„Wir haben der Stadt ein Haus geschenkt“: Mit klaren Worten weigert sich der DFB, die Stadt bei Verlusten des Fußballmuseums zu entlasten. Eine Klausel könnte den Verband aber dazu zwingen.

Dortmund

, 17.10.2019, 18:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit der Eröffnung im Oktober 2015 schreibt das Deutsche Fußballmuseum am Königswall schwarze Zahlen. Die dürften fürs erste der Vergangenheit angehören: Laut städtischem Beteiligungsbericht wird fürs laufende Jahr 2019 erstmals ein Defizit in noch nicht benannter Höhe erwartet. Aktuell rechnet die Stadt damit, dass sie auch in den Folgejahren Geld auf den Tisch legen muss: Für 2020 kalkuliert sie einen eigenen Verlustausgleich von 292.000 Euro ein und für 2021 sogar 360.000 Euro.

Das Problem: Zwar sind der Deutsche Fußballbund (DFB) und die Stadt beide je zur Hälfte (und damit zu gleichen Teilen) am Museum beteiligt. Das größere Risiko aber trägt die Stadt. Sie hatte damals mit dem DFB im Konsortialvertrag vereinbart, dass Verluste bis zu 500.000 Euro pro Jahr von ihr und dem DFB geteilt werden. Für alles, was darüber hinausgeht, kommt die Stadt im Alleingang auf. Im Klartext: Der DFB hat sein Risiko auf 250.000 Euro gedeckelt.

Linke empören sich: "Das ist eine Frechheit"

Die Stadt hatte bereits in der Vergangenheit in Gesprächen versucht, diese inzwischen höchst umstrittene Klausel wieder zu ändern. Vergebens. Und auch unter Führung seines neuen Präsidenten Fritz Keller signalisiert der DFB wenig Bereitschaft zum Entgegenkommen. „Wir haben der Stadt ein Haus geschenkt, jetzt müssen aber auch die Strom- und Betriebskosten getragen werden“, lässt sich Keller in einer Pressemitteilung zitieren.

Das Fußballmuseum bringe Dortmund aufgrund der rund 200.000 Besucher jährlich nicht nur einen hohen Mehrwert. „Es ist eine kulturelle Einrichtung und muss von der Stadt wirtschaftlich genauso behandelt werden wie andere Kultureinrichtungen der Stadt.“ Im Übrigen sei das reine Betriebsergebnis des Hauses positiv. Die derzeit diskutierten Verluste resultierten aus „Abschreibungen aus der Bauphase und aus Investitionen in den Substanzerhalt.“

Der DFB beteilige sich bereits mit 250.000 Euro/Jahr am Betrieb des Hauses sowie mit eigenen Veranstaltungen, die er gesondert bezahle. Bei anderen Kultureinrichtungen, so der Fußballverband, entstünden solche Diskussionen nicht, weil ihre strukturellen Defizite vorab durch kommunale Zuschüsse ausgeglichen würden. „Würden für das Fußballmuseum dieselben Spielregeln gelten, wäre es in der Gewinnzone“, argumentiert der DFB.

„Das ist eine Frechheit“, kommentiert Utz Kowalewski, Fraktionschef von Linken/Piraten. Es sei nicht seriös, die Last einseitig auf einen Partner abzuwälzen. „Der DFB ist kein armer Verein, wir reden hier nicht über das Kinderhilfswerk“, so Kowalewski. Er gehe davon aus, dass der Passus im Konsortialvertrag neu verhandelt werde.

DFB will "gleiche Unterstützung wie für andere Museen"

Die Stadt schweigt erst einmal. Man kommentiere die Pressemitteilung des DFB „aktuell nicht“, heißt es. Dafür werde die Politik Anfang November eine Vorlage bekommen, in die „andauernde Überlegungen der Stadt zum Engagement beim Fußballmuseum auch bezüglich dessen positiver Auswirkungen für Dortmund einfließen“, wie ein Verwaltungssprecher reichlich sibyllinisch mitteilt.

Der DFB hingen pocht darauf, dass die Stadt den Vertrag einhält und damit weiterhin ein ungleich höheres Risiko trägt. Man wünsche sich „die gleiche Unterstützung, wie sie für alle anderen Kulturbetriebe auch gilt.“

Stadt ist nicht verpflichtet, auf ewig mehr Geld zu zahlen

Was der DFB nicht sagt: Die Stadt ist keineswegs verpflichtet, Jahr für Jahr überproportional mehr Geld als der DFB in den Betrieb des Hauses zu pumpen. Das geht aus § 5 Absatz 2 des Konsortialvertrages hervor, der unserer Redaktion vorliegt.

Dort heißt es: „Wenn sich der Fehlbetrag in drei aufeinander folgenden Geschäftsjahren auf jeweils mehr als 600.000 Euro beläuft, sind die Gesellschafter verpflichtet, über Konzept, Organisation und personelle Ausstattung des Museums neu zu verhandeln und Änderungen zu vereinbaren, die zu einer nachhaltigen Kostenreduzierung führen.“ Auch dazu war aktuell keine Stellungnahme der Stadt zu bekommen.

CDU-Sprecher: "Jeder hat das Risko gekannt"

Ingrid Reuter, Fraktionssprecherin der Grünen, geht davon aus, dass Vertreter des DFB-Museums im November im Finanzausschuss zur finanziellen Lage des Hauses Klartext reden. Eigentlich hätte das bereits im September geschehen sollen. Mit Blick auf die Neuwahl des DFB-Präsidenten hatte die Stadt die Einladung aber erst einmal zurückgezogen. „Die Haltung des DFB befremdet“, kommentiert Reuter die Mitteilung aus der Frankfurter Zentrale. Schließlich hätten die städtischen Museen „einen anderen Bildungsauftrag als das Haus am Königswall.“ Sie erwarte, dass die ungleiche Vertragsgestaltung nachverhandelt werde.

Etwas anders sieht das CDU-Finanzsprecher Udo Reppin. „Die Entwicklung war voraussehbar.“ Schon vor Jahren habe es im Vorfeld der Ratsentscheidung genug Warnungen gegeben, sagt Reppin. „Jeder, der für das Museum gestimmt hat, wusste auch, welches Risiko darin liegt.“ Es sei auch keine neue Erkenntnis, dass Museen ohne Zuschüsse in aller Regel rote Zahlen schrieben. „Jetzt tritt der Fall ein“, sagt Reppin. Für die Stadt dürfte es schwierig werden, die Klausel zu ändern, fürchtet Reppin. „Vertragstreue ist immer noch ein hohes Gut."

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