Gefahr vor der Kita: Anwohner klagen über rasende Autofahrer

hzNiergartenstraße

Trotz Anliegerschild nutzen fremde Autofahrer die Niergartenstraße als Umleitung. Ein Fahrer bedrohte sogar eine Anwohnerin. Doch das Tiefbauamt sieht „kein öffentliches Interesse“.

von Marc Dominic Wernicke

Schüren

, 04.12.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund um den Phoenix-See sorgen Baustellen an wichtigen Verbindungsstraßen bei vielen Autofahrern für Frustration. Doch nicht nur sie sind betroffen: Die Anwohner der Niergartenstraße in Schüren sehen sich durch den Ausweichverkehr großem Stress und sogar einer Gefahr ausgesetzt.

Bis Mitte November war die Niergartenstraße wegen der Bauarbeiten an der Schürufer- und Adelenstraße als offizielle Umleitung zwischen Hörde und Aplerbeck ausgewiesen.

Doch nachdem sich die Anwohner über das verstärkte Verkehrsaufkommen beschwert hatten, wurde diese Umleitung geschlossen. Seitdem ist die Straße mit provisorischen Schildern als „Anlieger frei“ gekennzeichnet.

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Rund 15 Anwohner hatten sich am Mittwoch (4. Dezember) vor dem Kindergarten „Kleine Raupe“ im mittleren Teil der Niergartenstraße versammelt. Gespannt beobachten sie am Mittag den Verkehr in ihrem Wohngebiet.

Anliegerschilder werden von fremden Fahrern ignoriert

An diesem Tag ist die Polizei vor Ort und befragt alle Fahrer, die die Straße passieren, nach ihrem Ziel.

Manche setzen wenige Meter westlich am Anschluss der Meinbergstraße noch den Blinker, fahren dann aber weiter geradeaus, sobald sie die Beamten sehen.

„Das ist das erste Mal, dass wir sehen, dass hier kontrolliert wird“, stellt die Anwohnerin Bettina Mönnekes fest.

Gefahr vor der Kita: Anwohner klagen über rasende Autofahrer

Anwohner der Niergartenstraße klagen über rücksichtslose Autofahrer, die das Anliegerschild missachten. Sie fürchten zudem eine Gefahr für die Kinder der Kita „Kleine Raupe“. © Marc D. Wernicke

Sie und ihre Nachbarn möchten in den vergangenen drei Wochen vielfach beobachtet haben, wie Autofahrer die Schilder ignoriert und die Niergartenstraße weiterhin als schnelle Umleitung nach Aplerbeck genutzt hätten.

„An einem Morgen habe ich in der Zeit von 7.30 bis 7.45 Uhr an die 40 Fahrzeuge gezählt“, wirft die Anwohnerin Marion Kahlemann ein. Viele davon fuhren überdies mit teils weit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße, in der Tempo 30 gilt.

Kita-Kinder in Gefahr

Wegen der zahlreichen und teils rücksichtslosen Autofahrer sehen die Anwohner sich und ihre Kinder in Gefahr. „Der Bürgersteig ist sehr eng und niedrig. Er wird immer wieder von Autofahrern geschnitten“, berichtet die Kita-Leiterin Stefanie Meinelt. „Wir hoffen und beten jeden Tag, dass den Kindern hier nichts passiert.“ Auch vor dem nahegelegenen Spielplatz und dem Evangelischen Gemeindehaus könne es gefährlich werden.

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Sie selbst habe schon die Aplerbecker Bezirksvertretung um Hilfe gebeten. Poller am Bürgersteig oder Warnschilder vor der Kita könnten die Situation vielleicht beruhigen.

„Vom Tiefbauamt hieß es dazu aber nur, dass es daran kein öffentliches Interesse gebe“, so die besorgte Kita-Leiterin. Die Anfrage der Redaktion beim Tiefbauamt zu diesem Thema läuft.

Auch ohne Ausweichverkehr sei die Straße oft überlastet

Laut den Anwohnern sei es seit 2017 das dritte Mal, dass ihre Straße durch den Ausweichverkehr in Folge von Baustellen zusätzlich belastet würde. Doch auch wenn der Verkehr in der Umgebung normal fließt, beurteilen viele die Situation als dauerhaft kritisch.

Da die enge Straße nur einspurig befahrbar ist, komme es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Anwohnern und Autofahrern von außerhalb.

„Die fahren einfach hier rein und wir müssen dann im Gegenverkehr irgendwie Platz machen. Ich wurde dabei schon oft beschimpft oder gar mit Schlägen bedroht“, berichtet Bettina Mönnekes.

Gefahr vor der Kita: Anwohner klagen über rasende Autofahrer

Anwohner der Niergartenstraße beschweren sich über die starke Verkehrsbelastung. Viele Autofahrer nutzen sie wegen der Bauarbeiten an der Schüruferstraße als Umleitung – obwohl sie das gar nicht dürfen. © Marc D. Wernicke

Sie und einige ihrer Nachbarn wären sogar dafür, die Niergartenstraße künftig zu einer Einbahnstraße zu machen, um solche Begegnungen zu vermeiden.

„Die können es gar nicht alle so eilig haben, dass sie unbedingt hier durchfahren müssen. Ich glaube, bei vielen ist das reine Rücksichtslosigkeit“, kritisiert Mönnekes.

Eine Tagesmutter mit zwei Kindern regte unterdessen an, das Auto auch mal stehen zu lassen: „Für jeden Blödsinn fahren die Leute mit dem Auto. Dabei könnte man doch auch andere Fortbewegungsmittel wie Fahrrad, Bus und Bahn nutzen.“

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