An der südlichen Speicherstraße geht die Entwicklung schnell voran. Was noch fehlt sind die Parkplätze für die neuen Nutzungen. © Hans Blossey
Dortmunder Hafen

Gastronomie und Büros: Bekommt der „neue Hafen“ ein Parkplatz-Problem?

Schicke Büros und Gastronomie sollen bald die Speicherstraße im Hafen prägen. Für die neuen Nutzungen in den alten Speichergebäuden gibt es aber noch ein Hindernis: Die Parkplätze fehlen.

Es wird eifrig gebaut in der südlichen Speicherstraße. Für die Akademie für Digitalität und Theater entsteht ein Neubau, für den Lensing-Media-Port wird ein altes Speichergebäude entkernt. Zugleich werden die Speicherstraße mit ihrem historischen Kopfsteinpflaster und die Uferpromenade neu gestaltet.

Ein zweites altes Speichergebäude direkt am Kanalufer soll zum „Hafenforum“ mit Gründerzentrum werden. Noch ist der Kaufvertrag mit der Landmarken AG als Investor aber nicht unterzeichnet.

Ein Hemmschuh für die Entwicklung ist allerdings die noch offene Parkplatzfrage. Das „Digitalquartier“, das in der Speicherstraße entsteht, soll zwar im Sinne der Verkehrswende weitgehend autofrei gestaltet werden. Dennoch kann man nicht davon ausgehen, dass wirklich jeder mit ÖPNV, zu Fuß oder per Rad anreist. Und: Um den verpflichtenden Nachweis von (genügend) Stellplätzen kommen die Investoren auch nicht herum.

Nach den aktuellen Vorgaben der Landesbauordnung müsste pro 30 bis 40 Quadratmeter Bürofläche im Quartier ein Pkw-Stellplatz vorgesehen werden. Und auch, wenn die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mit der Stadtbahnstation Hafen und die verstärkte Schaffung von Fahrrad-Stellplätzen in die Berechnung einfließt, gibt es aktuell trotzdem nicht genug Parkplätze für die neuen Nutzungen an der südlichen Speicherstraße.

Und dabei drängt angesichts der schon ausgereiften Investorenpläne die Zeit. „Die Stellplatzfrage muss schnell geklärt werden, sonst kommt alles in Zeitverzug“, stellt Hafendirektor Uwe Büscher fest.

Eine Idee war, ein Parkhaus oder eine Parkpalette auf dem schon vorhandenen Park-and-Ride-Platz zwischen Sunderweg und Speestraße südlich der Mallinckrodtstraße zu bauen. Doch das ist schwierig – und langwierig. Denn dafür wäre eine Änderung des Bebauungsplans nötig, erklärt Planungsdezernent Ludger Wilde.

Auf dem P+R-Parkplatz am Sunderweg könnte ein Parkhaus entstehen. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Dazu kommt, dass die bestehende Parkplatz-Anlage Teil des Dortmunder US-Lease-Geschäfts ist. Damit wurden, vereinfacht ausgedrückt, Teile der Stadtbahn-Infrastruktur an US-Investoren vermietet, die damit Steuern sparen, und dann zurückgemietet. Das Arrangement erfordert bei Veränderungen entsprechenden Abstimmungsbedarf.

Zwei Parkhäuser geplant

Vor allem mit Blick auf das nötige Bebauungsplan-Verfahren ist klar, dass ein Parkhaus am Sunderweg für die Entwicklung der südlichen Speicherstraße zu spät kommt, räumt Ludger Wilde ein. Doch die Verwaltung hat einen Plan B.

Nach dem Mobilitätskonzept zum städtebaulichen Plan des dänischen Büros Kobe sollen an den Endpunkten der ansonsten autofrei geplanten nördlichen Speicherstraße zwei Parkhäuser entstehen.

Die Investoren, die jetzt schon an der südlichen Speicherstraße aktiv sind, sollen ihre Stellplätze in dem neu zu bauenden Parkhaus nachweisen, das an der Ecke zur Bülowstraße entstehen soll – dort, wo bis August 2020 das Verwaltungsgebäude der Hafen AG stand. Es kann nach Paragraph 34 der Bauordnung angepasst an die vorhandene Bebauung ohne Bebauungsplan gebaut werden – und damit deutlich schneller als ein Parkhaus am Sunderweg.

Die stehengebliebene Standuhr erinnert noch an die frühere Hafenverwaltung an der Speicherstraße 23. Hier soll ein Parkhaus entstehen. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Aktuell laufen Untersuchungen, zu welchen Kosten und in welcher Form das Parkhaus entstehen könnte – abhängig davon, ob es etwa auch eine Tiefgarage geben soll. Mit Ergebnissen rechnet Ludger Wilde in der ersten Jahreshälfte 2022. Wenn sich dann ein Investor findet und einen Bauantrag stellt, könnte das Parkhaus 2023 gebaut werden und 2024 zur Verfügung stehen. „Es gibt schon Interessenten für den Bau“, berichtet Wilde.

Auch das wäre freilich zu spät für den Umbau der alten Speichergebäude an der südlichen Speicherstraße. Für sie soll deshalb eine Übergangslösung geschaffen werden – in Form vom temporären Stellplätzen auf Brachflächen an der nördlichen Speicherstraße und Bürgschaften, die den späteren Bau von Parkplätzen und die nötigen Stellplatznachweise absichern. Das müsste allerdings über Baulasten für die nötigen Flächen rechtlich gesichert werden.

Bürgerdialog als Spaziergang

  • Die Stadt Dortmund lädt zu einem weiteren Bürger-Dialog zur Speicherstraße statt. Er soll diesmal als Spaziergang durch die Speicherstraße mit Oberbürgermeister Thomas Westphal und Vertretern der Hafen AG und der Entwicklungsgesellschaft d-port21 am 19. November 2021 (Freitag) ab 15.30 Uhr stattfinden.

  • Der genaue Startpunkt des Rundgangs wird den angemeldeten Personen kurz vor der Veranstaltung per E-Mail mitgeteilt. Eine nötige Anmeldung ist online unter https://www.wirtschaftsfoerderung-dortmund.de/service/termine/buergerinnendialog-hafenquartier-speicherstrasse möglich.

  • Die Veranstaltung findet unter den am Termin geltenden Corona-Schutzmaßnahmen (derzeit 3G) statt. Die Teilnehmenden sollten ihren entsprechenden Nachweis sowie die Anmeldebestätigung bereithalten.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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