Gehbehinderte Dortmunderin (80) kämpft um Behindertenparkplatz für ihre Ente

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Ursula Balzereit-Oueslati liebt ihre Ente – und kann sie trotz eines Nervenleidens in den Beinen noch fahren. Doch der Weg zu ihrem Kult-Auto ist für die Dortmunder Rentnerin (80) eine Quälerei.

Wambel

, 12.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursula Balzereit-Oueslati ist ein großer Fan des Citroen 2 CV. Momentan hat sie bereits ihre achte „Ente“. Problem: Die 80-Jährige ist wegen eines Nervenleidens in den Beinen seit einiger Zeit gehbehindert. Stürze, die zu Lendenwirbel- und Oberschenkelhalsbruch geführt haben, taten ihr Übriges.

Um ihre Ente, auf die sie auch in Zukunft keinesfalls verzichten möchte, problemlos erreichen zu können, bräuchte sie einen Behindertenparkplatz direkt vor der Haustür.

Den entsprechenden Ausweis dafür hat sie. Er trägt den Vermerk „aG - außergewöhnliche Gehbehinderung“. Er berechtigt sie zum Beispiel, Behindertenparkplätze in der Stadt zu nutzen.

„Straße ist zu eng für Parkplätze“

Leider wohnt sie in einer extrem engen Straße, dem Schwindweg auf der Grenze von Wambel und Körne, wo eigentlich gar nicht geparkt werden dürfte. Dass die Anwohner es trotzdem tun – wie übrigens auch an vielen anderen Stellen in der Stadt – ist nur durch Zudrücken beider Augen (und durch den Personalmangel) seitens der Ordnungsbehörden möglich.

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Deswegen habe ihr die Stadt Dortmund bereits mitgeteilt, dass dort kein solcher Parkplatz angelegt werden könne. Das bestätigt Stadtsprecher Christian Schön: „Der zuständige Sachbearbeiter der Straßenverkehrsbehörde im Tiefbauamt hat der Antragstellerin bereits telefonisch erklärt, dass die Einrichtung eines Schwerbehindertenparkplatzes im Schwindweg aufgrund der örtlich sehr verengten Gegebenheiten rechtlich nicht möglich ist.“

„Im Schwindweg gilt ein absolutes Halteverbot“

Aufgrund der Straßenbreite im Schwindweg gelte hier schon nach der Straßenverkehrsordnung ein absolutes Haltverbot, erklärt die Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl. Damit sei es der Straßenverkehrsbehörde auch nicht ausnahmsweise möglich, hier einen Behindertenparkplatz einzurichten.

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten habe die Stadt als Alternative erst die Einrichtung eines solchen Parkplatzes an der Straße „Am Rabensmorgen“ angeboten. Das habe die Antragstellerin jedoch mit Verweis auf die Entfernung abgelehnt.

Eine kleine Barriere existiert vor dem Haus am Schwindweg 1, in dem Ursula Balzereit-Oueslati wohnt. Sie stellt für sie ein großes Hindernis dar

Eine kleine Barriere existiert vor dem Haus am Schwindweg, in dem Ursula Balzereit-Oueslati wohnt. Sie stellt für sie ein großes Hindernis dar. © Andreas Schröter

So leicht jedoch lassen weder Ursula Balzereit-Oueslati noch ihr Hausarzt Dr. Martin Pieper locker: „Es kann doch nicht sein, dass sie einen Ausweis hat, ihn aber nicht nutzen kann“, sagt er. Möglicherweise könne sie Erfolg haben, wenn sie sich an die Hauseigentümerin, Dogewo21, wende – mit der Frage, ob vielleicht ein Stück des Rasens vor dem Haus für einen solchen Behindertenparkplatz geopfert werden könne.

Hilfreich für die Seniorin wäre auch, wenn die kleine Stufe, die vor dem Haus existiert, durch eine Rampe oder Ähnliches überbrückt werden könnte. „Hier muss es doch eine Lösung geben“, so Pieper.

Anliegen schriftlich einreichen

Das Wohnungsunternehmen Dogewo21 ist von dem Thema keinesfalls überrascht. Auf Anfrage erklärt Unternehmenssprecherin Tanja Meier, ein Dogewo-Mitarbeiter habe bereits mit der Mieterin darüber gesprochen. Er habe ihr gesagt, sie müsse ihr Anliegen schriftlich einreichen. Das sei bis heute nicht erfolgt.

Der Schwindweg ist recht eng. Die Einrichtung eines Behindertenparkplatzes auf der öffentlichen Wegefläche sei nicht möglich, sagt die Stadt.

Der Schwindweg ist recht eng. Die Einrichtung eines Behindertenparkplatzes auf der öffentlichen Wegefläche sei nicht möglich, sagt die Stadt. © Andreas Schröter

Grundsätzlich bemühe sich das Unternehmen, den Mietern entgegenzukommen. Das gelte zum Beispiel für Abstellplätze von E-Scootern, Aufzüge, Rampen oder Überbrückungsaufzüge. Tanja Meier sagt, sie wisse jedoch nicht, ob das auch in diesem Fall funktioniere.

Um einen Parkplatz auf dem Rasen vor dem Haus anzulegen, müsse man vermutlich eine Genehmigung von der Stadt einholen, weil ja zum Beispiel der Gehweg als öffentliche Wegefläche überquert werden müsste.

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