In der Innenstadt will „Querdenken“ am Sonntag wieder demonstrieren. Eine größere Versammlung gab es hier zuletzt im August 2020. © Oliver Schaper (Archivbild)
Demonstration

Gegen Corona-Maßnahmen: „Querdenken“ plant große Versammlung in Dortmund

Kassel, Stuttgart - und nun Dortmund? Die „Querdenken“-Bewegung will nach sieben Wochen Autokorso-Demos nun mit einer großen Kundgebung in der City auf sich aufmerksam machen.

Die Coronaschutz- und Impfgegner von „Querdenken“ brachten sieben Wochen lang Unruhe in den Dortmunder Feierabendverkehr. Immer dienstags demonstrierten sie mit einem Autokorso im Stadtgebiet und versuchten dabei ihre Ansichten unter den Bürgerinnen und Bürgern zu verbreiten.

Damit ist aber nun erstmal Schluss. Am 6. April fand der letzte Autokorso statt. Ruhe gibt die „Querdenken“-Bewegung aber trotzdem nicht.

Querdenken nicht so friedlich wie es scheint

Denn am Sonntag (25. April) soll es eine große Versammlung in der Dortmunder Innenstadt geben. Zumindest wird die in der Telegram-Gruppe „Nicht ohne uns Dortmund“ bereits mit einem Flyer beworben.

„We all – Europe United!“ und „Wir gehören zusammen – Menschheitsfamilie“ scheint laut diesem Flyer das Motto der Veranstaltung zu sein. Für Außenstehende lässt sich damit erstmal kein Zusammenhang zur „Querdenken“-Bewegung erkennen. Es klingt nach einer friedlichen Zusammenkunft.

Ein Bild, welches die Querdenker gerne von sich zeichnen. Friedlich ist an der Bewegung allerdings wenig, wie sich in jüngster Vergangenheit bestätigte: Bei den (zum Teil im Vorfeld verbotenen) Großdemonstrationen in Stuttgart oder Kassel kam es zu Angriffen auf Gegendemonstranten und Pressevertreter.

Zusätzlich werden von „Querdenken“ antisemitische Verschwörungserzählungen verbreitet, unter anderem vermuten sie hinter der Corona-Pandemie den Aufbau einer „Neuen Weltordnung“. Bei den Versammlungen sind immer wieder bekannte Neonazis, Reichsbürger und AfD-Politiker anzutreffen.

Hitlergruß und Eliminierung

Ein weiteres Indiz, welches gegen die vermeintliche Friedlichkeit der Versammlung in Dortmund spricht, zeigt sich bei den angekündigten Rednerinnen und Redner. So soll Artur Helios, „Der Mann mit dem Koffer“, auftreten.

Der Messebauer aus dem Sauerland zeigte bei einer „Querdenken“-Versammlung in Dresden im Oktober 2020 offen den Hitlergruß, bei einer Kundgebung in Hamm im März verkündete er: „Die Leute, die das mit uns seit einem Jahr machen, müssen anschließend eliminiert werden.“ Helios erzählte, dass es eine Liste mit Namen gebe, gegen die vorgegangen werden müsse.

Zwei Versammlungen parallel

Die Demonstration am Sonntag in Dortmund soll laut Flyer von 15 bis 21 Uhr auf dem Hansaplatz stattfinden. Im vergangenem August versammelten sich dort bei einer ähnlichen Versammlung rund 2.800 Querdenker.

Laut einer Telegram-Sprachnachricht von einer der Organisatorinnen soll es außerdem parallel zu der Veranstaltung auf dem Hansaplatz eine Versammlung auf dem Friedensplatz geben. „Sorgentelefon – Bürger fragen, Bürger antworten“ sei das Motto. Eine Art Diskussionsplattform offenbar.

Die Polizei Dortmund konnte davon am Dienstag (20.4.) nichts bestätigen, da die Kooperationsgespräche derzeit noch laufen würden. Polizeisprecher Gunnar Wortmann konnte nur mitteilen, dass es eine Anmeldung gebe.

Wie groß die Versammlung wird, lässt sich nur vermuten. Bislang wird die Demonstration in Dortmund bundesweit kaum beworben. Wahrscheinlich liegt das an einer weiteren Großdemo, die am Mittwoch (21.4.) in Berlin stattfinden soll.

Wird die Demo verboten?

Besonders nach den Ausschreitungen bei den vergangenen „Querdenken“-Großdemos und den steigenden Infektionszahlen stellt sich die Frage, ob solche Versammlungen nicht unterbunden werden sollten.

Laut Stadtspitze gebe es dazu keinen Anlass. Bei einer Pressekonferenz des Verwaltungsvorstandes am Dienstag (20.4.) erklärte Rechts- und Ordnungsdezernent Norbert Dahmen, dass das Grundgesetz und damit auch das Versammlungsrecht trotz verschärfter Coronaschutzverordnung nicht eingeschränkt werde.

Es könne weiter demonstriert werden – sofern Maskenpflicht und Abstände eingehalten werden. Das ist allerdings bei den „Querdenken“-Demos nicht der Fall.

Update: Am Freitag ist die Veranstaltung verboten worden

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt