Gefahr am Straßenrand: An dieser Straße streifen Autos fast die Fußgänger

hzAwo-Wohnhaus

Alleine in den Park, zur Bushaltestelle oder zum Einkaufen? Das ist für viele Bewohner des Awo-Wohnhauses in Mengede undenkbar. Der Weg dorthin ist gefährlich – und das nicht nur für sie.

Mengede

, 03.10.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Erwin ist der Gang zum Netto-Markt an der Mengeder Straße ein großes Stück Selbstständigkeit. Denn der Bewohner des Awo-Wohnhauses Mengede, in dem geistig und körperlich behinderte Menschen zusammenleben, ist mit dem Rollator unterwegs. „Ich gehe gerne alleine einkaufen“, sagt er. „Aber ich habe auch Angst.“

Denn der Weg zum Supermarkt ist ein Spießrutenlauf. Und das nicht nur für die Bewohner des Wohnhauses, sondern für alle, die zu Fuß dorthin laufen. Der Bürgersteig, der vom Awo-Wohnhaus aus in Richtung Netto führt, ist holprig. Baumwurzeln haben einige Gehwegplatten angehoben und teils sogar zerbrochen. „Mit dem Rollstuhl oder dem Rollator, aber auch mit Kinderwagen kommt man hier nicht so einfach lang“, sagt Wohnhaus-Leiterin Tanja Kaufmann.

Der Bürgersteig fehlt

Auf einem Teilstück des Weges fehlt der Bürgersteig sogar komplett – und das auf beiden Straßenseiten. Lediglich die weiße Fahrbahnmarkierung trennt hier Autos und Fußgänger. „Auf dieser Straße darf 50 km/h schnell gefahren werden, viele fahren schneller“, sagt Tanja Kaufmann.

Kopfschüttelnd zeigt sie auf ein Schild, das das Bürgersteig-lose Stück als Fuß- und Radweg kennzeichnet. „Wenn hier Fahrradfahrer und Fußgänger aufeinander treffen, muss einer komplett auf die Straße ausweichen.“ Für gehbehinderte Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen und Eltern mit Kinderwagen ist die Gefahr auch dort noch nicht vorbei, wo der Bürgersteig wieder anfängt.

Rollstuhlfahrer müssen die Autoeinfahrt nutzen

Denn hier gibt es lediglich eine steile Treppe, die zum Supermarkt führt. „Barrierefrei ist das nicht“, sagt Tanja Kaufmann. „Unsere Bewohner müssen ganz außen herum gehen und die Autoeinfahrt nutzen.“ Viele Bewohner trauen sich deshalb anders als Erwin nicht, ohne Begleitung einkaufen zu gehen. Andere lassen sich von mutigeren Bewohnern etwas mitbringen oder werden mit dem Auto gefahren.

Bereits 1998 - jawohl: vor über 20 Jahren - hat das Wohnhaus einen Antrag gestellt, den Bürgersteig durchgängig zu bauen. Damals habe es geheißen, dass das aufgrund von Privatgrundstücken am Wegesrand nicht möglich sei, so Tanja Kaufmann. Und auch ein weiterer Antrag wurde abgelehnt.

Es gibt keinen Fußgängerüberweg

Gegenüber dem Wohnhaus befinden sich ein Parkeingang und eine Bushaltestelle. Doch der nächste Fußgängerüberweg ist einige Hundert Meter entfernt. „Das ist für viele gehbehinderte Bewohner schwer zu bewerkstelligen“, sagt Tanja Kaufmann. Einfach so über die Straße gehen? Undenkbar, denn das Wohnhaus liegt in einer schwer einsehbaren Kurve.

Der damalige Grund für die Ablehnung des Antrages: Es seien nicht ausreichend viele Menschen, die an der Stelle die Straße queren. Doch die Wohnhaus-Leiterin wünscht sich eine Lösung für ihre Bewohner, die ihnen endlich mehr Sicherheit und Selbstständigkeit gibt. Deshalb hat die Bezirksvertretung Mengede jetzt einen neuen Antrag eingereicht. Und diesmal hofft Tanja Kaufmann auf eine positive Antwort.

Lesen Sie jetzt