandschaft sei überragend wichtig für die Attraktivität einer Stadt, hieß es immer wieder.

Genau das gleiche gilt auch für Dortmunds Schausteller. Wenn sie während der Corona-Krise pleite gehen, wer füllt dann danach beliebte Volksfeste wie vor allem den geradezu legendären Dortmunder Weihnachtsmarkt, aber auch die Kohlenkirmes in Eving, die Bartholomäuskirmes in Lütgendortmund, die Karnevalskirmes oder die Pingsthuekke in Huckarde mit Leben?

„Fundomio“-Macher reagieren auf Kritik

Deshalb sage ich: Wer diese Volksfeste mag und sie erhalten will, sollte mindestens einmal bei „FunDOmio“ vorbeischauen - und sei es nur für eine Bratwurst und eine Cola! Das ist nämlich seit kurzem auch möglich: Die Schausteller haben nämlich auf die Kritik an den Preisen reagiert und bieten nun Flaniertickets für 5 Euro an - für den Bummel über die Kirmes ohne die Fahrgeschäfte-Flatrate.

Zeit ist noch genug: „FunDOmio“ läuft noch die ganzen Sommerferien über.

Lesen Sie jetzt

Jetzt geht es rund an den Westfalenhallen: An diesem Donnerstag (25.6.) hat Dortmunds erster temporärer Freizeitpark „FunDOmio“ seine Tore geöffnet. Wir berichten, was man dort erleben kann. Von Oliver Volmerich, Rebekka Antonia Wölky

Lesen Sie jetzt